Mein wilder, wilder Garten

Du lachst mir ins Gesicht
schenkst  jeden Tag neue Eindrücke
wir lassen dich, weitestgehend
eine Fülle gibst du
Lavendel-und Rosenduft liegt über allem
jetzt
Kräuterwonne
Schneckenhaussommer
Amselbadjuni
am kleinen Tümpel bahnt sich was nach oben
und im winzigen Seerosenteich
spiegeln sich beständig neue Bilder
die Rebe an der Hauswand spricht
unter dem Baumhimmel
träumen neugierige Kaninchen
von neuen Wisenversprechen

 

Ich liebe meinen Garten. Er ist kein „Schöner Wohnen Garten“, aber er berherbergt eine Fülle von Pflanzen, Kräutern und Blumen, denen wir gerade im Moment sehr schön beim Wachsen zusehen können. Neben vielen Kräutern gedeihen auch Tomaten, Äpfel, Johannisbeeren und Himbeeren. Unter Aufsicht dürfen auch unsere vier guten Geister (Kaninchen) ab und zu in die grüne Oase. Die wohnen sonst in einem Stall mit Auslauf im hinteren, beschatteten Teil (Haselnuss, Holunder, Wildapfel) des Gartens. In diesem Jahr heben wir zusätzlich im Vorgarten einen Kübelgarten angelegt. Dort wachsen Kartoffeln, Zuccini, Paprika, Kürbisse.
Und wir haben neben Lavendel auch viele Duftrosen.

KÖNIGIN SEIN

Dornröschen ist erwacht und staunt
ein Königreich aus Worten
liegt zu ihren Füßen.
Es treiben Silberperlen im großen Fluß der Zeit.
Den Spindelstich, der töten sollte,
das Blut an ihren Händen
vergaß sie fast
auf traumgesäumten Rosenwegen.
Ein Schwert an ihrer rechten Seite?
– Wer hat es nur dort hin gelegt –
Sie fasst, begreift, versteht
und spaltet ohne Zögern die Heckenriesen
die sie noch trennen vom Königreich der Worte
Keinen Herrscher braucht sie mehr im Rücken
der lenkt und ordert, der regiert
Dornröschen selbst – beherzt –
hält alle Macht in Händen
und steuert sprachgewandt
die Wege durch ihr Königreich
Hundsrose

…und trägt in ihrem weißen Haar voll Stolz die Hagebuttenkrone. …

ROSENZEIT…6

Guten Abend Flores,

du kennst Leander? Was verbindet dich mit ihm? Durch Zufall fiel der Brief an ihn in meine Hände. Ich stehe vor einem Rätsel. Leander ist ein Reisender durch Raum und Zeit. Er trägt zwei Gesichter. Einst bezeichnete ich ihn als meinen Sohn. Wir waren vertraut miteinander wie Bruder und Schwester. Er erzählte mir von der inneren Unruhe, die ihn von Zeit zu Zeit wie einen Zwang überfällt und weiter treibt. Im Augenblick jongliert er mit Worten und tingelt durch die Hinterhoflandschaften überfüllter Städte. Ja, er hat etwas Verzehrendes an sich, so als sei er eine Kerze, die an zwei Enden brennt, aber er reißt Menschen mit, begeistert sie. Seine Augen sprühen Funken und er erobert Herzen im Flug. Seine lästernden Lippen spotten gern. Immer sind viele Menschen um ihn herum. Alle paar Monate besucht er mich, denn ich bin sein Hafen und für eine Weile findet er Ruhe darin. Ein Mädchen – Claire – fragte nach ihm. Ich glaube, sie traf ihn auf einem Rastplatz an der Autobahn nach Paris. Ab und zu lade ich Claire in meine Rosenlaube ein, und wir erzählen einen Tag lang, bis die Nacht herein bricht. Sie sucht ihre beste Freundin Marie, die eines Tages aufgebrochen ist, um die Liebe ihres Lebens zu suchen. Sie verschwand im Dunst eines Spätsommermorgens und hinterließ keine Spuren. Claire formulierte es einmal so: „Marie wurde von der Zeit verschluckt und verirrte sich in ihren inneren Räumen. Claire ist eine ungewöhnliche Frau, hat Visionen, Gesichte und Eingebungen und hält viel von den Träumen. Immer noch hofft sie, Marie zu erreichen und aus ihren inneren Abgründen zu retten.

