für einen fernen dichter

und immer suchte ich dich
zwischen raschelnden Worten
und knisternden Silben
öffnet sie sich, deine Welt

will sie fassen
zwischen Dornrosenhecken
aber der Wind trägt sie fort
ins Frühlingsblau des Morgens

wenn ich folge
auf üppigen Sommerwiesen
fällt sanfter Schatten in die Seele
Glück für den Augenblick

wenn unsere Wege sich trennen
unter sinkender Sonne
im welken Oktoberlaub
ernte ich Herzensfrüchte

folgst du einst dem Sternenweg
schau ich zum Himmel
ein Flüstern träumt mir Märchen
in frostklare Nächte

wenn deine Welt sich öffnet
in knisternden Silben
und raschelnden Worten
noch immer suche ich dich

Fülle

Als die Nacht sich verabschiedet und den Morgen in den neuen Tag geschickt hatte, hörte Marie die Vögel zwitschern. Einen grüner Duft wehte der Wind durchs geöffnete Fenster zu ihr hinein. Es war genau dieser Moment, in dem Marie an Eva dachte und ihr im Geist eine Botschaft schickte:
„Weißt du Eva, wir nehmen die Menschen, die wir lieben in uns auf. Wir verleiben sie uns ein, bis sie in uns leben. Sie werden zum Teil von uns. Und wenn sie von uns gehen, bleiben sie doch bei uns, selbst über den Tod hinaus, so dass wir nicht verlassen sind. Das ist tröstlich.
Ebenso ist es mit der Welt, wir nehmen sie in uns auf. Sie ist in uns wie wir in ihr. All das macht unseren Reichtum und die Fülle aus, aus der wir schöpfen dürfen.“