Verdichtung

 
 
Es ist wieder Zeit, Geschichten zu erzählen
Geschichten vom Leben und Leiden
Geschichten, die sich verändern
ausgeschmückt und dekoriert wurden
die essenzielle Dichte enthalten
von einer Zeit erzählen
und dem, was in der Luft gelegen hat
verknüpft mit dem roten Faden,
der sich durch selbst erlebte Geschichte zieht.
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In Gedanken…

Liebe, mir unbekannt gewordene Freundin,
jetzt wo der Schnee fällt und alles Harte und Schmutzige versteckt, denke ich an dich, frage mich, in welcher Welt, fern von mir du inzwischen unterwegs bist? Ich vermisse dich. Ja, ich hätte wieder telefonieren können, aber mir sind die Worte ausgegangen – eher eingefroren, erstarrt – die mir hätten helfen sollen, die Brücke zwischen uns zu restaurieren. Wie mag sich dein Leben anfühlen, allein und gefangen zwischen Funktionalität, schwarzen Gedanken und schlaflosen Nächten? So wie es gerade hier in Köln schneit, kann ich mir vorstellen, dass du schon fast eingeschneit bist. Mein Gedanken an dich sind durchzogen von Liebe und Segen. Möge der Schnee deine dunklen Gedanken heller und freundlicher machen, und dir mit seiner Stille die Ruhe schenken, die dir hilft zu überleben, deine Lichtbringerin
Bin ich traurig? Nein, eher melancholisch und in Gedanken an all das, was möglich gewesen wäre, aber nicht möglich wurde.
Wenn ich dir das Licht gebracht habe, dann hast du mich – ganz sicher – daran erinnert, dass alles Dunkle deutlich wird und ebenso machtvoll ist.

Dunkle Tage

lichtverschluckte tage ducken sich
unter dem weißen himmel
skurile baumgestalten staken in stunden
spießen sekunden auf
zeit dehnt sich über den rand
raum darin, endlos
still und schweigend ruht sich leben aus

Ich möchte anschreien gegen ungezählte künstliche Lichter, die mir die Dunkelheit der langen Nächte rauben, mich um den Schlaf bringen, meine Träume überbelichten, Vorfreude schmälern.
Wie soll der Fremde mein Licht finden unter all den ungezählten Lichtern und künstlichen Sonnen, die flackern und blinken?
MARIE’s Leitstern, wo ist er geblieben?

Wie soll ich neu werden unter den wechselnden Monden, bis der Frühling kommt?

Nicht nur der Tag stirbt

Langsam zerlegt sich das Jahr
entkleidet Baum und Strauch
Schleier heben sich
Strukturen schälen sich heraus
Zurück geworfen auf sich selbst
der Erde nah, den Vollmond im Blick
kehrt alles SEIN zum Ursprung zurück
träumt Leben in den Winter sich
eingehüllt in gewichtige Worte
verblasste Farben, eine melancholische Melodie
den Duft von Apfelsinen
die Essenz der Dinge, den Grund
Sicher, dass beizeiten
das Neue kraftvoll geboren wird

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Meine Hauptfiguren und ich 2

Seltsam ist es, bin doch wohl eine sehr eingefleischte Mutter, die bereits drei von vier Kindern ins Leben entlassen hat.
Es fiel mir leicht, sie los zu lassen. Klar einen Augenblick lang war da die Sorge, wie das Leben sich jetzt weiter entwickeln wird, welche Veränderungen entstehen würden, aber – und da bin ich ganz ehrlich – es hatte immer auch etwas Erleichterndes, ein Gefühl von Entlastung und Befreiung. Schließlich war plötzlich mehr Zeit da, die für anderes genutzt werden konnte.
Was hat das mit meinen Hauptfiguren zu tun?
Es ist ein bisschen wie Kinderkriegen. Plötzlich sind sie da, ich sehe ihnen dabei zu, wie sie sich aus mir entwickeln und entfalten. Ich freue mich mit ihnen, leide mit, gebe Anstöße, näh ihnen ein neues Kleid, schicke sie weg oder sperre sie ein. Manchmal lasse ich sie auch irgendwo warten, wie die Frau Mai, die in einem Bild ausharrt und leicht mit einer grünen Raupe verwechselt werden kann. Irgendwann sind sie ausgewachsen und wollen gehen, nicht mehr in einem Buch gefangen sein, nicht mehr Teil nur einer Geschichte sein, die anderen Hauptpersonen kennen lernen. Sie wollen von den Seiten herunter spazieren und selbst Erfahrungen machen.. Und was mir bei meinen Kindern ganz gut gelingt, fällt mir bei den erdachten Figuren viel schwerer. Aber ihnen fällt das Loslassen wohl auch schwer, denn immer wieder klopfen sie an, erheben mit Nachdruck ihre Stimme, wollen weiter geschrieben oder zumindest beachtet werden.
Neben MARIE, gibt es noch die JULE VAN MAAREN, AURORA, die Seiltänzerin und ADAM WINTERBILL. Natürlich sind diese Hauptpersonen meiner Geschichten mit anderen Figuren verbunden. Sie sind keine Einzelwesen, die ohne Zusammenhänge leben.

