20.10.20

Die Ringeltaube flog
gegen die Scheibe. Ich erschrak
vom Knallen und sah
Wildgänse am Horizont
das Nest im Baum lange leer

Es fehlte die Brut
an einem der heißen Tage
mitten im August


Jetzt schlagen Vögel
Kapriolen und schnattern
im Baum, schimpfen
rufen mit lauter Stimme
der Baum, Federspielplatz nun

ein ganzer Kosmos
in dem es liebt, lebt und stirbt
vor meinen Augen

In dem gelben Laub
das bald wie Messing schimmert
picken sie hungrig
sie hopsen, fallen, fliegen
fangen sich in den Zweigen

Sah die Taube nicht
die mich kurz aufhorchen ließ
scheinbar lebt sie noch

3.10.20

Es rieselt, tropft und platscht….


Tropfen hüpfen in den Zweigen
wie Wichte aus dem Märchenland
Die Blätter sind ihr Trampolin
sie geben nach, elastisch grün
er hat Gewicht, der Regenzwerg
Ich male Augen, Nase, Mund
Und Zipfelmützen oben auf
färbe blau und gelb und rot
so wird er bunt, der regennasse Tag

APFELBAUMLIEBE

Äpfel am Baum, wie warmes Brot aus dem Ofen
und frische Milch mit Haut auf dem Fensterbrett.
Kindheit duftet zwischen den Zweigen.
Grashalme kitzeln.
Wind streichelt die Haut.
Groß legt der späte Sommer sich in eine Hängematte.

Ich will den Apfel pflücken, an ihm schnuppern, hinein beißen.
Bis der Saft am Kinn hinunter rinnt.
Hurtig die Zunge.
Wenn alle Fülle zur Reife kommt,
legt sanft und sicher die Liebe sich in dein Gemüt.
Zeit zu bleiben, eine zeitlose Weile.
Spät erst siehst du, wie das Laub
sich messingfarben dem Winter entgegen färbt.

Nicht die Hecke…

In den Verästelungen der verholzten Zweige finde ich mich wieder, eingesponnen in einem Netz aus Altweiberfäden über dem Wasser. Graue Fusel weht der Wind über die Wiese, silbern reflektierend im Schein der schrägfallenden Sonne. Da lacht ein roter Apfel im Gras. Im Blätterwald säuselt der Wind, eine Holzbrücke knarrt, Wasser rauscht. Spätsommerliches Hängemattenfeeling, traumschwer von beerensüßer Essenz. Ein Schnappschuss Augenblick, dem ein Hauch von Vergänglichkeit anhaftet. Gehalten im Kokon zwischen den Zweigen ist der Alltag fern… und die Zeit hat Zeit.

GRÜN

das grüne mädchen lacht und springt über die wiese
hat über sich ein dach aus grünbefingerten zweigen
das grüne mädchen singt
und zwinkert heimlich der sonne zu
hinter ihm bizarre schatten im gras

IMG_2132

es war einmal ein frühling, der konnte vom knospen und treiben die nase nicht voll bekommen.
wie im rausch eilte er mit siebenmeilenstiefeln über das land.
er lockte die menschen hinaus und schmeichelte mit sanften winden.
er flüsterte vom grün und seine melodie wurde zum ohrwurm.
alles ging viel zu schnell.

das grüne mädchen möchte die zeit anhalten
doch es gelingt ihm nicht
es weint und klagt
denn weiße blüten fallen wie schnee auf sein kleid
in den zweigen pfeift der wind wie ein geist