Sag mir Flores, warum diese Menschen – Leander, Marie, Claire – so rast-und ruhelos sind? Was lässt den einen Teil der Menschen verweilen und den anderen eilen? Manchmal verstehe ich diese Zeit nicht.

Herzlich, Bela von Rosenhaag

Rosenzeit…5

Guten Abend Flores,

der Tag neigt sich dem Ende zu – Zeit , um zu lesen und festzuhalten, was der Tag an Gedanken so mit sich gebracht hat. Oder – was ich sehr gerne in den Abendstunden erledige – Briefe beantworten. Ich wäre gern an deinem Meer, würde dort mit eigenen Augen sehen dürfen, wie der Himmel sich in der unendlichen Weite des Ozeans spiegelt und die Grenze zwischen beiden zerfließt. Dieser Raum zwischen Wasser und Himmel, der am Horizont verschmilzt ist doch wie die großen Liebenden, die sich nach langer Suche am Abend endlich gefunden haben, um sich im Morgengrauen wieder zu trennen. Dort liegt ihr Geheimnis, ihre Sehnsucht und die Hoffnung auf Unsterblichkeit. Wie die Vögel werden sie getragen von unsichtbaren Flügeln. Jeden Abend schauen sie aufs Neue hinaus, warten aufeinander und suchen nach einem Hoffnungsschimmer. Ihre Sehnsucht ist wie ein Leuchtturm in der Nacht.
Ich würde nicht satt werden, den Wellen und dem Wind zu lauschen und die natürlichen Lichtspiele auf dem Wasser zu bestaunen. Die Zeit wäre nicht wichtig. Leider lebe ich in der Stadt, weit entfernt von meinem geliebten Meer. Hier sind die Horizonte eng. Nur die Katze auf dem Dach kennt die Freiheit und das Dächergewirr zwischen dem filigranen Schornstein-und Antennendurcheinander. Kein Wunder, dass sich Liebenden hier nur selten finden. Wo sollten sie sich verstecken, wenn balsamische Juninächte locken?
Die Liebe braucht Raum und Freiheit, um zu wachsen und umfriedete Rosengärten für die Zweisamkeit, in denen keine Zuschauer lauern.

Ja, ich war heute lange in meinem Garten. Traurig begutachtete ich die Schäden, die dicke Hagelkörner am Nachmittag verursacht haben. Das sah nicht schön aus. Ich hoffe, sie werden sich erholen, die verbliebenen Blüten. Die Vögel waren verstummt. So ging ich in den Pavillon und schaute nach der chinesischen Nachtigall. Sie sang für mich ein Liebeslied.
Mein Blick folgt jetzt einer Möwe, die am naheliegenden Fluss ihre Heimat hat. Der Fluss strebt zum Meer. Ich schenke ihm meine Gedanken. Die Wellen werden Wassergeschichten daraus weben und das zierliche Gespinst zu dir tragen.

Herzlich, Bela von Rosenhaag

Rosenzeit…4

Guten Abend Herr? Flores,

es berührt mich seltsam, dass du mich siezt und gleichzeitig bittest, dich weiter zu duzen. Bedeutet es vielleicht, dass du dir mit dem Sie eine notwendige Distanz schaffst, gleichzeitig aber glaubst, dass für mich Nähe kein Problem darstellt? Oder betrachten Sie mich wie einen ungewöhnlichen Kunstgegenstand, den man nicht berühren darf, weil er zerbrechen könnte? Sie sehen, diese Frage setzt mir zu und beschäftigt mich.
Das war mein Eingangsstatement, jetzt aber zum Wesentlichen, zur Seele deines Briefes.
Ich lächle und sehe dabei kleine weiße Segelboote auf einer Wasserfontäne tanzen. Wieso nur verbinde ich dich immer mit der Farbe „Weiß“? Wie ein leeres Blatt Papier oder ein weißer Raum, den man in Gedanken füllen kann, womit man will, ohne dass es für Außenstehende sichtbar wird.
Interessante Vorstellung: ein weißer leerer Raum und dazu ein Nachtbuch mit sieben Siegeln, indem festgehalten ist, was am Tag den Raum ausschmückt.
Fragt sich nur, wer Zugang zum Schlüssel erhält. Noch besser: ein leerer Raum und ein leeres Buch; Besucher mit leeren Gesichtern, die hineinschreiben oder hinein malen, wie sie den Raum zu gestalten wünschen – Imaginationen – oder Musik, erdacht, um im Raum auf ganz eigene Weise zu klingen. Ich bin sicher, wer sich auf ein solches Experiment einlässt, geht mit bewegtem Gesicht.
Ach, ich bin schon wieder abgeschweift: Seele, Weiß, Du!Ich verstehe, wovon du sprichst, wenn du den verborgenen und nur zu bestimmten Zeiten geöffneten Zugang zu den inneren Gärten erwähnst. Ich kenne das Geheimnis, und freue mich, dass Sie die Tür zu einem meiner Rosengärten blind gefunden haben. Märchenhaft!

