Mit Worten malen

Sprachgespinste schaffen

Inseln aus Licht erschaffen
kleine Oasen zwischen Wüstengebirgen
duftender Früchte sinnlicher Raum
fruchtbarer Sprache Landschaft und Garten

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Sätze, wie Burgen, eingezingelt, ummauert
elfenbeinfarbige Türme auf hohen Bergen
Zinnen, die zwischen Wolken schweben
dazu Zimbelklang und schamanische Trommeln

Klang und Tanz, ein Tönen und Betöntwerden
magische Worte gedüngt mit Silbengold
gewebt im Schatten der Hecke
Mondsilber zwischen den Zweigen

und fern das Lied vom Meer
ein Raunen von Wasser und Wind
Wellen die aufnehmen und leiten
wie der Schoss einer rätselhaften Göttin

mein blaues klavier

 

unter meinen händen die tasten
auf dem blauen klavier sind es meine finger
die herrisch oder zärtlich den tasten die töne entlocken
und klang in den tag weben, raum greifend, hinaus klingend
im blauen wirbel der musik löse ich mich auf
verschwinde, lasse geschehen
die musik war schon da, jetzt bin ich nur diener

STIMMUNG ZWISCHEN DEN ZEITEN

Zwischen den Dialogen schwingen verhaltene Töne. Ich bin neu, und das Entziffern fällt mir  schwer. Rätsel sind noch zu lösen. Nicht alles versteht sich von selbst,  hinterlässt nur ein Ahnen. Traurigkeit flaut auf wie eine verregnete Fahne im Wind an einem schmutziggrauen Tag: nicht mehr Winter und noch nicht Frühling. Gräser, die neben Baumsilhouetten trotz alledem in die Luft staken, abblätternder Putz an einer vergrauten Fassade, Ausgewürgtes und gräulicher Papiermatsch auf dem Asphalt, verhaltene Farben, ein fahriges Gelb, ins Braun sich verfärbende Zweige, verwaschener Backstein und Luft, die man auswringen könnte, Rheinwasser dass über die Ufer tritt und sich in alte Flussarme ergießt, dazwischen vertraute Baumriesen, die gebrechlich wirken. Ein gebrochenes Herz, verstummte Stimmen, Sehnsucht…
Hätte ich Energie heute, ich würde einen frischen Ton in die Stimmung pusten und einen warmen Klang zwischen die Worte singen…erst leise, dann immer lauter…hörbar, ein junges Lied, das Mut macht gegen Frustration, Enttäuschung und Resignation, eins, dass die Schwere nimmt, Leichtigkeit schenkt und Kränkung heilt.

Der verletzte Ton

Der Ton war gekränkt und verletzt.
Wie hatte man ihm das nur antun können. Tief ins Innere des Körpers hatte er sich zurückgezogen und eng zusammen gerollt. Niemand sollte ihn mehr finden, jedenfalls nicht heute.
Die Lust, sich unter die anderen Töne zu mischen, um sich mit ihnen zur Melodie zu formieren, war ihm im Augenblick vergangen. Wie hatte man ihn nur so missverstehen können? Er verstand es einfach nicht.
Dicke Tränen kullerten ihm über seine Wangen.
Was war er eigentlich?
Er hatte eine konkrete Vorstellung von sich. Offensichtlich aber sahen die anderen an ihm etwas ganz anderes, etwas, mit dem er sich nicht identifizieren konnte. Die großen Pläne waren zusammengefallen, wie ein Kartenhaus aus Nieten. Nichts war mehr wie es für ihn sein sollte.
So gern hätte er einmal nur auf der Bühne stehen und den Ton angeben wollen. Das wollten die anderen doch auch, und sie nahmen sich dieses Recht einfach heraus.
Vielleicht hätte er nicht erst fragen sollen. Er war aber nun einmal wie er war, immer vorsichtig und etwas zaghaft.
Schließlich hatte er nicht vor, einen Konflikt zu provozieren oder jemanden zu verletzen. Ihm lag viel an Harmonie, besonders in der Melodie eines Liedes.
Aus Erfahrung wusste er, wie es verletzten Tönen geht. Sie klangen schief und schräg und waren so für ansprechende Melodien nicht mehr zu gebrauchen. Niemand wollte Missklänge hören.
Es tat so weh, ausgegrenzt zu werden. Das  Fundament unter seinen Füßen verschwand und er fiel in einen bodenlosen Abgrund.
Schüchtern hatte er an die Türen der anderen Töne angeklopft und gefragt:
„Darf ich heute mal den Ton angeben?“
Ausgelacht hatten sie ihn:
„Du, willst den Ton angeben? Ausgerechnet du? Es gelingt dir ja nicht einmal, einen Ton zu halten. Wie willst du da die anderen zum Einstimmen bringen?“
Da hatte der Ton sich umgedreht und war schweigend gegangen.
Und jetzt saß er versteckt in einer geheimen Nische des Körpers und wollte für heute nicht mehr gefunden werden.

