26.10.20

Was mich berührt

1.
Der Ahorn hochlodernd
eine gelbe Flamme im Licht
der wilde Wein ein roter Zauber
im Hintergrund
2.
Das kleine Blatt auf der Mauer
zart und fein gefiedert
nur noch die Rippen haben Bestand
und ein Rest vom Gelb dazwischen
3.
Die Mauer mit dem verblassten Anstrich
der abblättert und Hintergrund ist
für Efeu und das Rot des wilden Weines

Hochauflodern möchte ich im Sonnenlicht, für etwas brennen auf meine alten Tage.
Und wenn meine Struktur sich unverschleiert nach außen zeigt, weil mein Fleisch sich verflüchtigt, dann soll sie filigran sein und dennoch stark. Wo Narben und Falten mich zeichnen, soll mein Licht bleiben und wie das Leuchten vom wilden Wein sein im Herbst.   Wenn ich dann irgendwann loslassen muss oder darf, möchte ich zur Erde schweben wie ein Blatt im Wind und wieder zu Erde werden.

Kraniche ziehen

Die Kraniche ziehen
Sie teilen die Wolken
und folgen dem Licht
Schneeduft von fern

In ihren Ruf  einstimmen, in Wolkenberge eintauchen
Kein Blau, doch Glutrot finden, ein letztes im Wilden Wein
an der Schmuddelwand gegenüber
während im Radio dieses Lied singt

SUZANNE

Deine Zeit ist abgelaufen, Leonard Cohen
aber deine Melancholie bleibt
die uns alle berührt hat
die in bittersüßen Tagen so tröstlich war
als wir jung und du unser Star warst

Ich bin einverstanden nun mit Stille und Rückzug
und dem Licht der Hoffnung vor meinem Fenster
das nicht erlöschen wird

And I want to travel with him/ and I want to travel blind/ and I know that he will trust me/ for I’ve touched the perfect body with my mind