Notizen am Rande des Bewusstseins 1

Und doch:

ich wollte dir noch etwas sagen, aber die Worte fallen mir immer wieder aus dem Sinn. Nein, eher ziehen sie  davon wie Luftballons oder zerplatzen wie Seifenblasen, wenn ich nach ihnen greife.

Und doch, da war noch was:

es muss wichtig sein, denn da ist wiederkehrend dieses blinkende Dreieck am Rande des Bewusstseins. Eine Ahnung , dass da zwischen uns etwas noch fehlt. Der Schlussakkord oder das Fazit, mit dem sich der Ring schließen wird. Verstehst du was ich meine? Nun, es ist wohl noch nicht soweit. Die Worte haben ihre Form bisher nicht gefunden.
Die Zeit wird knapp,will mir scheinen, aber vielleicht ist das auch nur unbegründete Angst. So wie ein vorausgenommenes Trauern um etwas, das vielleicht unvollständig bleiben wird.

Wenn die Stimme plötzlich streikt

dann denkt Frau nach: „warum versteckt sie sich? “ und entdeckt einen Dialog.
Das Erlebnis vor ein paar Tagen als die Stimme noch da war, da hätte sie reden können, aber sie hat nicht den Finger erhoben, sich nicht zu Wort gemeldet, nichts laut in Frage gestellt. Hätte sie reden sollen?
Es ist  nicht ihre Art sich vorschnell zu Wort zu melden. Sie weiß, einmal gefallene Worte kann niemand zurück holen. Sie stehen im Raum, den sie noch nicht vollständig ermessen hat.
Sie mag sich nicht wichtig machen und kennt den Wert des Schweigens. So oft wird ihr viel zu viel gesagt und zerredet. Sie braucht kein Publikum, und  eine Masse von fremden Menschen, mit all ihrer Ausstrahlung, ist ihr viel zu groß.
Sie ist eine Stille und gehört zu jenen, die sich vorsichtig herantasten an Dinge, Prozesse und Menschen. Sie lässt sich Zeit, um zu lernen, mit wem sie sich da wortgewand auseinander setzen wird, möchte nicht vorschnell ein Urteil fällen. Da ist soviel anderes, was sie registriert, das ihre Aufmerksamkeit fordert: Die Atmosphäre, Spannungen, Dissonanzen, all das Nonverbale, dass durch den Raum schwirrt und ein Gespräch auf anderer Ebene miteinander führt.
Der Raum ist schrecklich: kalt, dunkel, ungemütlich, muffig. Ein feines Gespinnst negativer Energien aus Angst, Trauer, Wut, Stolz, Versagen, Scham und Ohnmacht hängt von der Decke herab und legt einen grauen Schleier über den Augenblick.
Darf  Frau hier lachen? Sie lacht ab und zu. aber, es bleibt ihr im Hals stecken.  Sie fürchtet, nach außen klinge es wie Hohngelächter.
Wie soll sie da sprechen mit zugeschnürter Kehle und dem Lachen, dass im Hals steckt, wie ein Trauerkloß?
Sie hätte reden können, tat es aber nicht.
Aber warum konnte sie nicht mehr singen, wo doch der Gesang verbindet, während Worte oft trenne?
Lauschen, sie sollte Lauschen und sich am Hörbaren freuen.

 

 

Seltsam

7.1.2016
Heute war mir so, als würdest du klopfen an jene Tür, die ich nur durch dich gefunden habe, dabei war sie immer da.Wenn sie sich öffnet, verströmt sich ein warmes, wohliges Kribbeln in meinem Körper. Das Glück ist fühl-und spürbar. Es singt und sprudelt. Die Tür, ein neuralgischer Punkt, hinter dem die verborgene Sehnsucht lebt, die eins sein will mit dir und allem, ganz eben und unzerteilt. Ich hatte keine Worte dafür, bevor du meinen Weg gekreuzt hast.  Und immer denke ich mit einem Lächeln an dich, wenn die Tür sich öffnet. Dabei bist du nicht mehr da. Es muss etwas sein, was uns und alle verbindet, selbst über den Tod hinaus.Fühlfäden, spirituelle Spürnetze!
Dabei war ich heute ganz woanders, als es klopfte, nicht ich selbst habe geöffnet.

Und wie ein Wunder sind plötzlich wieder Worte da. Sie strömen mir zu, verbinden mich mit der kreativen Quelle in mir, mit dem unbewussten Ozean, in dem wir alle schwimmen.
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Versperrte Sicht

In die Schluchten zwischen den verlorenen Stunden hat sich dein Lächeln verloren. Dieses Lächeln, das den Tag hell machte und vom Glücklichsein erzählte. Was ist geschehen Marie, dass ein Absturz dies vermochte? Ich stehe auf dem Leuchtturm hinter dem Horizont und sehe nichts außer Nebel.
Mittendrin bin ich mit mir allein, und während ich noch grübele, warum die Sicht sich mir versperrt, taucht aus der Erinnerung dein Lächeln wieder auf. Es ist noch da – die Wahrheit ist, nichts was war geht für immer verloren.
Es ruht am Grund.
Ich will ein Fischer sein und im Meer meine Netze aus werfen. Vielleicht verfängt sich dein Weinen in meinem Netz und jenseits von Gut und Böse werde ich verstehen.
Es wird seinen Grund haben, dass die Sicht mir nahm, was ich nun in mir finde.

