Drei kleine Schreibprojekte

1. Die Suche nach MARIE

MARIE ist eine der ersten Protagonistinnen, die ich erfunden, gestaltet und 2006 ins Leben geschickt habe. Plötzlich war sie da und nahm Gestalt an. Folgte ich ihr oder folgte sie mir? Ich kann es nicht sagen. Sie kam zum richtigen Zeitpunkt, denn ich setzte mich gerade mit einer schweren medizinischen Diagnose auseinander: Krebs. Die Behandlung machte mich richtig krank, raubte mir Energie und Kraft. Ich erinnere mich an Tage, an denen ich das Gefühl hatte, alle Lebenskraft rinne unaufhörlich aus mir heraus. andere habe ich nur verdöst. Wenn ich aufstehen konnte, habe ich geschrieben. Beim Schreiben vergaß ich Kraftlosigkeit, Schmerzen und Müdigkeit. Ich habe Marie auf eine Reise geschickt ins Ungewisse. Während ich sie schrieb fand sie für uns beide hilfreiche Dinge, Visionen, Metaphern, Lichtgestalten, heilende und erhellende Substanzen, die Elemente, Magie. Diese unterstützten Marie bei den Herausforderungen der gefährlichen Abenteuer ihrer Reise. Gleichzeitig halfen sie mir bei der Bewältigung meiner Krankheit und der darauffolgenden Genesung. So wie MARIE sich neu erfunden hat nach dieser Reise, musste auch ich mich neu erfinden und alles was durch die Krankheit auseinandergebrochen war, Stück für Stück wieder zusammensetzen.
Sie verschwand wie sie gekommen war. Eines Tages fielen mir keine neuen MARIE-Geschichten mehr ein. Natürlich ist sie ein Teil von mir, der nur auf einer anderen Ebene unterwegs ist, so sehe ich das.
Ich möchte sie gerne wieder finden, und suche die versteckte Brücke, Abzweigung, den überwucherten Pfad, das Heckenloch, das auf ihre Ebene führt.
Jede Suche ist immer auch eine Suche nach sich selbst, und so schreibe ich nun jeden Abend vor dem Schlafengehen an diesem Projekt. Ich schreibe auf, was mir in den Sinn kommt und folge dem Motto: „Der Weg ist das Ziel.“ So gelten die letzten Gedanken des Tages MARIE und ich nehme diese mit in meine Träume.