Fragment-Ping-Pong

Ich liebe Fragmente, diese kleinen Satzgefüge, die plötzlich aus dem Nichts entstehen und sich aus allem nähren, was Gedanke, Wunsch, Furcht, Abenteuer, Sehnsucht, Traum, Erlebnis so zusammen brauen. Und ich liebe das inspirierende Ping-Pong zwischen Schreibenden. Deshalb suche ich Mitspieler. Mögt ihr?
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SO GEHT DAS:
Ich stelle ein Fragment vor, in dem ich drei Stichworte blau markiere.

  1. Du schreibst ein neues Fragment und benutzt darin  die gekennzeichneten Stichworten (1-3) und verlinkst sie mit meinem Ursprungsfragment.
  2. In deinem Text markierst du wieder drei Stichworte  blau/ kursiv.
  3. Spielerklärung kopieren und einfügen. Fertig zum Publizieren.

Ist doch eigentlich ganz einfach, oder? Noch Fragen?

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FESTGEHALTEN

Die Tür bleibt!
Hinter ihr liegen verlassene Räume – noch hängt ein Hauch von Duft darin. Jemand hat etwas vergessen: ein blauer chinesischer Fächer mit Vögeln und Blüten liegt auf dem unbenutzten Bett- getrocknete Rosen hängen in der Ecke – eingewebt in einen Kokon aus Spinnenfäden. An den Wänden leuchten weiße Quadrate auf vergilbter Tapete – einst hingen dort Bilder. Ich erinnere mich an die bunten Farben. Ich öffne den Schrank – dein Geruch überwältigt mich – hier hängt er noch  in den zurückgelassenen Kleidern. Jemand hat vo kurzem das Fenster geöffnet. Pappelsamen hat der Wind von draußen herein geweht. Die Zeit geht weiter.

Ein Stück deiner Seele schwebt noch im Raum. Ein Lächeln huscht um meine Lippen.

Die Stichworte sind: Tür, Fächer und Farben

 

Erwacht

marie war von etwas erwacht. wo war sie nur? etwas hatte sie gerufen. es dauerte eine weile, bis sie wieder wusste, wo sie war: in der höhle -auf der steinernen bank musste sie eingeschlafen sein – seltsam. ach da waren ja auch die lebendig tanzenden Pferde an der Höhlenwand. Wie lange sie wohl geschlafen hatte?
augenblicklich dachte sie an IHN, den sie suchte, und die sehnsucht wuchs vom bauchraum in den ganzen körper hinein – eine mischung aus freude, sehnen und schmerz. das herz klopfte ihr in den ohren und ein schluchzer entströmte ihrer kehle. diese verbundenheit – er hatte im traum zu ihr gesprochen. sie konnte sich an jedes wort erinnern und an seine stimme. wo war er nur. jenseits der zeit an einem fremden ort?

wie sollte sie ihn finden. erst einmal musste sie durch diese höhle. die feuergnome trommelten.

ein gedanke kamm ihr in den sinn:

„menschen hinterlassen spuren – lesbar für jene, die sie finden wollen und verstehen. schon oft folgte ich einer blassen spur in worten, zeilen, gedichten, im miteinander. je intensiver ich folgte, umso klare wurden die zeichen – puzzleteile, auf dem weg zum du. ich wurde zum spurensucher und hinterließ selbst spuren auf meinem weg, die fand, wer mich versteht. ein geheimer code, nur zu entschlüsseln von menschen, die ähnlich ticken. immer hinterlasse ich etwas, ohne, dass ich es absichtlich plane, und du tust es genauso. wie hätte ich dich sonst finden können?“

wer hatte ihn nur gedacht? stand er in einem buch oder sprach ihn jemand zu ihr? plötzlich hörte sie ein geräusch! (Ausschnitt)
Marie, eine von mir erschaffene Figur hat mich durch schwierige und beglückende Zeiten begleitet. Alles begann mit dem Logbuch, dass ich 2005 begann. Über die Jahre und mit großen Unterbrechungen, sammelte sich allerhand Schreibstoff zusammen. Es gibt Textfäden, die noch nicht zuende gedacht und geschrieben sind und Geschichten, die ihr Geheimnis noch nicht veraten haben.
In den letzten Jahren war MARIE für mich  nicht mehr so präsent. Nun drängt sie sich wieder in meine Gedanken. Da ist noch etwas, was zu tun bleibt.
Immerhin der Titel über all diesen Fragmenten, Erzählfetzen, Gedanken und Geschichten bekommt jetzt einen Namen: „Der Weg ist das Ziel“.
Wenn ihr von MARIE mehr  lesen möchtet, lasse ich sie hier noch einmal aufleben und ihren Weg weiter gehen.

 

von Ana, Fragment 1

Ana steht vor der verschlossenen Tür. Sie hat sie selbst zugeschlagen, fassungslos vor dem, was sie gesehen und gehört hatte. Schon lange war sie nicht mehr klein, hatte viele Namen ausprobiert und sich nun einen zugelegt, mit dem sie sich wohlfühlte.
Wenn nur jemand sie beim Namen gerufen hätte, damals, sie wäre schneller ans Ziel gekommen.
Mühsam hatte sie den Abgrund zwischen SEIN und SCHEIN irgendwie überbrückt. Die Brücke, schon mehrmals eingestürzt, wieder geflickt und aufgebaut, war inzwischen aus massiven Steinen errichtet, die standfest blieben, auch wenn zwischen ihnen Löcher blinzelten und nicht alle Steine gerade standen.
Eigentlich hätte sie zufrieden sein können. Doch es nagte noch immer, und fraß sich zeitweise durch ihre Haut nach außen. Da waren immer noch Reste. Fragen über Fragen, die nach Antworten verlangten.
Was sie an diesem Morgen in den Abgrund schauen ließ, war die Einsicht, wie einfach es war, Geschichten aus der Erinnerung zu verfälschen. Sie war doch auch dabei gewesen. Ihre subjektive Sicht auf die Geschehnisse war eine andere. Es war ihr bewusst, dass Menschen Erinnerungen beschönigen und verändern, um sich selbst gerade zu rücken oder um vor sich selbst bestehen zu können. Verdrängungsmechanismen funktionierten perfekt. Nur jetzt, war sie zutiefst selbst betroffen. Es ging nicht darum, Recht zu haben, eher darum mit der eigenen subjektiven Empfindung gehört und akzeptiert zu werden. So weit, wie in diesem Fall an einem besonderen Morgen von jemand anderem erzählt, hatte sich eine Geschichte noch nie von ihr selbst entfernt. Das nahm ihr die Fassung.