Die Macht der Worte

(Nachklang zu „Es war Anfang März“)

 

Manchmal waren deine Worte ein warmes, weiches Tuch, das mich schützend umschloss. Wie eine behütete Prinzessin, gekleidet in Samt und Seide, fühlte ich mich.
Im Gleichklang mit ihnen entstand Einklang.
Dann wieder waren deine Worte hart, voller Kanten und Ecken, Abgründe taten sich auf, Fließsand drohte mich zu verschlingen
In Resonanz zu ihnen gewannen meine Grenzen neue Konturen.
Immer war da um uns herum eine Hecke mit geheimen Verzweigungen und überraschenden Wendungen, innerhalb der wir Kinder waren, die sich verstecken und über das Spielen die Zeit vergessen.
Ich wuchs an deinen Worten und fand meine eigene Sprache.

KÖNIGIN SEIN

Dornröschen ist erwacht und staunt
ein Königreich aus Worten
liegt zu ihren Füßen.
Es treiben Silberperlen im großen Fluß der Zeit.
Den Spindelstich, der töten sollte,
das Blut an ihren Händen
vergaß sie fast
auf traumgesäumten Rosenwegen.
Ein Schwert an ihrer rechten Seite?
– Wer hat es nur dort hin gelegt –
Sie fasst, begreift, versteht
und spaltet ohne Zögern die Heckenriesen
die sie noch trennen vom Königreich der Worte
Keinen Herrscher braucht sie mehr im Rücken
der lenkt und ordert, der regiert
Dornröschen selbst – beherzt –
hält alle Macht in Händen
und steuert sprachgewandt
die Wege durch ihr Königreich
Hundsrose

…und trägt in ihrem weißen Haar voll Stolz die Hagebuttenkrone. …

Lebensteppich, Sprachgespinnst

Geschichten! Ich habe viele wieder gefunden in den letzten Tagen, in denen sich eine neue Haut herausschält und zu erkennen gibt, dass alte gesichtete Dinge durch das (Aus)Sortieren eine neue Ordnung, einen veränderten und erfrischende Zusammenhang erhalten. So vieles, längst vergessen, wie Zimmer in einem großen Haus, die schon länger nicht mehr betreten wurden.
Das Leben selbst, die eigene Geschichte ein Füllhorn, aus dem sich immer wieder Überraschendes heraus schälen kann.
Wir sind Geschichtenerzähler, du und ich, aber wir erzählen keine Märchen mehr.
Das Leben hat seine Sprachteppiche in uns gewebt, die Fäden, weich oder fest verzwirbelt, alles fein und grob gesponnen.
Allmählich gelingt es uns die vorhandenen Muster zu entschlüsseln, zu erahnen, wie sich das Muster weiter entwickeln wird. Doch, Achtung, der Teppich ist noch nicht zuende gewebt. Niemand kann voraussehen, ob sich das Muster nicht noch einmal völlig verändern kann.
So hängen wir nun unsere Teppiche zusammen in einen großen leeren Raum mit weißen Wänden.
Da hängen sie unfertig nebeneinander: als Kontrast, Ergänzung; ein roter Faden, der beide verbindet, und der alle in einen Dialog einwebt, die den Raum neugierig betreten.

Mein Freund, du bist in meinem Herzen. Längst bist du im tiefen Frieden jenseits der Wand, die ich noch nicht durchschreiten kann.
Ich frage mich, ob du das Muster deines Lebens noch entschlüsseln konntest, überlege, wie wohl die andere Seite des Mondes aussieht, die du inzwischen sicher sehen durftest. In meinen Lebensteppich hast du einen rotgoldenen Faden gewebt und mir genug davon zurück gelassen, das es für den Rest meines Lebens reichen wird.
Deine Geheimnisse zu ergründen, ihre Muster zu verstehen und zu begreifen, warum du mich so berühren konntest, würde viele meiner Fragen beantworten.
Und ich bin sicher, dahinter liegt ein dichtes Gespinnst feinster verzahnter und verknoteter Seidenfäden, uralte Bindung und Beziehung.
Wie ich wieder anknüpfen werde an den Worten – deinen und meinen- die mich immer weiter in meine Tiefen hinein führten und mir meine Grenzen aufzeigten, weiß ich noch nicht.
Wenn die Zeit reif ist, wird es geschehen, denn ich gab dir mein Versprechen.
Aus dem, was zwischen uns wirkte, werde ich schöpfen und Neues gestalten.

Vom grünen König

Einst war mein grüner König groß:
der heimliche Held abgelegter Mädchenträume
trug keine Rüstung aus Gold
Sein Reich war die Sprache
tiefe Wortwelten
Wind und Wellen
an Ufern rubinroter Meere
Zwischen Abgründen und Gletscherspalten
wuchsen Landschaften aus Traum und Wunsch

Bevor ich die Türe fand zu den inneren Sprachräumen
tauchte er tief, einem Froschkönig gleich
zum Grund meines stillen Sees
Sein Atem war lang
Er fand vielfarbige Spiegelsilben
die glänzten wie geschliffene Diamanten
und barg sie für mich, wie die goldene Kugel
Behutsam nahm ich die gefundenen Worte
und webte seidene Sprachteppiche daraus

Mit der Zeit ist er klein geworden und müde
mein grüner König ohne Zepter und Krone
der Zauber blieb
verdichtet zwischen Zeilenschichten
Essenz und Duft
Manchmal
findet sich sein magischer Faden in meinen Sätzen
Dann wachsen den Gedanken Flügel
und ich fliege, wohin ich will

 

Da findet Frau, wenn sie plötzlich an die verflosssene Zeit denkt, sich erinnert und in alten Skizzenblättern zu kramen beginnt: einGedicht , das ich im April 2009 schrieb.