13.11.20

Der Morgen beginnt klar
rosa Streifen im erwachendem Himmel
das Rauschen der Stadt so nah heute
ein Moped düst in den Vordergrund
Leise keckernd picken Amseln im Baum
die Krähen sind schon längst weg
bald kommen die flinken Kohlmeisen
und streiten mit den Spatzen
der rote Wein gegenüber verliert Blätter und Farbe
ein Tag lichtet sich, vielleicht auch in mir

6.11.20

Bevor der Tag mich in seine Fänge nimmt
dieser Morgen, der alles verspricht

der aus dem Nebel aufsteigt, wie eine Vision
ähnlich dem schwarzem Negativ von früher
im Entwicklerbad
aus dem sich langsam die Konturen schälen

eine weiche Umarmung – pudrig und zart
die der Seele schmeichelt
und eine Weile die Zeit vergessen lässt
um  danach kraftvoll und gestärkt
in den Tag hinein zu gleiten
den Kopf übervoll mit gutgelaunten Ideen

dieser Morgen, der alles verspricht
bevor der Tag mich in seine Fänge nimmt



Selbstbildnis 15

Mit Bildern kann ich nicht dienen, so reihe ich Wort an Wort und übe mich darin, ein Bild zu schreiben, ihm Farbe zu geben von der Welt, wie ich sie sehe. Auch, um wie ein Foto den Augenblick festzuhalten, diesen einen in seiner alltäglichen Besonderheit.
Was mich reizt, im Alltag die kleinen Wunder zu finden, jeden Tag neu. So wie jetzt gerade, ich schaue hinaus, sehe die kleine Kohlmeise kopfunter in den Zweigen zwischen den letzten gelben Blättern des Apfelbaumes hangeln und nach Leckerbissen picken. Wie flink sie ist. Flugs, schon ist sie wieder weg.

29.10.20

Aus grauen Wolken
regnet es leise Funken
goldener Blätter

Im Baum das Nest, sichtbar nun
hält Stand der Vergänglichkeit

Veränderung, älter werden, meine grau-weiße Mähne gleicht Feenhaar. Luftig pustet der Wind hindurch. Glatt und glänzend ist die Stirn gewachsen. Einzelne Haare fallen wie Pulverschnee. Bis zum Lebenswinter sind es nur wenige Schritte noch. Und doch bin ich jung, kaum dem Mädchenalter entwachsen.