GESCHRUMPFT

Was habe ich da erzählt von dem Wal, der mich getragen hat, damit ich in ein kleines Boot schauen kann. So ein Unsinn, oder war es doch kein Unsinn? Irgendetwas ist passiert, denn ich liege in einem Boot und draußen tobt der Sturm. Neben mir liegt ein kleines Kind. Es schläft, vielleicht schon seit einhundert Jahren und wird nicht wach. Ich friere und kuschle mich zu ihm unter die Decken, nehme es vorsichtig in den Arm. Es ist warm und riecht nach Milch. Seltsamerweise bin ich nicht mehr groß. Etwas im Boot hat mich verzaubert. Oder war es der Wal, dessen Absichten ich nicht kenne? Ich kann nichts tun, bin klein wie das Kind neben mir. Sind wir Zwillinge, habe ich gerade im Boot mein anderes Ich gefunden? Den Schatten, den ich bisher nicht ausloten wollte?Seltsamerweise verspüre ich keine Angst. Es wird geschehen, was geschehen soll. Alles steht schon lange geschrieben und wird sich auf die ein odere andere Seite erfüllen.

Ich schaue auf das Strickstück in meinen Händen, es ist wabenförmig. Der Anfang einer Geschichte, die an allen sechs Seiten weiter gehen kann. Während ich tagträumte haben meine Hände sie ohne mich gestrickt. Möglich, dass ich tatsächlich eine Geschichte stricken kann.

AURORA, DIE AUF DEM SEIL TANZT 16

3.5

Lieber Leuchtturmwärter,

ich schwebe über das Seil durch den Frühling – alles ist so ungewöhnlich, fast surrealistisch. Manchmal zeichnen sich Male in die Gesichter der Zuschauer, ihre Münder sind weit aufgerissen und verzerrt, und in den Augen lodert Angst. Sie werden fahrig und halten den Atem an. Unter die Wangenknochen malen sich dunkle Schatten. Die Haut scheint in ein sonderbares Licht getaucht. Sie wissen nicht, dass es für mich auf dem Seil sicherer ist, als zu ebener Erde. So bin ich in ihren Augen wohl weder Mensch noch Vogel. Keine blaue Feder findet das Kind. Aber es lacht und wirft mir eine Kusshand zu. Ich verneige mich vor ihm, und es beschenkt mich mit leuchtenden Augen. Ich schlage ein wenig mit den Flügeln, gewinne Wind, und fliege mit den Gedanken, wohin ich will. Gestern war wieder Flut: wohin mit den traurigen Gefühlen, wenn der so vielversprechende Tag mit Tränenfluten beginnt? Einmal mehr stelle ich fest, dass ich nicht überall hinfliegen sollte. Es gibt Erinnerungen und Themen, die mich dem Abgrund nah bringen – gefährlich!
Manchmal aber gehe ich mit Absicht in den Schmerz hinein, wie in einen dunklen Tunnel, gewiss, am Ende wartet Licht. Die Menschen können einander nicht retten, aber sie können sich die Hände reichen, einander liebevoll begegnen und Trost spenden. Gute Wegbegleiter können sie sein, eine lange oder kurze Weile. Denkst du mal an mich, wenn die Sonne im Meer  versinkt und alles rotgülden glänzt? Der Schmerz und die Freude,  Lachen und Weinen. Alles liegt dann ganz nah beieinander. Ich denke oft an dich, frage mich, wie es dir wohl geht auf deiner einsamen Insel.

Aus der Ferne umarmt dich deine Aurora

Eine Geschichte zur Nacht:

 

besondere tage

und über den tagen außerhalb der zeit lag ein frühlingsgrünes lächeln, das lächeln eines verwunderten kindes, für das jede sekunde die aus der zeit heraus wächst einen neuen, noch unerlebten zauber gebiert. und im flügelschatten des großen lächelns verbarg sich die angst mit ihren viefältigen gesichtern. und das licht war wie eine brücke, die menschen miteinander verband und eine weile aus der zeit heraustreten ließ. in der hand des goldenen kindes lag ein feuersprühender ball. siehst du ihn fliegen durch die nacht, die den tag gegessen hat, damit im nachtblau das licht nicht vergessen wird?

