24. Dezember

Ein letztes Wort noch dem Wind geflüstert, bevor die Nacht den Sonnentanz verschluckt
dem Abend ein Lächeln abgerungen. Es ist kühl. In der Ferne verklingt das Möwengeschrei.

DSC00414

Der Winter ist da!
Eine stille Zeit schafft Raum und Zeit fürs BeiSichAnkommen.

Advertisements

Vom Leisen

Das Leise hatte sich in den Wald unter die Bäume zurück gezogen.Es war geflüchtet vor allem Lauten, dass seine schrillen  Gedanken über den Laufsteg des Lebens führte. Einstweilen war es besser so. Was sollte es tun?
Abwarten!
Es wusste schon, dass die Zeit kommen würde, in der es seinen Platz auf dem Laufsteg des Lebens wieder einnehmen würde.
Der Sommer verabschiedete sich mit roten Äpfeln, die er dem Herbst in die bunten Hände legte, damit sie dort nachreifen konnten.
Jemand erntete die Äpfel schließlich.
Der Herbst wurde müde, gähnte und rief den Winter herbei.
Sein buntes Gefieder verschenkte er an den Wind. Die nackten Zweige spießten sich in den Himmel: Biegsame Gestalten voll Schönheit und Grazie,
Bizarr und verbogen zerteilten die Bäume mit langen Schatten das Wintergrau.
Es kam ein neuer Tag und mit ihm die ersten Schneeflocken.
Langsam und unaufhörlich deckten sie Erde, Bäume, Häuser zu.
Das Weiß des Schnees schluckte alle lauten Geräusche, die sich gestern noch brüllend in den Haaren gelegen hatten.
Die winterdichten geordneten Gärten lagen verlassen, und die gebrochene Erde der Felder atmete Ruhe ein und aus.
Nur noch gedämpft drangen Krähenkrächzer zum Haus.
Drinnen war es warm. Die Menschen waren mit ihren Händen beschäftigt, die eifrig dieses und jenes damit vollbrachten. Das gefiel dem Leise gut. Es kam aus seinem Versteck hervor und setzte sich zwischen die Menschen.

20. Januar, am Morgen

Vertraut mir, der Baum im Feld
der Struktur zeigt in Wintertagen
Mein Freund der Baum
der ausharrt und sich fügt

Will ablegen, was Ballast ist
und mich versteckt
will zeigen, was und wer ich bin
mit kühlem Kopf schauen
und schweigend lauschen
Mich ducken unter dem Frost
und nach innen zurück ziehen
dorthin, wo ewige Rosengärten duften
und das Herz leise klopft
geduldig wartend
bis wieder wärmere Winde wehen

Zu den Sternen

Wölfin, wirst du bei mir bleiben, wenn die Sterne an Macht gewinnen, ich ihnen entgegen strebe und der Erde entfliehe? Dein warmes, wildes Fell soll mir Halt sein. Die Gedanken sind meine Flügel und die Fantasie schmückt mich mit bunten Federn. Das Herz ist der Motor und der Geist Antrieb und Motivation.
Wohin auch immer – weit, weit über den Horizont hinaus. Das Land hinter den Sternen wird mich Fülle erinnern lassen und mir die Rückseite des Mondes zeigen.

Die Sterne hatten wieder an Macht gewonnen, denn es war Winter und  der nächtliche Frost kleidete die Welt in Glitzern, ein blaues Glitzern, das dem Tag etwas Unwirkliches, etwas Unwirtliches verlieh und dennoch an Anziehungskraft stetig gewann. Immer schon hatte sie die Schwerkraft der Erde überwinden wollen, um den darüber liegenden unendlichen Raum erobern zu können.  Ein Frösteln wanderte über die Haut und die Sehnsucht nach einem warmen Fell, das nach wildem Tier roch und Wärme ausstrahlte, erinnerte sie daran, dass sie noch hier bleiben musste.
Den Traum hatte sie nicht vergessen. In ihm wanderte sie in einem sterbenden Wald über Schnee und Eis. Sie suchte etwas, jenseits dieser kalten Welt mit ihren todbringenden Gefahren. Als sie daran  fast verzweifelte, weil sie glaubte, sich verirrt zu haben, da war die weiße Wölfin neben ihr an der rechten Seite und leitete sie auf den richtigen Weg zurück. Und ein schwarzer Rabe flog auf ihre linke Schulter und krächzte ihr Mut zu.
Es war nur ein Traum, aber einer, der so dicht und lebendig war, dass sie die Tiere intensiv bei sich spürte, das Gewicht des Raben auf der Schulter wahrnahm. Eine Feder kitzelte ihr Ohr. Und der Wolf ging so dicht neben ihr, dass sie seine Wärme spürte und den Raubtiergeruch in der Nase hatte. Kleine Atemwolken entließen Mund und Schnauze. Gleichzeitig wusste sie, dass diese Tiere ihre Kameraden waren, nicht ihre Feinde, die immer dann da sein würden, wenn sie ihrer Hilfe bedurfte. Wie jetzt.
So rief sie nach ihnen, sang das Wolfslied, rollte tiefe Töne aus ihrer Kehle heraus, zischte in den Wind und summte ein Wiegenlied in den Tag. Und da waren sie. Lichte Gesellen, die sie auf die Erde zurück holten und den hinauseilenden, flüchtenden Gedanken, mit denen sie davon stieben wollte, Einhalt geboten.
Jetzt war Jetzt, jede Sekunde eine Herausforderung, die sie annehmen konnte, was auch immer der Tag in seiner eisigen Schönheit noch bringen würde. Die Sterne würden warten müssen, denn die Zeit war noch nicht reif.

GLEITEN

wäre das Wasser nicht so tief
und endlich richtig Winter
mit dickem Eis
ich müsste nicht mühsam Brücken bauen
um die Worte hinüber zu tragen
damit sie dich kitzeln, berühren
herausfordern könnten
Ich würde sie mühelos gleiten lassen
mit einer Leichtigkeit
die an Seiltänzerinnen erinnert

Winderwundernacht

Herbei gelockt, den Traum
ihn in die Nacht geboren
und in das Bett zwischen verschwitzte Laken
während draußen der Wind um das Haus tobt
und zu frühe Böller explodieren
Wer hat ihn geschickt?
Von wo kommt er?
Wie ich, warum, woher, wohin?
Aus den Tiefen der Nacht…
Von der glatten Ebene des Tages
die wie brüchiges Glas knarrt
auf der dunkle Wolken und Gedanken zersplittern
und der Traum, der am Morgen in sich zusammen fällt
es klirrt
spiegelnde Glassplitter für das wenige Licht
das sich zwischen das Himmelsgrau drängt
tausend lichte Augen, quirligen Funken gleich
die alles hell und leicht machen in meinem Kopf
und den nächtlichen Zweifeln die Trostlosigkeit nehmen.
Es lächelt der befreite Geist
und jubelt den frostigen Winden entgegen
allen Widrigkeiten zum Trotz!

Es träumt die Nacht…

Wie müde Vöglein
hängen letzte welke Blätter
im Baum vor meiner Tür

Der Tag verglüht
im letzten Aufbegehren
bevor die lange Nacht
ein dunkles Leichentuch darüber legt

Die Erde ruht sich aus
doch in den Winternächten
werden Hoffnungssterne neu geboren

Und mancher Traum
erlöst das tote Starre
aus seinem eisernen Korsett
und haucht ihm wieder Leben ein.