Endlich nach hundert Jahren gelang es einem jungen und mutigen Prinzen die Dornenhecke zu durchdringen, um das schlafende Dornröschen zu wecken, aber weder sein Alter und Geschlecht, noch der Mut und auch nicht das scharfe Schwert waren der Schlüssel, um hindurch zu gelangen
Nein, einzig – die Zeit war reif. Jeder beherzte Mensch wäre zu diesem Zeitpunkt ohne Kraftaufwand hindurch gegangen.Was wir sehen und was wir nicht sehen, alles ist da zur gleichen Zeit, und manchmal führt eine weiße Taube, die Krumen pickt uns auf den im Augenblick richtigen Weg. Was überhaupt ist Zeit, wenn doch alles zugleich da ist?Übrigens, sie haben wunderbare Rosenfotos für mich festgehalten.

Nachdenklich, Ihre Bela von Rosenhaag

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In den Gärten am Meer….2

Mit dem Wind davon getragen

Marie wusste nicht wie es geschehen war. In einem lichten Moment, in dem sie auftauchte wie aus der Ewigkeit einer tiefen, stillen und mondlosen Nacht, sah sie sich selbst ausgebreitet und weißgewandet auf einem seltsamen Bett. Da waren Kabel, die aus ihrem Körper heraus zu flackernden Monitoren führten. Sie spürte ihren Körper nicht. Die Augen der Frau auf der Liege waren geöffnet. Der leere Blick schien durch die Wände hindurch zu sehen. Vielleicht zum anderen Teil ihrer selbst, der von oben alles sah, auch dass Claire den Raum betrat und einen Duft nach Rosen, Sommer und Wind mitbrachte. Claire, die treue Freundin, die schon so lange, wie lange überhaupt, an ihrem Bett saß, ihre Hand nahm und mit einer Stimme erzählte, deren Worte sie nicht verstand, aber die sie in tiefen Schichten berührte, und ihr Wärme und Nähe schenkte. War es dieser scheinbar bewusst wahrgenommene Moment, indem ein starker Wind sie in seine Arme nahm und zu den Gärten jenseits der Meere trug? Wieder saß sie mit wehenden haaren auf der blauen Bank am Teich, lauschte den Möwen und roch das Meer. Seit dem letzten Mal musste Zeit vergangen sein, denn die Luft war warm und alle Rosen blühten. Der Apfelbaum trug tischtennisgroße grüne Früchte. Rote Johannisbeeren lockten und erinnerten an den Gelee den ihre Mutter früher im Sommer ihrer Kindheit aus ihnen bereitete, und der auf frischgebackenen Milchbrot so wunderbar schmeckte. Marie wollte nach ihnen greifen, aber bevor sie die Früchte berühren konnte, trug der Wind sie zurück in ihre traumlose Nacht.