Schlaft schön!

selbstbildnis 4

wo die vergangenheit geblieben ist… versteckt, vergraben, begraben
das kind im dorf auf dem hof erinnert: die pickenden hühner, der hofhund, die großmutter erbsen puhlend oder kartoffelschälend, fetzen, roter bohnerwachs zu mit atta geschrubbtem holz, der duft von wicken im sommer, wenn die kirschen reif sind, gemähtes gras,
dann lange nichts, filmriss…nur manchmal…schält sich aus dem kaffeesatz der zeit etwas nach oben, nimmt fahrt auf, wird überdeutlich.
das vergilben hat nicht stattgefunden…alles wie frisch gewaschen und vom wind getrocknet…perlen auf einer kette, die das gelebte leben zusammen halten und mit dem jetzt verbinden.

Ein Märchen zum Rätsel

von FREUDENWEGE 

Es war einmal, vor vielen Jahrhunderten, eine Fee. Sie lebte in der Feenwelt und besuchte nur einmal in hundert Jahre eine andere Welt. Eines Tages, es war bald wieder so weit aufzubrechen, entschied sie sich die Menschenwelt zu besuchen. Sie betrachtete aufmerksam ihre Weltkarten und machte sich dann auf den Weg. Sie flog munter zum Weltenwandler, einem alten Baum, der die Fee schon oft in andere Welten gebracht hatte. Auch dieses Mal versprach er, sie sicher hinüber zu geleiten. Die Fee setzte sich auf einen Ast und der Baum flüsterte: „Gut festhalten!“ Er schwang seinen Ast hin und her und schwupps, glitt die Elfe durch die Luft, mitten hinein in das richtige Astloch. Sie überschlug sich im Flug, purzelte durch den seltsamen Durchgang. Kurz darauf flog sie wieder hinaus und war in der Menschenwelt. Sie segelte über eine Wiese und erholte sich dort erst einmal von dem wilden hin und her. Danach flog sie ruhig weiter und hielt Ausschau nach einem Wesen in dieser fremden Welt. Sie entdecke ein Kind, das auf der Wiese saß und aus Blumen einen Haarkranz wand. Die Fee landete behutsam auf der Hand des Kindes und schaute es neugierig an. Ein seltsamer Schmetterling war das, dachte sich das Kind. Aber er sah schön aus! „Hallo“, sagte die Fee, „ich grüße dich!“ Das Kind freute sich über die freundliche Stimme und war gar nicht verwundert. Für Kinder ist kein Wunder unmöglich. „Hallo“, sprach das Kind und führte seine Hand langsam vors Gesicht, sodass es die Fee noch besser sehen konnte. „Ich habe dir etwas mitgebracht“, sprach die Fee und kramte zwischen ihren Flügeln einen kleinen Samenkorn hervor. Das Kind machte große Augen. „Das ist ein Samenkorn aus meiner Welt. Daraus wächst eine ganz besondere Blume, in der Feen ein zu Hause finden können. Damit sich auch hier immer mehr meiner Freunde zu Hause fühlen können.“ Die Fee hielt dem Kind den Samenkorn hin. „Wenn du gut darauf aufpasst und die Pflanze immer gut behandelst, wird sie sich mit der Zeit immer weiter vermehren und die Feen werden herbei fliegen und sich darin niederlassen.“ Erstaunt nahm das Kind das Körnchen an. „Ich werde mich gut darum kümmern“, sagte es voller Stolz, dass ihm solch ein Schatz geschenkt wurde. „Wenn es an der Zeit ist und die Blume verblüht, ihre Blütenblätter zu Boden fallen auf einen steinigen Grund, dann werde ich zurückkehren und ein neues Samenkorn bringen. Bis dahin wird aber sehr viel Zeit vergehen und du wirst vielleicht längst selbst eine Fee sein.“ Das Kind schaute die Fee etwas verwirrt an und das kleine Wesen kicherte. „Kümmere dich einfach gut darum und du wirst bald öfter mehr von meiner Art sehen. Du musst nur ganz still sein und gut beobachten.“ Das Kind nickte eifrig. „Das werde ich tun. Ich verspreche es dir!“ Die Fee war zufrieden und verabschiedete sich. Ihr Werk hatte sie bei diesem Ausflug wirklich schnell vollbracht. Sie segelte noch lange umher, genoss die Luft dieser fremden Welt und als die Sonne unterging, verschwand sie wieder in einem Astloch. Eines Tages wird sie wieder kommen, wenn die Feenblumen verblüht sind um wieder ein kleines Körnchen mitzubringen…

