WENN DER STURM REDEN KÖNNTE

Hey! Ich habe hier auch ein Wörtchen mit zu reden. Ein Gewichtiges sogar. Schließlich bewege ich die Wellen, auf denen das Boot mit dem Findelkind schwimmt.
Mein Zorn ist schon abgeflacht, ich schäume nicht mehr vor Wut. Ich habe eine große Herausforderung angenommen und mit einem Felsen auf Leben und Tod gerungen. Ein Teil meiner Kraft hat sich dort verflüchtigt. Leider steht der Felsen immer noch im Weg und hält mich auf, aber ein paar Bäume, die sich in ihn hineint gekrallt hatten, konnte ich umreißen und entwurzeln.
Ich bin der Sturm, das ist mein Wesen.
Grausam oder böse bin ich nicht, das können nur Lebewesen sein. Ich habe keine Gefühle, tu nur, was zu tun mir geboten ist. Durch mich entsteht Chaos. Und aus dem Chaos wächst eine neue Ordnung, die ich wieder umwerfe, wenn sie zu sehr stagniert. Dann kann ich Wirbelsturm werden oder mich zum Orkan aufbauen.
Eigentlich habe ich weder Gedanken noch Worte. Ich bin einfach, und wer mir zu trotzen versucht, sollte sich vorsehen.
Du bist besorgt um das Boot und seinen Inhalt, stimmt´s? Nun soviel kann ich dir schon sagen: mein langer, mächtiger Atem pustet das Boot geschwind in den Süden. Das ist Land. Das Boot ist gar nicht so zerbrechlich, es kippelt nicht und tanzt mit den Wellen. Es wird heil bleiben.

EIN STILLER MOMENT

Der Herbst ist über dem Land
streut Blattteppiche üppig
auf den Asphalt
es wirbelt, weht und stürmt

Licht streichelt das rote Blatt
es funkelt wie ein Rubin
während Wildgänse fliegen
und im Dreiklang singen
hüllt unter dem gefiederten Baum
Gelb friedlich alles ein

Gold

Das Gold der späten Sommertage, das sich in den abgeernteten Getreidefeldern verdichtet, liegt noch tief im Schlaf versunken. Nur manchmal strahlt es durch die Träume und lässt Sequenzen in einem besonderem Licht erstrahlen.

Es ist nur ein Schritt. Er scheint dir so schwer. In dir ist der Widerstand groß. Du stolperst, bist plötzlich dem Wurzelwerk näher. Und du staunst….es war gar nicht schwer. Warum musstest du so lange warten? Die Perspektive ist anders, der Blick tiefer. Proportionen im Gefüge von Zeit und Raum verschieben sich. Und plötzlich lacht es in dir: du hast den roten Faden wieder gefunden. Jetzt geh und tu. Die Zeit des Abwägens und Unentschiedenseins ist vorbei.

Mitbringsel 5

Ein Rest Messinglicht schiebt sich ins Grau
sichelförmige Blattspuren leuchten auf dem Asphalt, ein Weg, aber wo hin?
Diese kleinen Blätter, die mich an scharfe Messer erinnern, und wie festgeklebt scheinen.
Der Hund, grau mit dem hängenden Ohr, der meinen Kinderwagen bewachte auf dem Hof meiner Großmutter zwischen Hühnern und Enten, der, den aussortiert niemand haben wollte und dessen Namen keinem Überlebenden mehr einfallen will, an den erinnere ich mich nicht, es gibt kein Foto, nur in den Worten darüber findet sich Nachhall…da war doch was…sind nur noch die Worte übrig geblieben? Nein, auch ein warmes Gefühl von Schutz. Was macht schon ein hängendes Ohr?
Im Dezember damals gab es dort viel Schnee und die Federn von geschlachteten Gänsen. Es ist lange her…und jetzt schau ich dem Aufblitzen des letzten Lichts im übrig gebliebenen Apfelbaumlaub nach.