An den Abenteurer in dir…

Also vorab gesagt, sollte euch der folgende Text wie eine Sammlung von Klischee-Näpfchen vorkommen, dann ist das durchaus bewusst so geschehen.

Lieber Sub.Cau.,

du hast mich ganz schön hinters Licht geführt, damals. Plötzlich bist du in meinem Blog aufgetaucht. Du bist wie MARIE über das Meer gesegelt, weil dein Leben – deine Geschichten- hinter den Silbermeeren entstanden sind.
Ich fühlte mich so geehrt „Unbekannter“. Einen Schatz legtest du vor meine Füße: poetisches Wortgeschmeide, abenteuerliche Satzperlen, glitzernde Tautropfensilben und Sätze aus schlingernden, schlängelnden Riesenschlangen. Den Giftzahn hattest du schon gezogen, mutiger Wilderer, der du warst. Ach, wie fühlte ich mich geschmeichelt, galt doch deine gesamte wortgewaltige Aufmerksamkeit mir, ganz und gar mir. Nur wir beide in diesem Augenblick, in dem eine grüne Hecke um uns herum wuchs, die alle anderen aussperrte und das Rätsel für mich, wer sich wohl hinter deinem Nick verstecke. Genossen habe ich in vollen Zügen, hatte da doch jemand meine ganz und gar empfängliche und weiche Stelle entdeckt, das Schlupfloch durch die Mauer mitten ins Herz, zur Seele und zum Geist. Das Spiel dauerte lange, ich hätte es gerne ausgedehnt, aber leider gewann meine angeborene Neugier Überhand und ließ mir keine Ruhe mehr. Was für eine Verblüffung meinerseits, als mir klar wurde, dass du dich hinter dem Nick versteckst, jemand, den ich nur zu gut kenne, besser gesagt zu kennen glaubte. Und dann war das Geheimnis gelüftet und der Zauber futsch. Bis vorgestern fragte ich mich, wo er geblieben ist, der Abenteurer in dir. Dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Er steckt in dir und kann nicht raus. Ein Fiesling hat ihn eingekerkert. Warum? Vielleicht, ich kann nur spekulieren,  um dir die Chance zu geben, über die eigentlichen Beweggründe damals nachzudenken. Ein Konkurrent war am Horizont aufgetaucht, der begann, mein Königreich einzunehmen. Das konntest du nicht zulassen. Da bist du in die Schlacht gezogen und hast den Abenteurer gewagt.
Kurz und gut, es wird Zeit, den Gefangenen frei zu lassen. Er hat nichts Schlimmes verbrochen. Der Abenteurer soll leben. Keine Frau der Welt möchte einen dressierten Affen in ihrem Leben haben, dem die Worte fehlen und der sich nicht traut. Nein, du musst für mich in keine neue Schlacht gehen, um mir ein Heldentum vorzugaukeln, aber kämpfen für dich selbst, für dein eigenes Leben, das eigene Ding, deinen eigenen Sinn das wäre großartig. Und wenn du mir dann wieder Geschichten von „Hinter den Silbermeeren“ mitbringst, dann hast du auf jeden Fall ein Königreich gewonnen.
Es grüßt der Findevogel

KÖNIGIN SEIN

Dornröschen ist erwacht und staunt
ein Königreich aus Worten
liegt zu ihren Füßen.
Es treiben Silberperlen im großen Fluß der Zeit.
Den Spindelstich, der töten sollte,
das Blut an ihren Händen
vergaß sie fast
auf traumgesäumten Rosenwegen.
Ein Schwert an ihrer rechten Seite?
– Wer hat es nur dort hin gelegt –
Sie fasst, begreift, versteht
und spaltet ohne Zögern die Heckenriesen
die sie noch trennen vom Königreich der Worte
Keinen Herrscher braucht sie mehr im Rücken
der lenkt und ordert, der regiert
Dornröschen selbst – beherzt –
hält alle Macht in Händen
und steuert sprachgewandt
die Wege durch ihr Königreich
Hundsrose

…und trägt in ihrem weißen Haar voll Stolz die Hagebuttenkrone. …