Sonntagspracht

Der Sonntag hat Farbe angelegt
am Telefon die Stimme des Kindes
klingt hell
und erwartungsfroh
ihm gehört die Welt und das Morgen
über die Dächer spaziert die Sonne
Knospen weiten sich prall
und das Gras, frisch ergrünt
streckt sich strotzend dem Himmel entgegen
da möchte ich Lerche sein
aus lehmiger Erde aufsteigen
und mich singend im Blau verlieren

mich zurück denken

heute will ich klein sein und rote götterspeise löffeln
in gedanken will ich
vergangene gärten voll wicken
und stockrosen besuchen
in mein kindheits-schlaraffenland eintauchen
voll duft und licht und getier
und an dem großen holztisch sitzen
der samstags geschrubbt wurde
während im radio der landfunk lief
im wohnzimmer die dielen gebohnert wurden
und aus dem backofen streuselkuchen duftete
und ich möchte das licht flirren sehen
im staub der zeit
an den spätsommertagen im alten haus
wenn wochenendstimmung war

Erde, meine Mutter

„Erde,“ flüsterte ich,
„berge mich in deiner Mitte,
damit ich träumen kann.“
Und die Erde nahm mich in ihre Mitte
dorthin wo es warm ist und feucht
wo alles keimt und wächst
wenn die Zeit reif und der Schlaf vorüber ist
Und ich kuschelte mich in die mütterliche Erde
schloss die Augen und träumte von dem
was im Nebel der Zeit noch darauf wartet
getan zu werden.
Ein Rinnen war in der Erde
ein Flüstern und Raunen
und das Lied allen Lebens
Ich schlief wie ein Kind,
dem die Mutter ein Wiegenlied singt

Das Kind

Marie ist durch den Tag gehüpft, wie ein agiles Känguru, neugierig, wissbegierig und mit dem Kind an der Hand. Wie hätte sie sonst auch hüpfen können?
Das Kind hat ihre Hand ganz fest gehalten und zwischendurch zu ihr hinauf geschaut und sie auf diese ganz besondere Weise angeschaut: ein inneres Glimmen, Freude; ein Lächeln gepaart mit Respekt. Dem Kind fehlen die Worte, aber Marie kann in seinen Blicken lesen. Es braucht keine Worte.
Am Abend sucht Marie sich einen ausladenden Baum, setzt sich darunter in den Schatten und nimmt das Kind zwischen ihre Knie, umarmt es. Einvernehmliche Stille liegt zwischen beiden, eine Ganzheit von besonderer Dichte, für eine lange Weile. Dann summt Marie ein Wiegenlied. Das Kind kuschelt sich eng an sie heran, bis es schließlich einschläft. Marie ist tief berührt von dem Vertrauen, dass dieses Kind ihr entgegen bringt. So friedlich und ganz in sich geborgen liegt das Kind in ihren Armen, die endlich nicht mehr leer sind. Maries Brüste spannen sich. Sie, die bisher noch kein Kind genährt hat, spürt das Einschießen der Milch. Jedenfalls fühlt es sich so wohl an, denkt sie, und sie staunt. Zum ersten Mal seit langer, langer Zeit traut sie sich, an ihn zu denken, den sie verloren hat. Sie hat gesucht nach ihm, aber nicht gefunden. Es dunkelt bereits, das Kind schläft noch, als Marie endlich zu weinen beginnt. Zuerst zuckt es in ihrem Körper. Eine Weile wehrt sie sich noch gegen die aufsteigenden Tränen, will sich ihnen nicht ausliefern. Schließlich bricht der Damm – haltlos – und sie überantwortet sich der Trauer, dem Schmerz und dem Tränenmeer, das aus ihren Augen fließt.

Aus aktuellem Anlass

Jede Geburt ist ein kleines Wunder.

Menschen bangen und zittern mit, sind voller Vorfreude, können es kaum erwarten und dann ist es endlich da, Mutter und Kind gesund!
Aus diesem Grunde gratuliere ich allen Kindern, die heute geboren wurden und werden, denn sie sind – HOFFENTLICHPrinzen und Prinzessinnen ihrer glücklichen Eltern und eine erwünschte Bereicherung für Familie, Freundeskreis, Umfeld.

Seien WIR ALLE achtsam und aufmerksam, auf das diesen kleinen Wundern auf allen ihren Wegen Glück und Segen beschert bleibt.