Aurora, die auf dem Seil tanzt 15

25.4.

Liebster Traumtänzer,

Kennst du das? Du steigst am Morgen mit dem falschen Fuss aus dem Bett, tapst ins Badezimmer und stolperst dabei über ein Paar Schuhe. Im Kopf ist Watte und kein klarer Gedanke findet hinaus. Du möchtest weinen wie ein kleines Kind und von einer Mutter getröstet werden. Du tust dir selbst so leid, dass nicht mal der Frühlingshimmel eine Chance hat, dich fröhlich zu stimmen.
Und dann stehst du im Badezimmer vor dem Spiegel mit deinem verwuselten Haaren, dem Knitterkleid einer schlaflosen Nacht und den gezackten Fragezeichen auf der Stirn. Selbst die Nase wirkt spitz und die Lippen sind ein schmaler farbloser Strich. Die Wangen scheinen hohl.

Und dann schaust du dir in die Augen, streckst die Zunge heraus, und es ist wieder da, das Funkeln in den Augen. Und plötzlich bricht das Lachen aus dir heraus. Du lachst dich selbst aus. Du zeigst mit dem nackten Zeigefinger auf dein Spiegelbild – obwohl deine Mutter dir beigebracht hat, dass man niemals unter keinen Umständen mit dem nackten Finger auf angezogene Leute zeigen darf – und kicherst wie ein junges Mädchen oder wie ein schüchterner Jüngling wenn er seine heimliche Auserwählte erblickt.
Du schüttelst und rüttelst dich, wie Goldmarie den Apfelbaum in Frau Holles Garten schmeißt die Locken hinter dich.

In diesem Moment hast du gewonnen. Du hast die nächtlichen Träume abgeschüttelt.Die Watte im Kopf löst sich auf.  Du bist wach: lebendig, neugierig, unternehmungslustig.
Die Welt wartet auf dich.
Gutgelaunt brühst du dir Kaffee auf und beißt in dein Käsebrot und in den verbotenen Apfel.

Ich bin auf einem Schiff. Es schippert über die Weser. Gestern war ein erfolgreicher Tag. Das Wetter spielt mit. Wie schön es ist, unterwegs zu sein.

 

 

Ich umarme dich mit Überschwang – pass auf, da? du fest stehst – deine Aurora

Vertrauen

Was auch immer es war, es hatte sie tief berührt.
Im Nachhinein kann Iris nicht mehr sagen, ob sich das was sie ausdrücken möchte, zwischen die Gedanken, unter die Träume gemischt oder als ein Bild unter vielen zu ihr gesprochen hatte. Ein Klang vielleicht, Musik, ein Geruch? Sie wusste es einfach nicht mehr. Das Wesentliche aber war der Schutz, den sie gespürt hatte und an den sie sich erinnerte, so als halte etwas die Hand über sie. Intensiv war das Gefühl von Geborgenheit und Vertrauen, dem sie sich überlassen hatte. So intensiv war es gewesen, dass sie sich in jeder Sekunde ihres Lebens daran zurück erinnern konnte und ES wieder spürte.

Es war also da, schon ewig,  immer! Sie musste sich nur  erinnern, um es wahrzunehmen.

Selbstbildnis 9

Heckenleben

Mich hat die Hecke geschlagen. Schon lange beschäftige ich mit dem Begriff “Hecke”, rein gedanklich, bildlich: die Hecke als Lebensraum, als Ab-und Eingrenzung, als Barriere nach draußen, die Hecke im Märchen, wie Dornröschen. Immer hatte ich dabei das Gefühl, der Begriff in seiner Bildhaftigkeit hat eine besondere Bedeutung für mein Leben. Ich nannte mich Dornrosis, schrieb Heckengeschichten, wie “Dornrosis und die Hecken”. Jetzt plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen: es gibt sie, die tatsächliche Hecke um den Garten meines Elternhauses herum, und sie ist, wie mir gerade deutlich geworden ist, ein psychologisches Symbol für die Struktur meiner Familie. Im Augenblick ist sie Zankapfel im Umgang mit den Nachbarn, aber auch zwischen uns Geschwistern. Was äußerlich beinahe wie eine Bagatelle erscheint, hat tiefgründige Wurzeln und führt bei genauerer Betrachtung weit in die Geschichte der Familie zurück. Ich werde erzählen!

