Sprachteppiche

Dies schrieb ich für A. es könnte aber auch an Gertrud Trenkelbach geschrieben sein.

Geschichten, Schwester, wir sind Geschichtenerzählerinnen. Unser Thron ist ein Schaukelstuhl vor dem Kamin, manchmal auch der Poller am Kai oder die grüne Tonne vor dem Haus.
Märchen erzählen wir nicht, nur manchmal, wenn es Nacht wird und draußen um das Haus herum die Winde schleichen.
Das Leben hat Sprachteppiche in uns gewebt. Der Faden mal fein, mal grob gesponnen, weich  aufgebauscht, fest verzwirnt oder genoppt – Sackleinen, Kartoffelsäcke, Samt und Seide oder roter Tüll – wir sehen die Muster, erkennen Zusammenhänge, entschlüsseln, finden in uns selbst ein zuhause.
Die Teppiche sind noch nicht fertig gewebt. Ob die Muster sich noch ändern werden?

In einem großen, leeren Raum mit weißen Wänden hängen wir die Sprachteppiche nebeneinander:
Kontraste, Ergänzung, Dialog!
Ein Lied entsteht und füllt mit seinem Klang den Raum, der zum Leben erwacht und Geschichten preis gibt, die sich einweben in andere Teppiche.