Corona und ich 2

…der Zeit ein Schnippchen geschlagen, augenblickelang…

1.

Erst war da dieses grüne Lächeln,
das sich zaghaft aus dem vergilbten Laub des vergangenen Jahres schälte, sich zu erheben schien,
um zu beginnen über den Dingen zu schweben,
sich hineinzuweben in Tage und Nächte,
mit einem Duft, der zunächst fein
immer mehr an Intensität zuzunehmen begann,
bis jetzt im Frühling
weder Grün noch Duft und Klang aufzuhalten sind,
um in einer grünen Symphonie zu erklingen.
Das nun strahlende Lächeln im Wettlauf mit der Sonne
weckt die letzten Langschläfer aus ihren Träumen.
Die Zeit ist reif und der Boden bereit zum Sähen.
Neues will wachsen.

2.

Ich öffne das Rollo und schau hinaus
Alles leuchtet, will in mein Herz
dort wachsen und wuchern
bestricken und becircen
wie die Knospen im Baum
die darauf warten, bald blühen zu dürfen

Ich öffne das Rollo und schaue hinaus
möchte baden im Licht
goldene Seelenwärme aufnehmen
mich wiegen im Wind
der den Baum umschmeichelt
und auch mich liebkost

Nicht nur der Tag stirbt

Langsam zerlegt sich das Jahr
entkleidet Baum und Strauch
Schleier heben sich
Strukturen schälen sich heraus
Zurück geworfen auf sich selbst
der Erde nah, den Vollmond im Blick
kehrt alles SEIN zum Ursprung zurück
träumt Leben in den Winter sich
eingehüllt in gewichtige Worte
verblasste Farben, eine melancholische Melodie
den Duft von Apfelsinen
die Essenz der Dinge, den Grund
Sicher, dass beizeiten
das Neue kraftvoll geboren wird

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Rosenzeit 1

Flores, ich kenne dich nicht. Oder doch?

Aber dein Name – der Wind trug ihn mir zu – lässt Ozeane aus Blüten wachsen und vor meinem inneren Auge Gärten entstehen mit Laubengängen und Labyrinthen – Hecken, dichtverflochten, fühlingsgrün und hoch – ich greife zur Lupe, sehe die eine Rosenblüte, winzigklein noch, gerade geschlüpft – im Pflanzenmeer!
Im Zeitraffer wächst sie, öffnet ihre Knospe dem Licht und entschleiert die gefalteten Schichten ihrer glutroten Pracht – so durchscheinend und zart im Gegenlicht – zeigt sie ihr Herz und füllt den Raum mit Duft.

Meine Nase kann sich nicht satt riechen. Die Augen geschlossen, ahne ich das Seidensamt der Blüte auf den Lippen.
Und dein Name schmilzt auf meiner Zunge, breitet sich im Gaumen aus, wird Essenz – ich koste, schmecke, schlucke.
Dein Name gleicht der Rosenblüte und…..du musst wie sie sein.
Draußen verblüht schon die Pracht, lässt reife Hagebutten zurück – getrocknete Substanz, blutrot – nur die Dornen bleiben.
Ob sie das Beständige sind an dir, während alles unentwegt der Wandlung unterliegt?
Dann will ich achtsam sein und die Dornen vorsichtig umschiffen. Ich will weiße Segel setzen und im ersten Morgenlicht starten, der Wind nimmt mich mit, und die Möwen singen dir meinen Namen.
Die Dornen sind nadelspitze Felsen im ruhigen grünen Wasser und jenseits glitzernder Fjorde. Mein innerer Navigator wird sie nicht unterschätzen und ihnen Achtung erweisen.
Das Herz deiner Blüte ist Ziel und Hafen mir. Hülle mich ein in rosenrote Blätter – schließe sie über mir, denn ich will träumen von den Worten, die Netze spinnen zwischen dir und mir und die unsere stumme Geschichte jenseits der Steine auf Purpur schreiben.

Bela von Rosenhaag

Impressionen vom Pfingstsonntag

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Küchenstillleben mit Erdbeeren und duftenden Rosen.

Ich liebe das christliche Pfingstfest. Es kommt weniger spektakulär daher, wie seine bedeutenden Geschwister Weihnachten und Ostern und ist doch ein Fest der belebten Fülle: an Geist, Duft, erwachter Natur, Vogelgezwitschen, oft sonnendurchtränkt. Im erwachten Grün lässt sich gut durchatmen und der Lebensraum ist erweitert, die Zeit des Stubenhockens vorbei.