Ein hungriger Geist

Er hat lange geruht tief in der Erde unter den fließenden Wassern, am Ende der Welt. Etwas hat ihn geweckt. Er schnellt hoch, huscht an den Fischen vorbei und sprengt die Steine. Hungrig ist er und wach.
Er möchte Bäume ausreißen.
Was hat ihn nur geweckt?
Ein alter Traum, fällt ihm plötzlich ein: früher in alten Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hat, ist er als blauer Fisch durch Bäche, Flüsse und das Meer geschwommen, hat viel erlebt und seltsame Wesen getroffen bis er auf dieser Insel strandete, deren Licht ihn gefangen nahm.
So gefangen, dass er zum Vogel wurde, und als er alles gesehen, erkannt und in sich aufgenommen hatte, ruhte er sich als Mensch unter einer Eiche aus.

Überall auf der Insel hatte er eine seiner blauen Federn fallen lassen. Wenn nun ein kleiner Mensch sich bückte, um die Feder vom Boden aufzulesen , dann geschah etwas Merkwürdiges mit ihm : Er wurde von dem Wunsch beseelt, in keiner Form gefangen zu sein. Der Ruf wilder, unbeschnittener Freiheit wuchs in ihm, machte sich breit in seinem Kopf, sprengte alle Grenzen, traute sich in Himmel und Hölle, in Abgründe ebenso, wie in tiefe Furchen verdorrender Felder und in paradiesische Gärten, die mitten in der Wüste von unterirdischen Wasserkanälen gespeist wurden.

Der Geist erinnerte sich und weiß nun wieder , was seine Aufgabe ist:
sich wandeln, verändern, nicht stehen bleiben, Türen öffnen und Federn lassen, damit der wilde Funke Freiheit, kreativ und unbändig, überall schöpferisch wirken kann.

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