Das muss ich euch noch erzählen….

Der gelbe Regenschirm

„Endlich! Ich werde aufgespannt.“

Der Schirm lacht übers ganze Gesicht. Breit zieht sich der Smiley-Mund über den halben Schirm.  Mia hält ihn über sich wie einen Baldachin. Darunter scheint für sie die Sonne.
Mia lächelt mit dem Regenschirm um die Wette und eilt mit beschwingten Schritten über den nassen Asphalt. Klack-Klack macht es.
Es ist warm und so lässt sich heute dem „Grau in Grau“ gut trotzen.
Dankbar zwinkert sie ihrem Sonnendach zu.
Es duftet, das hochgeschossene Grün glänzt und verströmt diesen frischen, ganz besonderen Geruch, den es nur am Ende des Frühlings gibt, wenn die Erdbeeren reifen und der Sommer nicht mehr weit ist. Ein süßes Versprechen liegt darin von Sonnentagen mit wolkenlosen Himmeln, an denen die Zeit stehen bleibt.
Die ersten Duftrosen tupfen Rot-und Rosatöne ins Grün.
Unaufhörlich klopft der Regen seinen Rhythmus auf den gespannten Schirm.
Mia möchte mit den Tropfen singen und sieht sie wie Noten auf imaginären Linien tanzen, vom gelben Flackerlicht umspielt.
Augenblicklich trifft sie eine Entscheidung: „Egal was heute noch geschieht, von Nichts und Niemanden wird sie sich die gute Laune verderben lassen. Sie wird Gänseblümchen und Butterblumen pflücken und für den Schirm daraus ein Kränzchen flechten. Mia freut sich wie ein Kind bei dieser Vorstellung und hüpft begeistert von einem Fuß auf den anderen. Schon sieht sie ihn bekränzt im Flur stehen, unübersehbar für Jedermann, der durch ihre Haustür tritt.Von der blauen Stunde ist heute nichts zu sehen, denn sie hat sich hinter die Wolken verzogen und schmollt.

Unentschieden….

Seit Tagen steht er in der Ecke vom Flur und lächelt mich unentwegt mit seinem Smilie-Face an:
„Sieh mich an, ich hab was zu erzählen.“
Und ich ignoriere den sonnengelben Regenschirm, weil in der Ecke gegenüber die blaue Stunde wartet und um Aufmerksamkeit bittet. Was soll ich nur machen? Ein Dialog zwischen beiden oder zu dritt, wäre vielleicht keine schlechte Idee. Oder soll ich sie doch lieber getrennte Wege gehen lassen?

Ich kann mich nicht entscheiden, noch nicht, aber sie gehen mir auch nicht aus dem Sinn, die beiden. Ich schiebe nur anderes, scheinbar Wichtigeres vor.
Es ist Zeit, wieder zu beginnen Fragmente zu schreiben, denn aus denen besteht das Leben, und sie lassen dem Leser in der Regel genug Raum, um selbst weiter zu denken.

Zum Glück liegt ein langes Pfingstwochenende vor mir, im Garten des Bloghauses blühen Pfingstrosen, erste Rosen betören mit ihrem Duft.

Inspiration reichlich!