8.10.20

Der Weg durch den Park
grüner wirken die Bäume nach dem langen Regen
Rot zeigt sich im Laub, Gelb weicht zurück
es war noch nicht dran

Auf dem Elektrohochmast
schilpen ungezählte Vögel
so klein von hier unten, schwarze Punkte nur
ob sie sich sammeln für die Reise gen Süden?

Meine Gedanken ziehen  mit dem Wolken weg  vom herbstlichen Augenblick, denken  an einen leise, leise…
der nicht mehr da ist, schon eine Weile und dessen Stimme ich vermisse.

Gemälde in Rot

die einsame Gestalt unten rechts ist bewegt, klebt aber am Fleck
Vor ihr, ein Stück entfernt, links
geht die zweite Gestalt, sich selbst umschlingend
ihr voraus gehen vier angedeutete Gestalten in der Mitte Richtung Morgenrot
Sie folgt mit bedächtigem Abstand

Zu ihnen will sie und dem zukünftigem Tag vertrauen
Die Gestalt hinter sich lässt sie stehen für immer
Ihr Weg ins Morgen ist das Ziel

Ich hatte einen Traum

Es war einer jener Träume, die selten sind und die man nicht mehr vergisst. Diese besonderen Träumen erzählen mir etwas über mich, was ich bis dahin in seiner Komplexität noch nicht begriffen hatte, obwohl die einzelnen Puzzleteile schon lange vorhanden waren. In dieser Nacht war ich im Garten meiner Kindheit, genau an jenem Platz, an dem der Birnbaum mit den kleinen runden Birnen wuchs. Er war nicht besonders hoch, und ich pflückte die Grießbirnen schon als Kind gerne. Ende August wurden sie reif. Sie wurden nicht roh gegessen sondern eingekocht. Erst dabei entwickelte sich ihr unvergleichlicher Geschmack. Niemals mehr habe ich diese Birnen gesehen oder gegessen, nachdem Garten und Birnbaum aus meinem Leben verschwunden waren. Wüsste ich den Sortennamen, ich würde einen solchen in meinen Garten pflanzen. Sofort!
Zurück zum Traum, was hat er mir erzählt?
Mein innerer Ort ist ein Garten, in dem ein Birnbaum steht. Er ist von Hecke oder Mauer umgeben. In der Mitte ist ein tiefer Brunnen. Es ist ein Vorfrühlingsgarten, indem die Knospen beginnen sich zu regen und die Sonne erste zarte Farbtupfer in den Tag malt. Meine Farben sind: buttergelb, puderrosa, helllila, blassblau, zartgrün, silber, weiß und alle Grautöne. Es duftet nach dem letzten Schnee und dem ersten grünen Gras. Es ist eher das Ruhige und Verhaltene, was mich ausmacht. Mein Ziel ist der Weg.
Würde ich mein Lebensmärchen schreiben, alle genannten Facetten müssten darin enthalten sein.
Zurück zum Traum. Dort bin ich zurück gekehrt in meinem Kindheitsgarten, der schon längst verwildert und von (Un)Kräutern überwuchert ist. Trotzdem finde ich dort alle meine Farben und Düfte wieder. Ich weiß, dass ich den Garten an diesem Ort nicht behalten oder neu errichten kann. Aber meine Schwester ist bei mir. Sie nimmt eine Pinzette, pflückt vorsichtig Miniaturen von Kräuter und Blumen und pflanzt sie in eine kleine Schale. Sie drückt mir die Schale in die Hand und sagt: „Nimm sie mit. Und nun geh.“
Jetzt weiß ich, dass ich jene Samen in allen inneren und äußeren Gärten auspflanzen kann, die ich für mich – wo auch immer – noch finden oder anlegen werde. Und an jedem dieser Plätze werde ich neue Sämlinge mitnehmen können um die vorhandenen zu ergänzen und zu erweitern.

Habt ihr vielleicht ein ähnliches Bild im Kopf, dass euch überall hin begleitet und in dem ihr ausruhen könnt, wenn draußen alles zu viel und zu laut wird?