Das Wort der Woche (17): Sommergefühl

Mein spezielles Sommergefühl stellt sich ein, wenn die Tage beginnen, deutlich kürzer zu werden, also etwa um den Wechsel von Juli zu August. Das Licht ist anders, wärmer, die Winden öffnen am Morgen ihre Trichter. Die Felder sind beinahe abgeerntet und liegen golden im Tag. Die ersten Äpfel fallen von meinem Lieblingsbaum. Das Überhitzte und Überdrehte flieht aus meinen Gedanken. Ruhe und Vorfreude breitet sich in mir aus. Jetzt habe ich Lust, durch Landschaften zu radeln, in Biergärten zu sitzen, Leute zu treffen, gemächlich unter Bäumen zu rasten, mit Blick auf die Reife und der nahenden Ernte. Holunderbeeren sind fast schwarz und die ersten Haselnüsse fallen. Sammelzeit! Wintervoräte schaffen. Ich bin ein Septemberkind vom Land, dass zu früh in die Stadt verpflanzt wurde, aber die Qualität der unterschiedlichen Jahreszeiten ist in mich eingebrannt. Ich liebe den Spätsommer und den Herbst. Es ist die Zeit, in der ich zufrieden und mit mir eins bin, die Zeit, in der ich zur Ruhe komme, genieße, abwarten kann und Geduld habe.

freudenwege

Vor allem im August, meinem Geburtsmonat, überkommt mich ein ganz besonderes Gefühl. Bunte Natur, warme Sonne und eine unbändige Freude ergeben mein ganz eigenes Sommergefühl.

Vielleicht liegt das auch daran, dass ich früher zu dieser Zeit meist im Urlaub war. Da ging es raus in die Natur, wandern, zelten und neues entdecken. Auch wenn ich nicht unterwegs bin, umfängt mich dennoch dieses ganz besondere Gefühl.

Der Morgen lockt mich aus dem Bett, lädt mich zum verweilen ein. Die Luft riecht frisch und ist angenehm warm. Schon früh ist die Sonne da und streichelt über meine leicht gebräunte Haut.

Wie gerne würde ich auf der Welle des Gefühls reiten und mich zu Abenteuern tragen lassen. Ein wenig schwermütig werde ich, da ich auf fremde Länder und Abenteuer abseits der Heimat verzichten muss. Aber irgendwann…

Eine neugierige Unruhe erfasst mich, zieht mich hinaus. Alles ist so leicht. Keine schweren Klamotten schränken mich…

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Vom Leisen

Das Leise hatte sich in den Wald unter die Bäume zurück gezogen.Es war geflüchtet vor allem Lauten, dass seine schrillen  Gedanken über den Laufsteg des Lebens führte. Einstweilen war es besser so. Was sollte es tun?
Abwarten!
Es wusste schon, dass die Zeit kommen würde, in der es seinen Platz auf dem Laufsteg des Lebens wieder einnehmen würde.
Der Sommer verabschiedete sich mit roten Äpfeln, die er dem Herbst in die bunten Hände legte, damit sie dort nachreifen konnten.
Jemand erntete die Äpfel schließlich.
Der Herbst wurde müde, gähnte und rief den Winter herbei.
Sein buntes Gefieder verschenkte er an den Wind. Die nackten Zweige spießten sich in den Himmel: Biegsame Gestalten voll Schönheit und Grazie,
Bizarr und verbogen zerteilten die Bäume mit langen Schatten das Wintergrau.
Es kam ein neuer Tag und mit ihm die ersten Schneeflocken.
Langsam und unaufhörlich deckten sie Erde, Bäume, Häuser zu.
Das Weiß des Schnees schluckte alle lauten Geräusche, die sich gestern noch brüllend in den Haaren gelegen hatten.
Die winterdichten geordneten Gärten lagen verlassen, und die gebrochene Erde der Felder atmete Ruhe ein und aus.
Nur noch gedämpft drangen Krähenkrächzer zum Haus.
Drinnen war es warm. Die Menschen waren mit ihren Händen beschäftigt, die eifrig dieses und jenes damit vollbrachten. Das gefiel dem Leise gut. Es kam aus seinem Versteck hervor und setzte sich zwischen die Menschen.