In der Nacht fuhr ich zur See – Marie – und warf meine Netze aus. Stunde um Stunde schaute ich in die Dunkelheit und lauschte dem Plätschern der Wellen an den Planken. Sanft schaukelte das Boot. Ich weiß nicht wie es geschah, aber diese stetigen und gleichbleibenden Geräusche versetzten mich in einen trance-ähnlichen Zustand. Die Nebel um mich herum wurden dichter – fast greifbar, umschlossen mich wie eine Zelle aus Watte.
Und plötzlich hörte ich dein Weinen, nein es war ein Schluchzen und es gesellte sich zu dem Lächeln, das ich auf dem Leuchtturm gefunden hatte und für einen Moment spürte ich deinen Atem.
Freude weckte mich aus dem Dämmerzustand: „Du lebst!“ wusste ich nun. Es zappelte in meinem Netz, fast hätte ich es aus den Händen verloren.
Ich holte es ein und fand einen kleinen grünen König mit Fischschuppenschwanz, dem die Krone in die Stirn verrutscht war.

Die Macht der Worte

(Nachklang zu „Es war Anfang März“)

 

Manchmal waren deine Worte ein warmes, weiches Tuch, das mich schützend umschloss. Wie eine behütete Prinzessin, gekleidet in Samt und Seide, fühlte ich mich.
Im Gleichklang mit ihnen entstand Einklang.
Dann wieder waren deine Worte hart, voller Kanten und Ecken, Abgründe taten sich auf, Fließsand drohte mich zu verschlingen
In Resonanz zu ihnen gewannen meine Grenzen neue Konturen.
Immer war da um uns herum eine Hecke mit geheimen Verzweigungen und überraschenden Wendungen, innerhalb der wir Kinder waren, die sich verstecken und über das Spielen die Zeit vergessen.
Ich wuchs an deinen Worten und fand meine eigene Sprache.

Die Stille hinter den Worten des Dichters Rainer Maria Rilke

Die Stille finden hinter den Worten
wenn sie gefallen sind und nachhallen
wenn ihr Ton nur noch flüstert
und tief innen Nachbeben beginnt
eine Saite angezupft schwingt mit
und klingt zum ersten Mal.

Blütensthaub

Rilkes Poesie eignet sich für Erkundungen der besonderen Art. Man muss nicht weit wegfahren und viel Geld ausgeben und hat doch, wenn man sich einlässt, großen inneren Gewinnn. Die Quelle scheint unerschöpflich zu sein. Man muss es nur probieren. Dann kann man immer wieder neue Aspekte entdecken. Einer dieser fruchtbaren Aspekte ist neben den bekannten Rilke- Themen wie „Engel“ und „Rose“ die Stille-Erfahrung, aus der die Poesie Rilkes schöpft. Was davon teilt Rilke mit? Er ist ja der Dichter der Sehnsucht.- lyrikrilke

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GLEITEN

wäre das Wasser nicht so tief
und endlich richtig Winter
mit dickem Eis
ich müsste nicht mühsam Brücken bauen
um die Worte hinüber zu tragen
damit sie dich kitzeln, berühren
herausfordern könnten
Ich würde sie mühelos gleiten lassen
mit einer Leichtigkeit
die an Seiltänzerinnen erinnert

Lebensteppich, Sprachgespinnst

Geschichten! Ich habe viele wieder gefunden in den letzten Tagen, in denen sich eine neue Haut herausschält und zu erkennen gibt, dass alte gesichtete Dinge durch das (Aus)Sortieren eine neue Ordnung, einen veränderten und erfrischende Zusammenhang erhalten. So vieles, längst vergessen, wie Zimmer in einem großen Haus, die schon länger nicht mehr betreten wurden.
Das Leben selbst, die eigene Geschichte ein Füllhorn, aus dem sich immer wieder Überraschendes heraus schälen kann.
Wir sind Geschichtenerzähler, du und ich, aber wir erzählen keine Märchen mehr.
Das Leben hat seine Sprachteppiche in uns gewebt, die Fäden, weich oder fest verzwirbelt, alles fein und grob gesponnen.
Allmählich gelingt es uns die vorhandenen Muster zu entschlüsseln, zu erahnen, wie sich das Muster weiter entwickeln wird. Doch, Achtung, der Teppich ist noch nicht zuende gewebt. Niemand kann voraussehen, ob sich das Muster nicht noch einmal völlig verändern kann.
So hängen wir nun unsere Teppiche zusammen in einen großen leeren Raum mit weißen Wänden.
Da hängen sie unfertig nebeneinander: als Kontrast, Ergänzung; ein roter Faden, der beide verbindet, und der alle in einen Dialog einwebt, die den Raum neugierig betreten.

Mein Freund, du bist in meinem Herzen. Längst bist du im tiefen Frieden jenseits der Wand, die ich noch nicht durchschreiten kann.
Ich frage mich, ob du das Muster deines Lebens noch entschlüsseln konntest, überlege, wie wohl die andere Seite des Mondes aussieht, die du inzwischen sicher sehen durftest. In meinen Lebensteppich hast du einen rotgoldenen Faden gewebt und mir genug davon zurück gelassen, das es für den Rest meines Lebens reichen wird.
Deine Geheimnisse zu ergründen, ihre Muster zu verstehen und zu begreifen, warum du mich so berühren konntest, würde viele meiner Fragen beantworten.
Und ich bin sicher, dahinter liegt ein dichtes Gespinnst feinster verzahnter und verknoteter Seidenfäden, uralte Bindung und Beziehung.
Wie ich wieder anknüpfen werde an den Worten – deinen und meinen- die mich immer weiter in meine Tiefen hinein führten und mir meine Grenzen aufzeigten, weiß ich noch nicht.
Wenn die Zeit reif ist, wird es geschehen, denn ich gab dir mein Versprechen.
Aus dem, was zwischen uns wirkte, werde ich schöpfen und Neues gestalten.