20.10.20

Die Ringeltaube flog
gegen die Scheibe. Ich erschrak
vom Knallen und sah
Wildgänse am Horizont
das Nest im Baum lange leer

Es fehlte die Brut
an einem der heißen Tage
mitten im August


Jetzt schlagen Vögel
Kapriolen und schnattern
im Baum, schimpfen
rufen mit lauter Stimme
der Baum, Federspielplatz nun

ein ganzer Kosmos
in dem es liebt, lebt und stirbt
vor meinen Augen

In dem gelben Laub
das bald wie Messing schimmert
picken sie hungrig
sie hopsen, fallen, fliegen
fangen sich in den Zweigen

Sah die Taube nicht
die mich kurz aufhorchen ließ
scheinbar lebt sie noch

Mitbringsel 5

Ein Rest Messinglicht schiebt sich ins Grau
sichelförmige Blattspuren leuchten auf dem Asphalt, ein Weg, aber wo hin?
Diese kleinen Blätter, die mich an scharfe Messer erinnern, und wie festgeklebt scheinen.
Der Hund, grau mit dem hängenden Ohr, der meinen Kinderwagen bewachte auf dem Hof meiner Großmutter zwischen Hühnern und Enten, der, den aussortiert niemand haben wollte und dessen Namen keinem Überlebenden mehr einfallen will, an den erinnere ich mich nicht, es gibt kein Foto, nur in den Worten darüber findet sich Nachhall…da war doch was…sind nur noch die Worte übrig geblieben? Nein, auch ein warmes Gefühl von Schutz. Was macht schon ein hängendes Ohr?
Im Dezember damals gab es dort viel Schnee und die Federn von geschlachteten Gänsen. Es ist lange her…und jetzt schau ich dem Aufblitzen des letzten Lichts im übrig gebliebenen Apfelbaumlaub nach.