Selbstbildnis 8

Ein guter Grund

Wenn es mir richtig mies geht, wenn alle Flaggen innerlich auf Halbmast stehen, wenn ein Weg mal wieder in einer Sackgasse gelandet ist, ich mich – zum wievielten Mal eigentlich? – im Kreis drehe und nicht vorwärts komme, wenn die Stimmen in mir so schrill und laut werden, dass ich meine eigenen Gedanken nicht mehr verstehe, dann ….
….grabe ich mich in die Tiefe meiner Textlandschaft und werde fündig. Plötzlich verstehe ich meine Gedanken wieder, weil die Stimmen nur noch flüstern. Ich hüpfe aus dem Kreisen und komme einen Schritt weiter. Die Sackgasse entpuppt sich als Refugium, ich hisse die Fahnen und die Stimmung wechselt von grau auf bunt.

Alleine dieses Resultat befriedigt mich enorm, ganz gleich wer, wann und weshalb, auf meine Texte stößt und sich von ihnen berühren lässt.

STIMMUNG ZWISCHEN DEN ZEITEN

Zwischen den Dialogen schwingen verhaltene Töne. Ich bin neu, und das Entziffern fällt mir  schwer. Rätsel sind noch zu lösen. Nicht alles versteht sich von selbst,  hinterlässt nur ein Ahnen. Traurigkeit flaut auf wie eine verregnete Fahne im Wind an einem schmutziggrauen Tag: nicht mehr Winter und noch nicht Frühling. Gräser, die neben Baumsilhouetten trotz alledem in die Luft staken, abblätternder Putz an einer vergrauten Fassade, Ausgewürgtes und gräulicher Papiermatsch auf dem Asphalt, verhaltene Farben, ein fahriges Gelb, ins Braun sich verfärbende Zweige, verwaschener Backstein und Luft, die man auswringen könnte, Rheinwasser dass über die Ufer tritt und sich in alte Flussarme ergießt, dazwischen vertraute Baumriesen, die gebrechlich wirken. Ein gebrochenes Herz, verstummte Stimmen, Sehnsucht…
Hätte ich Energie heute, ich würde einen frischen Ton in die Stimmung pusten und einen warmen Klang zwischen die Worte singen…erst leise, dann immer lauter…hörbar, ein junges Lied, das Mut macht gegen Frustration, Enttäuschung und Resignation, eins, dass die Schwere nimmt, Leichtigkeit schenkt und Kränkung heilt.