HERBSTTAG

Dieser wunderschöne Morgen verlangt geradezu nach einem Gedicht von Meisterhand. So lasse ich den Meister der vielstimmigen Bilder sprechen.

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleeen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleeen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

(Rainer Maria Rilke)

2 Gedanken zu “HERBSTTAG

  1. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich wie sich der Apfelbaum rot gefärbt hat. In der Ferne höre ich Glockenklang. In der Küche steht ein Korb mit kleinen roten Äpfeln. Sie wurden aufgesammelt auf einer Obstwiese in meiner Nähe und sie duften. Es ist immer wieder der Herbst, mit seiner Erinnerung an die Vergänglichkeit, der mich glücklich macht mit all seinen Nuancen. Es ist meine „große“ Zeit.

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