Ich habe ja einen Verdacht:
Eben las ich bei ULLI:
„Die eigene kleine Geschichte in der großen zu schreiben, dazu rät Ulla Hahn in dem Band „Spiel der Zeit“.
Wie immer ich sie schreibe, ob in Worten oder Bildern oder nur in mir, ich schreibe sie, meine Geschichte. Und schreibe sie immer wieder anders, je nachdem welchem Faden ich folge, aus welcher Perspektive ich auf meine Erlebnisse schaue, je nachdem an welchem Punkt ich beginne. Ich schenke meiner eigenen Geschichte Raum und ich lausche auf die Geschichten des jeweiligen Augenblicks. Dafür braucht es Gewahrsein. Wahr-sein im Jetzt. Ein Weg, ein Ziel und manchmal auch ein Ist.!

Die Figuren sind  Teile von mir und enthalten Aspekte, Wunschträume, Ungelebtes, Konzepte, wie Leben – meines – auch anders hätte sein können, Erfahrenes von mir selbst. Wie kann ich sie da los lassen? Meine Geschichte ist ja noch gar nicht zuende erzählt.
Und die Muetzenfalterin, deren Textschnipsel ich sehr schätze, schrieb, ich zitiere aus dem Text 41 (vielleicht ein wenig aus dem Zusammenhang gerissen, aber es passt so gut)

„Was ich damit sagen will; ich wurde immer wieder auf mich selbst zurückgeworfen.

Wir alle, alle anderen, aber vor allem all die anderen, die wir gewesen sind, leben fort in uns. Die Bilder, die Trauer, die Glücksmomente, das Suchen und wie es auf einmal aufgehört hat. Die Aufgaben, die uns dazu eingeladen haben, uns aufzugeben, endlich unser Ego loszuwerden und uns stattdessen zu verbinden, mit einer Tätigkeit, mit anderen Menschen, mit einer Idee.“

Ja, wir tragen all das in uns, und es schreibt sich auch in die Texte und Geschichten hinein.
Also lasse ich jetzt das Grübeln für heute sein und freue mich darüber, dass meine Geschichte(n) – sowohl die wahren, wie die ge(er)fundenen (aber was ist schon wahr) Teil der großen allumfassenden Geschichte sind und sein dürfen.

Ich habe gerade ein Bild vor mir. Darauf sehe ich einen wunderschönen bunten Teppich. Seine Schönheit bezieht er aus den ganz unterschiedlich gestalteten Flicken, die in ihm ganz groß  zusammen genäht sind. Und er kann und darf weiter wachsen. Denn ein vorgegebenes Maß gibt es nicht.

Karfreitag

Karfreitag und der Himmel weint.
Mich erstaunt, dass meine christlichen Wurzeln mich nach Jahren kirchlicher Abstinenz immer noch auf eine feierliche Art und Weise emotional herunter zu schrauben vermögen, Für mich bleibt dieser Tag ein Eckpunkt im Jahreskreislauf, dem das zunehmende Licht der Osternacht folgen wird und mit ihm den Frühling, die Fülle, das Wachstum bringt.
Für mich ist es ein Tag der inneren Einkehr, ein Tag an dem die Uhren langsamer gehen, ein Tag, an dem in besonderer Weise das Mysterium des Todes in meine Gedanken eindringt und so einen Platz erhält mitten im Leben.