Verdichtung

 
 
Es ist wieder Zeit, Geschichten zu erzählen
Geschichten vom Leben und Leiden
Geschichten, die sich verändern
ausgeschmückt und dekoriert wurden
die essenzielle Dichte enthalten
von einer Zeit erzählen
und dem, was in der Luft gelegen hat
verknüpft mit dem roten Faden,
der sich durch selbst erlebte Geschichte zieht.
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Mitbringsel 5

Ein Rest Messinglicht schiebt sich ins Grau
sichelförmige Blattspuren leuchten auf dem Asphalt, ein Weg, aber wo hin?
Diese kleinen Blätter, die mich an scharfe Messer erinnern, und wie festgeklebt scheinen.
Der Hund, grau mit dem hängenden Ohr, der meinen Kinderwagen bewachte auf dem Hof meiner Großmutter zwischen Hühnern und Enten, der, den aussortiert niemand haben wollte und dessen Namen keinem Überlebenden mehr einfallen will, an den erinnere ich mich nicht, es gibt kein Foto, nur in den Worten darüber findet sich Nachhall…da war doch was…sind nur noch die Worte übrig geblieben? Nein, auch ein warmes Gefühl von Schutz. Was macht schon ein hängendes Ohr?
Im Dezember damals gab es dort viel Schnee und die Federn von geschlachteten Gänsen. Es ist lange her…und jetzt schau ich dem Aufblitzen des letzten Lichts im übrig gebliebenen Apfelbaumlaub nach.

Mitbringsel 2

Über dem See liegt Nebel. Wo er sich lichtet, lässt sich ab und zu einen Blick auf das andere Ufer erhaschen. Lichtfunken zaubert der junge Morgen zwischen die dichten Schlieren. Was der Tag wohl bringt?
Zwischen Nebeln und Wolken liegt ein Versprechen: du Tag wirst mich nicht verletzen. Einen heilsamen Zauber wirst du wirken.
In den Tautropfen, die wie Perlen am Schilf kleben, fängt sich Feuer. Schemenhaft in der ferne Baum und Haus. Kein Hauch kräuselt das Wasser. Ich spüre Stille in mir. Gedämpft dringen Rufe an mein Ohr, doch nur ich suche mich heute.

Oktoberende

Es ruht das Jahr in seinen letzten Farben aus.
Am Morgen zeichnen Nebelschleier weich
und mancher Baum zeigt sein Gerippe.
Der Wind im Sturme zornig
zerzaust das Haar, lässt lose Dinge poltern oder flattern.
Er heult und jault mit Drohgebärden durch den Kamin
kleine Kinder fürchten sich vor dem Gespenst.
Von Baum und Strauch klaubt er mit Macht
das Funkelrot, ein fahles Gelb und Knisterbraun.

Ich freue mich an allen Düften, Klängen, Melodien
mit denen uns der Herbst so überreich beschenkt
und finde Ruhe im Verschwinden aller Farben.
Des nachts träum ich vom Schnee, der all dem Schroffen
seine scharfen Ecken nimmt und weicher stimmt.