Selbstbildnis 15

Mit Bildern kann ich nicht dienen, so reihe ich Wort an Wort und übe mich darin, ein Bild zu schreiben, ihm Farbe zu geben von der Welt, wie ich sie sehe. Auch, um wie ein Foto den Augenblick festzuhalten, diesen einen in seiner alltäglichen Besonderheit.
Was mich reizt, im Alltag die kleinen Wunder zu finden, jeden Tag neu. So wie jetzt gerade, ich schaue hinaus, sehe die kleine Kohlmeise kopfunter in den Zweigen zwischen den letzten gelben Blättern des Apfelbaumes hangeln und nach Leckerbissen picken. Wie flink sie ist. Flugs, schon ist sie wieder weg.

und da war noch etwas:

diese kleine weiße Wolke
die es so eilig hatte
und alle anderen flink überholte
und die dann am am Kirchturm hängen blieb.
Das sah ein Winzling neben mir
er lachte, zeigte mit dem Finger auf die Wolke
und fragte die Frau, die ihn an der Hand hielt:
„Platzt die Wolke jetzt?“
Ich lächelte zum drittenmal in kurzer Zeit
– in welcher Zeit eigentlich –
wo die Uhren doch stehen geblieben waren
und dachte
dass die Eiligen selten schneller sind als ich.