26.10.20

Was mich berührt

1.
Der Ahorn hochlodernd
eine gelbe Flamme im Licht
der wilde Wein ein roter Zauber
im Hintergrund
2.
Das kleine Blatt auf der Mauer
zart und fein gefiedert
nur noch die Rippen haben Bestand
und ein Rest vom Gelb dazwischen
3.
Die Mauer mit dem verblassten Anstrich
der abblättert und Hintergrund ist
für Efeu und das Rot des wilden Weines

Hochauflodern möchte ich im Sonnenlicht, für etwas brennen auf meine alten Tage.
Und wenn meine Struktur sich unverschleiert nach außen zeigt, weil mein Fleisch sich verflüchtigt, dann soll sie filigran sein und dennoch stark. Wo Narben und Falten mich zeichnen, soll mein Licht bleiben und wie das Leuchten vom wilden Wein sein im Herbst.   Wenn ich dann irgendwann loslassen muss oder darf, möchte ich zur Erde schweben wie ein Blatt im Wind und wieder zu Erde werden.

Gestern, bei einem Streifzug durch den Frühling

Ich sah, dass die Bäume in den Startlöchern stecken. Sie warten nur darauf, den letzten Sonnenkick zu erhalten.  Ich spüre die Aufregung, die darauf ausgerichtet ist, nur ja nicht den richtigen Zeitpunkt zu verpassen. Alles wirkt belebter. Die Vögel sind unentwegt tschilpend und zwitschernd unterwegs und auf den Dächern treffen sich Rabenkrähen, Amseln und Tauben. Sie halten Ausschau, könnte  Frau denken.
Da war auch ein efeuumrankter kahler Baum. In dem sah ich tatsächlich einen wilden Kerl hocken, der gleich lossprinten wird.
Was ich daraus folgerte? Dass ich wieder mehr zu den Bäumen muss, um diese ulkigen Blickwinkel zu fotografieren und natürlich auch, um dieses kichernde und quirlige Steigen der Säfte in ihnen zu spüren, dass eine so anregende Wirkung auf mich hat wie starker, schwarzer Kaffee.