Rosenzeit 2

Sehr verehrte(r) Flores,

ich danke für die überraschende Antwort und trete einen Schritt zurück: hat mich doch neulich – quasi – der Gefühlsüberschwang überrumpelt.
Verzeihen Sie einer Dame mit romantischer Seele ihre Schwärmereien. Gut, dass meine Zeilen sie dennoch erfreut haben, und ihr Tag in meinen Gärten ihnen ein paar besondere Einsichten vermitteln durfte. Ja, im Augenblick ist alles im Aufbruch – es explodiert in Fülle und Pracht. Besitzen sie etwa einen besonderen Draht zum Universum? Gerade schrieben sie noch vom ausbleibenden Regen und der beginnenden Trockenheit, und schon benetzt einsetzender Regen Feld und Flur – ein Durchatmen zieht durch meine Stadt, und die Pflanzen in den himmlischen Gärten richten sich auf. Sicher verstehen sie, wenn ich Ihnen erzähle, wie froh ich über die Tatsache bin, dass meine Rosen gerade erst begonnen haben zu blühen. So konnte der Regen ihnen noch nicht alle ihre Blütenblätter rauben.
Ich würde mich freuen, von Ihnen zu hören. Und wenn Sie wieder einmal Lust haben, einen Garten zu sehen, besuchen Sie mich in meiner Rosenlaube. Ich lade Sie ein zu Tee und Gebäck. Vor Ort können wir dann weiter über diese so einzigartige Rose philosophieren. Wissen Sie – die Eine – die Besondere, die in deren glutroten Blüte ich von den Worten träumen möchte, die hinter dem Steinwall unsere Geschichte – die gerade erst beginnt – auf Purpur schreiben. Der Duft dieser Worte umweht mich bereits wie ein seidener Schal.

Herzlich – Bela von Rosenhaag

Rosenzeit 1

Flores, ich kenne dich nicht. Oder doch?

Aber dein Name – der Wind trug ihn mir zu – lässt Ozeane aus Blüten wachsen und vor meinem inneren Auge Gärten entstehen mit Laubengängen und Labyrinthen – Hecken, dichtverflochten, fühlingsgrün und hoch – ich greife zur Lupe, sehe die eine Rosenblüte, winzigklein noch, gerade geschlüpft – im Pflanzenmeer!
Im Zeitraffer wächst sie, öffnet ihre Knospe dem Licht und entschleiert die gefalteten Schichten ihrer glutroten Pracht – so durchscheinend und zart im Gegenlicht – zeigt sie ihr Herz und füllt den Raum mit Duft.

Meine Nase kann sich nicht satt riechen. Die Augen geschlossen, ahne ich das Seidensamt der Blüte auf den Lippen.
Und dein Name schmilzt auf meiner Zunge, breitet sich im Gaumen aus, wird Essenz – ich koste, schmecke, schlucke.
Dein Name gleicht der Rosenblüte und…..du musst wie sie sein.
Draußen verblüht schon die Pracht, lässt reife Hagebutten zurück – getrocknete Substanz, blutrot – nur die Dornen bleiben.
Ob sie das Beständige sind an dir, während alles unentwegt der Wandlung unterliegt?
Dann will ich achtsam sein und die Dornen vorsichtig umschiffen. Ich will weiße Segel setzen und im ersten Morgenlicht starten, der Wind nimmt mich mit, und die Möwen singen dir meinen Namen.
Die Dornen sind nadelspitze Felsen im ruhigen grünen Wasser und jenseits glitzernder Fjorde. Mein innerer Navigator wird sie nicht unterschätzen und ihnen Achtung erweisen.
Das Herz deiner Blüte ist Ziel und Hafen mir. Hülle mich ein in rosenrote Blätter – schließe sie über mir, denn ich will träumen von den Worten, die Netze spinnen zwischen dir und mir und die unsere stumme Geschichte jenseits der Steine auf Purpur schreiben.

Bela von Rosenhaag

Impressionen vom Pfingstsonntag

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Küchenstillleben mit Erdbeeren und duftenden Rosen.

Ich liebe das christliche Pfingstfest. Es kommt weniger spektakulär daher, wie seine bedeutenden Geschwister Weihnachten und Ostern und ist doch ein Fest der belebten Fülle: an Geist, Duft, erwachter Natur, Vogelgezwitschen, oft sonnendurchtränkt. Im erwachten Grün lässt sich gut durchatmen und der Lebensraum ist erweitert, die Zeit des Stubenhockens vorbei.

geträumt

der traum spricht
schenkt konturen und farbe
langsam schält sich das bild heraus
ein mensch – nicht frau, noch mann
mit drittem auge auf der stirn
ein wesen, dessen name nur geahnt
mit einem kranz aus rosen
im silbergrauen haar
der mund spricht stumm

ich fülle ihn mit worten
die über seine lippen rieseln
wie blüten aus dem apfelbaum
der tausend jahre schon
vergessen steht an deiner quelle