23. Dezember

es grünt
auf dem Wasser
und in den Herzen
(nicht nur zur Weihnachtszeit)

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tief auf dem Grund blühen Gärten
verborgen, wie in der Seele
die heilenden Haine

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Gesäht!

Lieber Sub.Cau.,

So richtig wach geworden bist du noch nicht, aber zweifelsfrei haben meine Zeilen dich erreicht. Sie sind die Saat, die ich versucht habe in dein Herz hinein zu sähen. Du hast doch eins, oder? Ach, was für eine Frage, natürlich hast du eins. Es ist aber gut in  Watte verpackt. Ich muss mir eigentlich keine Sorgen machen, schließlich sprießen Kressesamen auch auf feuchter Watte.
Ob die Saat aufgeht, liegt nicht mehr in meiner Hand, denn ich bin eine, die neben dir ihren Weg geht.
Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, auch Herzensgärten brauchen liebevolle Pflege, Achtsamkeit, Geduld und Ausdauer, damit darin alles so gedeiht, wie du es dir wünscht.
Dürre droht oder auch fiese Stimmen, die besitzergreifend alles überwuchern und die junge Saat ersticken. Also schenk ihr nicht nur Wasser sondern auch Luft zum Atmen. Gib den Keimlingen das Recht  Raum zu greifen.
Bestimmt kennen jeder und jede von uns die unterschiedlichen Orchesterstimmen in eigenen Inneren. Die brauchen einen wohlwollenden Dirigenten, damit Fieslinge keine Chance haben, sich über Gebühr hinaus auszubreiten.
Also, ich habe auch so einen Fiesling, der mir ständig falsche Töne in meine Lieder singt oder, der versucht, meine inneren Gärten zu sabotieren. Aber ich hab ihn im Augen und im Ohr. Wenn ich es nicht alleine schaffe, ihn in seine Schranken zu weisen, dann rufe ich meine kleinen und großen Helferlein herbei – oder ich schreibe ihm einen bitterbösen Drohbrief-. Beides hilft immer, auch wenn es manchmal ganz schön ans Eingemachte geht. Und dann sind da immer präsent die weiße Wölfin an meiner rechten Seite und der Rabe auf meiner linken Schulter. Wir drei sind gegen Vieles richtig gut gewappnet. Ja, ja, du siehst sie nicht, aber dennoch sind sie bei mir.
Horch doch mal in dich hinein Suber.Cau. ! Bestimmt finden sich auch bei dir solche lichten und hilfreichen Gesellen.
Gemeinsam schafft ihr das. Schickt den Fiesling in die Wüste, damit der Abenteurer endlich frei kommt, um seine Abenteuer zu bestehen, wie klein oder groß die auch sein werden.

Bis bald grüßt dich dein findiger Vogel

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Erinnerung an einen Drachen

Etwas veränderte sich in MARIE. Es geschah innen, fand seinen Weg nach außen und blieb den Augen von Claire nicht verborgen. Marie im weißen Hemd auf der sterilen Liege – mit Kabeln am Körper zu den Monitoren an ihrer linken Seite – bewegte sich nicht. Und doch, es war als wehe Wind einen Schauer über ihre Haut. Die Augenlieder flackerten zart wie Libellenflügel.
Claire nahm Maries linke Hand in die ihre und legte schützend die Rechte darüber.
Unter Maries kühler Hand pochte das Blut, und es schien so, als sei da plötzlich mehr Energie, als noch vor wenigen Augenblicken.

Hätte Marie beschreiben können, was in diesem Augenblick geschah, sie hätte erzählt, wie sie den Ausgang der Höhle erreicht und den Drachen, der tief unten wütete, hinter sich gelassen hat. Sie würde erzählen, wie sehr die Sonne ihre Augen geblendet hat, als sie über die Steinmauer klettern wollte, um in die Gärten zu gelangen, ihre Gärten am Meer, die sie so vermisst hatte, und die ihr nun davon erzählten, dass die Rosen immer noch blühen, und dass seit damals nicht wirklich Zeit vergangen ist.
Sie hätte vom Duft der Blumen gesprochen und ein Märchen über die bunten Schmetterlinge und den grünen Leuchtkäfer erzählt. Schließlich hätte sie Claire über die Mauer gezogen, um sich mit ihr unter der alten Kastanie im Moos niederzulassen. Ja, sie hätte sie aufgefordert, mit ihr aus dem Brunnen der Erinnerung zu trinken.

Aber noch konnte Marie nicht sprechen. Der Geist fand nicht den Weg zurück in sein kostbares Gefäß. Allein die Gefühle hinter den Worten, denen in diesem Moment Flügel gewachsen waren, trugen sie dorthin, wo ihre Seele zu Hause war, dorthin wo Heilung wartete: in ihre Gärten am Meer.