Rosenzeit 2

Sehr verehrte(r) Flores,

ich danke für die überraschende Antwort und trete einen Schritt zurück: hat mich doch neulich – quasi – der Gefühlsüberschwang überrumpelt.
Verzeihen Sie einer Dame mit romantischer Seele ihre Schwärmereien. Gut, dass meine Zeilen sie dennoch erfreut haben, und ihr Tag in meinen Gärten ihnen ein paar besondere Einsichten vermitteln durfte. Ja, im Augenblick ist alles im Aufbruch – es explodiert in Fülle und Pracht. Besitzen sie etwa einen besonderen Draht zum Universum? Gerade schrieben sie noch vom ausbleibenden Regen und der beginnenden Trockenheit, und schon benetzt einsetzender Regen Feld und Flur – ein Durchatmen zieht durch meine Stadt, und die Pflanzen in den himmlischen Gärten richten sich auf. Sicher verstehen sie, wenn ich Ihnen erzähle, wie froh ich über die Tatsache bin, dass meine Rosen gerade erst begonnen haben zu blühen. So konnte der Regen ihnen noch nicht alle ihre Blütenblätter rauben.
Ich würde mich freuen, von Ihnen zu hören. Und wenn Sie wieder einmal Lust haben, einen Garten zu sehen, besuchen Sie mich in meiner Rosenlaube. Ich lade Sie ein zu Tee und Gebäck. Vor Ort können wir dann weiter über diese so einzigartige Rose philosophieren. Wissen Sie – die Eine – die Besondere, die in deren glutroten Blüte ich von den Worten träumen möchte, die hinter dem Steinwall unsere Geschichte – die gerade erst beginnt – auf Purpur schreiben. Der Duft dieser Worte umweht mich bereits wie ein seidener Schal.

Herzlich – Bela von Rosenhaag

Tapetenwechsel

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Sie ist es satt.
Immer die gleichen Gesichter, die selben Sprüche, ein schiefes Lächeln, das Aneinandervorbeisehen. Was will Frau da noch erwarten?
Gewohnheiten haben durchaus ihren Sinn, aber nur solange sie nicht lähmen  und alles zum Erstarren bringen. Dabei verstehe sie ja: ein Kunstwerk, gut beleuchtet im Treppenhaus, sieht man irgendwann nicht mehr. Es entschwindet aus dem Fokus, weil es so vertraut wird, dass man seine Einmaligkeit nicht mehr bemerkt.
Sie braucht Tapetenwechsel, dringend.
Das bisherige Heim ist zu klein, zu abgetragen und verwohnt, bietet keine Überraschung mehr. Immer die gleichen Bahnen, ausgetretene Wege und Pfade. Zuviele Menschen verwischen die eigenen Spuren. Die Kreativität hat kein Gesicht mehr. Sie kann machen was sie will. „Eigentlich“, denkt sie, „ist das ja auch eine Freiheit.“
Aber wenn niemand mehr von ihr Notitz nimmt, was nützt diese Freiheit dann?
Selbst das Umräumen und Möbelrücken hilft nicht mehr. Alle Variationen sind schon ausprobiert.
Sie braucht frische Luft, mehr Platz, neue Anregungen, einen anderen Klangteppich. Stimmen, die sie aus der Routine herauszuholen vermögen. Eine Muse wäre wunderbar, eine die den Zauberstab immer griffbereit hat, um neue Seiten in ihr anzustimmen und zum Klingen zu bringen.