Meine Hauptfiguren und ich (1)

Seit Tagen möchte ich etwas über meine Beziehung zu den von mir erfundenen Hauptpersonen erzählen, und immer kommt mir was dazwischen, z.B. das wundervolle Wetter, ein Brot, das noch gebacken werden möchte, ein Telefonat, die nun fertige Blütentasche, der Haushalt und meine berufliche Arbeit natürlich.
Ich schreibe seit 2003. Zunächst schrieb ich wie besessen Gedichte, dann bekam ich plötzlich Spaß am Erzählen und Fabulieren. 2005 erhielt ich die Diagnose BRUSTKREBS. und von jetzt auf gleich war nichts mehr wie vorher. Wie umgehen mit dieser Krankheit? Wie sich selbst helfen, wenn die Chemo so wirkt, als sei gleich alles zuende? Wie umgehen mit der ganzen Zeit, die ich plötzlich hatte?  Körperlich schwanden nicht nur meine Haare sondern auch meine Kräfte. So schrieb ich um mein Leben. Zunächst entstand eine Art Briefroman- Die Hauptfiguren Jule van Maaren aus Wien und Konrad Blauregen aus Berlin. Ich fand es sehr spannend, beim Schreiben zu erleben, wie erdachte Personen plötzlich Konturen, Persönlichkeit und Ausstrahlung erhalten und zu leben beginnen. Etwas später, in der schwierigsten Phase meiner Erkrankung, fand mich MARIE. Damals vermisste ich festen Boden unter den Füßen. Alles war ungewiss und schwankte. Ich fühlte mich, wie jemand, der eine einsame Reise über den großen Ozean antritt. Natürlich, da waren meine Familie, liebe Freunde und Bekannte, die mich emotional und mental  unterstützten, aber letztlich, durch eine solche  Krankheit geht jeder auch ein Stück weit ganz allein.
Auch MARIE ist nicht wirklich allein, als sie beschließt, in ein Boot zu steigen, sich auf den Ozean zu trauen, ihrem Gefühl zu folgen und der Stimme der Vernunft den Mund verbietet. Wie ich ist sie auf einer Reise ins Ungewisse. Der Ausgang ist zu diesem Zeitpunkt offen. MARIE hat nur ihre Sinne, die Intuition und ihre innere Stimme(n) dabei und ein paar Gegenstände, die sich im Verlauf der Reise als äußerst wertvoll entpuppen werden. Es gibt keine Verkehrsschilder, keine Wegweiser und nichts Offensichtliches, an dem man sich festhalten kann.
Es entsteht das Logbuch. Jeden Tag wird darin vermerkt, was gerade passiert oder auch nicht, wie die Stimmung ist, was das Wetter sagt, ein grüner Delphin taucht auf.
Mit MARIE fand ich während dieser Zeit eine Menge hilfreiche Schätze in meinem Inneren, die für die Bewältigung meiner Erkrankung  äußerst wertvoll waren.
Teilweise schrieb ich wie im Rausch. Gerade wenn körperlich gar nichts mehr ging, beamte ich mich mit dem Schreiben einfach aus meinem Körper weg. Die Geschichte entwickelte sich ganz ohne  vorgefertigten Plan während des Schreibens – rein intuitiv.  Mit MARIE´S Logbuch schrieb ich mir selbst eine heilsame Geschichte.
I

Auf der Suche nach BUNT

Ich sehne mich heute so nach etwas BUNT und da fällt mir dieser Text ins Auge. Eigentlich wollte ich ja nur mal wieder nachschauen, was ich im Erzählcafe (Facebook) vor langer Zeit so hinterlassen habe.
Eun wenig traurig bin ich geworden, weil im Erzählcafe derzeit nur das „Nichts“ den Ton angibt. Andererseits, nur wo nichts ist, kann etwas werden und entstehen.
Ich bin ja selbst Schuld, bin ganz woanders spazieren gegangen und habe versucht, mich ganz leer zu bekommen, damit ich nicht unter dem Vollsein verschwinde.
Wie ich es vermisst habe, das FABULIEREN und ins BLAUE schreiben, obwohl das ja nur so aussieht, denn rein das Blaue gibt es ja gar nicht, oder doch? Doch, aber es ist das Blau, dass tief in uns drinnen lebt, und aus dem man unendlich schöpfen kann.
Also um es kurz zu machen: WER HAT LUST MIT MIR ZU FABULIEREN. Ich weiß schon gar nicht mehr, ob ich das noch kann. Ob man das  verlernen kann?

Und, lieber DINGEFINDER, darf ich diese bunte Text- Runde aus dem Erzählcafe  mit in mein kunterbuntes Bloghaus nehmen? Ich würde mich sehr freuen und es in Ehren halten.
Das fragt dich Angie Findevogel