Liebeserklärung an den November

Ich mag den November, wenn die Farben verbleichen und langsam die Strukturen der Bäume und Pflanzen transparent werden.
Ich mag die klare Luft an frostigen Tagen und das Farbspiel am Abend bei Sonnenuntergang.
Ich mag die langen Abende, an denen Lichter entzündet werden und der Tag viel Zeit hat zur Ruhe zu kommen. Und ich auch.
Ich mag es, ein Glas mit warmen Tee in den Händen zu halten, während eine Kerze flackert.
Sogar die kühlen Temperaturen mag ich. Ich öffne meinen Mantel und strecke mich ihnen entgegen. Wie lebendig ich mich fühle wenn die Kälte mich berührt. Und wie wohlig, wenn ich den Mantel wieder schließe.
Und wenn die Luft nach Schnee schmeckt, dann bin ich ganz bei mir und glücklich

Die Fliege und Kay

Schlafen Fliegen je
oder sterben sie, wenn sie nicht fliegen
wo bleiben die, die man am Tag sieht
wenn sie tot sind?
Stirbt diese Fliege vor mir auf dem Tisch gerade
an dem ich schlaflos sitze – 4.15 Uhr – in der Nacht
mit heißem Tee
den ich gekocht habe, um die schweren Gedanken zu stoppen
Wie Kay aus dem Märchen „Die Schneekönigin“
 Kay, den die Spiegelscherbe trifft
der sich entführen lässt in den Eispalast.
Seine Erinnerung stirbt – Ida hat er vergessen
Immer weiter malt er gleiche Zeichen an die Wand
als gelte es, die Formel zu finden
um das große Rätsel Leben zu entschlüsseln
es will sich nicht fassen lassen
die Fliege lebt noch, fliegt eine Runde, kommt zum Tisch zurück
fliegt immer gleiche kurze Wege, Schattenzeichen
unruhig
hab sie beim Schönheitsschlaf gestört
mit dem Licht zu ungewohnter Zeit
das auf den Tisch fällt
Kühler jetzt der Tee, ruhiger die Gedankenflut
Leise rauscht es im Raum…
das Blut in den Ohren, der Kühlschrank, mein Herz und….
ein unbestimmtes Knistern
leise ist es nicht…
ich schließe die Augen und lausche
meinem Puls der Nacht