Vom grünen König

Einst war mein grüner König groß:
der heimliche Held abgelegter Mädchenträume
trug keine Rüstung aus Gold
Sein Reich war die Sprache
tiefe Wortwelten
Wind und Wellen
an Ufern rubinroter Meere
Zwischen Abgründen und Gletscherspalten
wuchsen Landschaften aus Traum und Wunsch

Bevor ich die Türe fand zu den inneren Sprachräumen
tauchte er tief, einem Froschkönig gleich
zum Grund meines stillen Sees
Sein Atem war lang
Er fand vielfarbige Spiegelsilben
die glänzten wie geschliffene Diamanten
und barg sie für mich, wie die goldene Kugel
Behutsam nahm ich die gefundenen Worte
und webte seidene Sprachteppiche daraus

Mit der Zeit ist er klein geworden und müde
mein grüner König ohne Zepter und Krone
der Zauber blieb
verdichtet zwischen Zeilenschichten
Essenz und Duft
Manchmal
findet sich sein magischer Faden in meinen Sätzen
Dann wachsen den Gedanken Flügel
und ich fliege, wohin ich will

 

Da findet Frau, wenn sie plötzlich an die verflosssene Zeit denkt, sich erinnert und in alten Skizzenblättern zu kramen beginnt: einGedicht , das ich im April 2009 schrieb.