Wie Marie auf Eva getroffen ist

Wie ein Segelschiff mit aufgeblähten Segeln schien die Frau, nennen wir sie Eva, den Asphalt unter ihren Füßen aufzuwirbeln. Ich wunderte mich, dass keine Funken stiebten bei diesen eisernen Schritten, die von männlicher Entschlossenheit erzählten. Da ging eine, die ganz bei sich, sehr bestimmt ein genaues Ziel vor den graublauen Augen sah. Der Blick ließ keinen Zweifel erkennen. Die Pupillen waren klein, die Augen selbst zu Schlitzen verengt. Die Haare auf ihrem Kopf loderten und die Strähnen erinnerten mich an züngelnde Schlangen, die in jedem Moment ihren Giftzahn zücken würden, um dem Opfer einen tödlichen Biss zu verpassen.
Würde ich mich diesem Weib und seinem Zorn in den Weg stellen, sie würde mich hinweg fegen, als sei ich ein lästiges Insekt oder nicht vorhanden. Nicht ich war ihr Ziel, sondern das, was sich in meinem Schatten schon ängstlich duckte. Eva schaute durch mich hindurch, sah, was sich dort versteckte. Vielleicht spürte sie dessen Ausstrahlung, roch den Angstschweiß, fühlte die vermeintlich psychische Winzigkeit. Vielleicht auch war sie sich ein wenig zu sicher, ans Ziel zu gelangen.
Sie hatte nicht mit mir und meiner Entschlossenheit gerechnet. Obwohl ich schmächtig und schmal bin, stellte ich mich in den Weg, bis sie etwa einen halben Meter vor mir stand, fast nach mir greifen konnte.
Ich war ganz ruhig, selbst das Herz verlangsamte seinen Schlag, während ich tief ein und aus atmete, um nicht die Luft anzuhalten.
Voll konzentriert auf Arm und Hand langte ich blitzartig nach hinten, erwischte das Opfer am Hemdzipfel und zog es entschlossen mit mir mit – zur Seite ins Gebüsch. Das Gras stand hoch – wir ließen uns fallen – und da war ein Zaun, unter dem man hindurch kriechen konnte.

Aber was sah sie, diese Eva mit ihren eisernen Schritten? Kann ein verengter Blickwinkel noch wahrnehmen, was über das fokussierte Detail hinaus geht?
Welcher Gedanke nisten in einem Gehirn, das so entschieden voran schreitet?
Diese Entschlossenheit, die Ausdruck findet in der geballten Spannung eines zutiefst entschlossenen Körpers, der nur noch ein Gedanke ist und die sich raumgreifend, ja fast rücksichtslos Raum erobert.
Es fehlt nur noch der Feueratem eines Drachens. Ich kann ihn mir vorstellen, und für einen Augenblick verspüre ich Angst vor dem sengenden und verbrennenden Feuerstoß, der mich treffen wird, nicht körperlich aber mental.
Ich weiß, wie es ist! Da war ein Drachen damals in der Höhle. Ich bin im entronnen.