HERZ-NOTES(4)

„Komm!“ sprach die Stimme in mir laut.

So folgte ich dem Klang bis zum Grunde meiner Seele, dorthin, wo in den wilden Gärten unter dem Meer sein Echo nur noch flüstert. Farbig wuchert es, wohin der Blick auch fällt.
Zwischen exotische Gewächse pflanze ich Herzsteine, gieße sie mit meinen Tränen und vergrabe unter dem Seegras einen goldenen Schlüssel.
Zärtlich streifen Seepferdchen meine Fesseln. Das Meer nimmt mich mit und wiegt mich in den Traum.
Zwischen Ebbe und Flut wachsen mir Kiemen. Aus Beinen und Armen werden starke Flossen. Mit einem Schwarm kleiner Fische schwimme ich weit hinaus in die blaue Unendlichkeit.
Zu Algen kräuseln sich die Haare, treiben wie ein goldener Schleier auf dem Wasser.
Am Ende der Nacht singe ich mich  mit den Walen zurück in den Tag.
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Langsam, ganz langsam verebbt deine Stimme in den innerer Räume.

Vom Klingen

Es singt ein Lied in meinem Ohr. Wo kommt es her? Hatt der Wind einen Klang vom Meer zu mir her getragen? Etwas vom Brausen der Gezeiten liegt darin. Aber noch mehr:
ein Stimme mischt sich hinein – vertraut und doch fern. Sie kommt wohl aus alten Zeiten, mit einem Hauch von Märchen und Träumen darin.
Die Stimme, das Meer; mit den Wolken gesegelt mein gesprochenes Wort, das ein Lied daraus wirkt.
Und du singst die zweite Stimme dazu:
sie trägt das Wispern der Bäume und Mädchenlachen; den Schmerz und die Angst, die in tiefen Gräbern wohnt.

Wenn es aus dir singt und klingt

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den ton gefunden, ihn hinaus gesungen, bis er an raum gewinnt
alles hinein nimmt – mit nimmt – einen klangraum schenkt
ein zweiter Ton gesellt sich hinzu – zweiklang, melodie
leise oder laut, gehaucht und geflüstert
tief in die erde hinein  – hoch gen himmel hinauf
ein band knüpft zwischen unten und oben
zwischen dir und mir, zwischen innen und außen
und weite schenkt, klangwellen über grenzen hinaus

ULMENTANZ

Eben bin ich vom Chorwochenende zurück gekommen, immer noch mit vielen Liedern im Kopf, mit schwingenden Klängen und Tönen. Auf ein Lied möchte ich euch aufmerksam machen, eigentlich ist es nicht nur ein Lied, sondern auch ein meditativer Tanz.
„Der Ulmentanz“, gesungen in lettisch. Dieser Tanz hat eine Geschichte, und er kreist um die Welt. Gerade habe ich gelesen, dass er an manchen Orten immer bei Vollmond um 20 Uhr gesungen und getanzt wird. Dabei mit zu tanzen (und zu singen) würde mir auch gefallen. Auf der dazugehörigen Seite – ULMENTANZ –  findet ihr nicht nur Musik, Text, Übersetzung und Tanzanleitung, sondern auch viele Informationen über diesen ganz besonderen Tanz.

Mondschwestern

Ein Kreis
ein magisches Feld
Herzenswärme, die sich vermittelt
die austeilt, sich verschenkt
ich gebe den Ton an
heule mit den Wölfen
beschreite den ersten Schritt.
Aus meiner Kehle
befreit sich
ein offenes Aaaaaaaaaaaaaaa….
Frei…
alles öffne ich
der Nacht
dem Tanz
dem vollen Mond
ich kreise mit den Sternen
mit dir, mein DU
mein Herz
mein Eins
Und ende
mit
OM