Die Fliege und Kay

Schlafen Fliegen je
oder sterben sie, wenn sie nicht fliegen
wo bleiben die, die man am Tag sieht
wenn sie tot sind?
Stirbt diese Fliege vor mir auf dem Tisch gerade
an dem ich schlaflos sitze – 4.15 Uhr – in der Nacht
mit heißem Tee
den ich gekocht habe, um die schweren Gedanken zu stoppen
Wie Kay aus dem Märchen „Die Schneekönigin“
 Kay, den die Spiegelscherbe trifft
der sich entführen lässt in den Eispalast.
Seine Erinnerung stirbt – Ida hat er vergessen
Immer weiter malt er gleiche Zeichen an die Wand
als gelte es, die Formel zu finden
um das große Rätsel Leben zu entschlüsseln
es will sich nicht fassen lassen
die Fliege lebt noch, fliegt eine Runde, kommt zum Tisch zurück
fliegt immer gleiche kurze Wege, Schattenzeichen
unruhig
hab sie beim Schönheitsschlaf gestört
mit dem Licht zu ungewohnter Zeit
das auf den Tisch fällt
Kühler jetzt der Tee, ruhiger die Gedankenflut
Leise rauscht es im Raum…
das Blut in den Ohren, der Kühlschrank, mein Herz und….
ein unbestimmtes Knistern
leise ist es nicht…
ich schließe die Augen und lausche
meinem Puls der Nacht

Selbstbildnis 6

ZEICHEN OHNE WORTE

In der Nacht habe ich von dir geträumt. Es hat an meiner Haustür geklopft, und ich habe geöffnet. Es war Tag und die Sonne schien. Ein paar Schäfchenwolken blieben an der Hecke hängen.Da standest du und hast mich angeschaut ohne etwas zu sagen. So richtig fassbar warst du nicht, eher ein sich in Auflösung befindlicher Geist. Nicht unästhetisch, so wie eine Wolke, die sich auflöst und dabei ihre Konturen verliert und langsam vom Himmel verschluckt wird. Du warst da! Ich fühle mich gesehen und verstanden. Es hat mir gut getan, mich aufgerichtet und mir Mut eingeflöst, ganz und gar ohne Worte. Und das war, was ich brauchte. Beim Aufwachen, war alles Schwere von mir abgefallen,wie ein altes, viel zu weites Kleid, das verschlissen und notdürftig geflickt nicht mehr passt und dringend der neuen Haut weichen muss. sie