Ein nächtlicher Traum

„Was für ein merkwürdiger Traum.“ denkt Frau Lillac, während Traumfetzen an ihrem inneren Auge vorbei düsen. Sie spürt noch das großartige Gefühl innerer Befreiung, als das Himmelsleuchten am Ende des Traumes in jede Pore ihrer Haut eingedrungen war und sie mit Licht und Liebe bis zum Rand ausgefüllt hatte, bis sie selbst zu leuchten begann. Rundum erneuert, als hätte eine höhere Macht ihren Körper recycelt, so frisch fühlte sie sich beim Aufwachen. Und sie hörte noch die warme, wohltuende Stimme , die in ihr Ohr flüsterte, während ein warmer Wind sie sanft streichelte:
„Ausreisen, du wirst ausreisen.“ prophezeite die Stimme.
Frau Lillac kostet diesen Satz. Er schmeckt süß und hat im Abgang etwas Bitteres.
„Wohin soll ich denn ausreisen? Was meint die Stimme?
Plötzlich denkt sie an MARIE, ihre Freundin aus Kindertagen. An einem Morgen hat diese die Haustüre hinter sich geschlossen, ist zum Hafen gegangen und mit einem Fischerboot aufs Meer hinausgeschwommen. Sie folgte einer Traumstimme, die sie zu einer fernen Insel und einer besonderen Aufgabe schickte. MARIE blieb lange verschollen. Monate später fand FrauLillac sie in der städtischen Klinik wieder. MARIE lag im Koma, aus dem sie als eine Veränderte erwachte. Nie erzählte sie von ihren Erlebnissen auf der Insel, aber eine Weisheit strahlte von ihr aus, die jeden in seine Tiefe zu führen vermochte, der ihr begegnete. Sie sei nicht mehr von dieser Welt, hatten einige Bekannte gemeint.
„Wenn jemand seinem ganz eigenen Weg geht und gegen den Strom schwimmt, wird dieser Jemand nicht immer ein Stück weit sonderbar wirken?“ fragt sich Frau Lillac und springt aus dem Bett.
Die gewohnten Gedankengebäude zu verlassen, über den Tellerrand zu hüpfen wäre eine Art Ausreise für sie. Wolte sie das nicht schon lange?

gegen den puls der zeit innehalten…

kornblumenblau, mohnrot am rande von feldern mit wiegenden ähren wolken, die über eine kuppe in den bilderbuchhimmel klettern und schweigend weiter ziehen, während lerchen singen, spatzen schilpen der wind in den bäumen säuselt, während schwalben fallen und steigen
was mich berührt ist der weg eine furche, durch die ich schreite die mich leitet zu unbekannten zielen, ein zeitfenster, in dem ich sein kann , ohne angst den boden unter den füßen zu verlieren

Selbstbildnis 2

Ein bisschen bin ich aus der Übung, aber das wird schon wieder!

Wilfried Fink: „Heilen muss einzig die Illusion, wir seien voneinander getrennte Wesen.“

Ich versuche mir vorzustellen, wie das ist, sich verbunden mit allem zu fühlen und merke schnell, dass mir das mit dem Denken nicht gelingt. Das Denken verschärft das Gefühl des Getrenntseins. Ich muss es wohl spüren und fühlen. So konzentriere ich mich auf mein Herz, lasse es licht und weit werden, aus mir heraus und über mich hinaus wachsen. Plötzlich kommen die Bilder.
Ich sehe mich in einem Kreis aus Licht, der von feinen Tentakeln umgeben ist. Ich spüre damit in den Raum hinein zu den Blumen und weiter wachsend durch die Türe hindurch in die anderen Räume hinein.
Dort schlafen die restlichen Familienmitglieder. Ich fülle das Haus aus, wachse weiter, durch die Haustüre hindurch, zu den Bäumen und Pflanzen draußen, in die anderen Häuser hinein mit allen Menschen und Tieren.
Hier lebe ich und alles atmet im gleichmäßigen Rhythmus: die Erde, der Himmel, die Menschen und Tiere, die Pflanzen, der Wind.
Weiter wachse ich über die Grenzen der Stadt, des Landes, über Alpen und Meer – alles nehme ich auf, mit allem atme ich ein und aus, die Dunkelheit der Nacht trägt mich bis ich die ganze Erde in Licht und Liebe hülle.

Ich weiß nicht mehr, wer ich bin, was ich tu, ob ich bin oder etwas in mir ist. Zeit und Raum sind aufgehoben. Es gibt keine Grenzen. Alles ist gleichzeitig. Nur das Pulsieren in und mit allem bleibt, ein Heben und Senken:  der Herzschlag und der große Atem, Ebbe und Flut, Gezeiten; Wind und Orkan.

Ich glaube, es ist ein Weg, der einmal begonnen, sich im Bewusstsein Raum schafft, Türen öffnet, die Sensibilität für Ausweitung und Grenzüberschreitung (über sich selbst hinaus) schult und stärkt. Die Kraft der Visualisierung wächst durch Übung.

Erwacht

marie war von etwas erwacht. wo war sie nur? etwas hatte sie gerufen. es dauerte eine weile, bis sie wieder wusste, wo sie war: in der höhle -auf der steinernen bank musste sie eingeschlafen sein – seltsam. ach da waren ja auch die lebendig tanzenden Pferde an der Höhlenwand. Wie lange sie wohl geschlafen hatte?
augenblicklich dachte sie an IHN, den sie suchte, und die sehnsucht wuchs vom bauchraum in den ganzen körper hinein – eine mischung aus freude, sehnen und schmerz. das herz klopfte ihr in den ohren und ein schluchzer entströmte ihrer kehle. diese verbundenheit – er hatte im traum zu ihr gesprochen. sie konnte sich an jedes wort erinnern und an seine stimme. wo war er nur. jenseits der zeit an einem fremden ort?

wie sollte sie ihn finden. erst einmal musste sie durch diese höhle. die feuergnome trommelten.

ein gedanke kamm ihr in den sinn:

„menschen hinterlassen spuren – lesbar für jene, die sie finden wollen und verstehen. schon oft folgte ich einer blassen spur in worten, zeilen, gedichten, im miteinander. je intensiver ich folgte, umso klare wurden die zeichen – puzzleteile, auf dem weg zum du. ich wurde zum spurensucher und hinterließ selbst spuren auf meinem weg, die fand, wer mich versteht. ein geheimer code, nur zu entschlüsseln von menschen, die ähnlich ticken. immer hinterlasse ich etwas, ohne, dass ich es absichtlich plane, und du tust es genauso. wie hätte ich dich sonst finden können?“

wer hatte ihn nur gedacht? stand er in einem buch oder sprach ihn jemand zu ihr? plötzlich hörte sie ein geräusch! (Ausschnitt)
Marie, eine von mir erschaffene Figur hat mich durch schwierige und beglückende Zeiten begleitet. Alles begann mit dem Logbuch, dass ich 2005 begann. Über die Jahre und mit großen Unterbrechungen, sammelte sich allerhand Schreibstoff zusammen. Es gibt Textfäden, die noch nicht zuende gedacht und geschrieben sind und Geschichten, die ihr Geheimnis noch nicht veraten haben.
In den letzten Jahren war MARIE für mich  nicht mehr so präsent. Nun drängt sie sich wieder in meine Gedanken. Da ist noch etwas, was zu tun bleibt.
Immerhin der Titel über all diesen Fragmenten, Erzählfetzen, Gedanken und Geschichten bekommt jetzt einen Namen: „Der Weg ist das Ziel“.
Wenn ihr von MARIE mehr  lesen möchtet, lasse ich sie hier noch einmal aufleben und ihren Weg weiter gehen.

 

Burg Reifferscheid

Eigentlich hatten wir gar nicht vor, eine Burg zu besuchen, aber wie uns wieder einmal sehr deutlich wurde, ist der Weg das Ziel und bekanntlichen führen Umwege nicht selten zu ganz besonderen Orten und Menschen, wie an diesem Tag. Es sollte nach Monschau gehen, aber das Navi schickte uns in die Irre und wir landeten auf der Burg Reiffenscheid und ins hübsche Burgcafe „Till Eulenspiegel“ Eine, wenn ich mir das so richtig überlege, herrliche Narretei.
Was wir fanden, war ein kleines verwunschenes von Mauern umrundetes Burgdorf mit einem gut erhaltenen Burgturm. Viele Mauern, Nischen, tolle Perspektiven und Ausblicke.

Burg Reifferscheid

Schönheit