selbstbildnis 4

wo die vergangenheit geblieben ist… versteckt, vergraben, begraben
das kind im dorf auf dem hof erinnert: die pickenden hühner, der hofhund, die großmutter erbsen puhlend oder kartoffelschälend, fetzen, roter bohnerwachs zu mit atta geschrubbtem holz, der duft von wicken im sommer, wenn die kirschen reif sind, gemähtes gras,
dann lange nichts, filmriss…nur manchmal…schält sich aus dem kaffeesatz der zeit etwas nach oben, nimmt fahrt auf, wird überdeutlich.
das vergilben hat nicht stattgefunden…alles wie frisch gewaschen und vom wind getrocknet…perlen auf einer kette, die das gelebte leben zusammen halten und mit dem jetzt verbinden.

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Zuhause

Mein allererstes Zuhause gibt es nicht mehr. Gemeinsam mit Eltern und Geschwistern verließ ich das Elternhaus meiner Mutter mit sieben, um fortan am Rande der Großstadt zu leben. Dort gab es neue Häuser und Arbeitsplätze. Viele Sommer bin ich in das Dorf meiner Kindheit  zurück gekehrt, um mich am Vertrauten zu erfreuen und letztendlich am alltäglichen Einerlei zu reiben. Mit siebzehn war auch das vorbei. Ich wollte nicht mehr und verbrachte die Sommerferien fortan fern der Familie. Ab und zu besuchte ich mein Heimatdorf, aber immer seltener und wenn ich da war, gehörte ich nicht mehr dazu. Ich hatte mich entfremdet. Oder hatte man mich entfremdet? Ich wurde nicht mehr in die Pflicht genommen, die Fremdengäste zu bedienen oder den Abwasch von fünfzig Mittagessen zu beseitigen.
Meine Tanten, die dort lebten und arbeiteten wurden alt. Ein Abgrund lag zwischen mir und ihnen, der nicht mehr mit Worten oder Gesten zu überbrücken war, aber wir taten so, als würden wir uns lieben, als seien familiäre Bande ewig unantastbar.
Eigentlich aber liebte ich das Haus mit seinem Garten, dem Kellergewölbe, dem Dachboden, den ich nicht betreten durfte. Vor allem aber liebte ich die Erinnerung an meine Kindheit an diesem Ort, die mir wie ein Märchen erschienen. Die Mitbewohner kamen darin nur am Rande vor. Es waren die kindlichen Träume, der Wechsel der Jahreszeiten mit seinen spezifischen Gerüchen, Ritualen, Tätigkeiten und Abläufen. Noch heute erinnere ich mich an den Geruch nach roten Bohnerwachs, mit dem die Holzdielen gepflegt wurden. Auch der Duft nach Heu auf dem Boden oder die tierischen Ausdünstungen aus den Ställen sind mir nicht entfallen.
Bis heute frage ich mich, warum die Menschen in diesem Haus für mich Vorrübergehende waren, an die ich mich zwar erinnere, die ich aber nicht vermisse.
Irgendwann starb auch die letzte Schwester. Zunächst wurde das Haus vermietet und vor zwei Jahren riss man es ab. Was mir geblieben ist, die Sehnsucht nach dem Ländlichen, das Leben mit den Jahreszeiten, die Verbundenheit mit der Natur und allem, was wachsen will und darf.
Mein zweites Zuhause gibt es noch, aber den Ort, an dem es steht, verachte ich. Ich muss mich immer wieder überwinden, dorthin zurück zu kehren, um mich um meine alte Mutter zu kümmern.
Der Ort an dem ich jetzt seit dreiundzwanzig Jahren lebe, ist nun mein wirkliches Zuhause. Wie wichtig es mir ist, spürte ich im letztem Jahr, als ich es beinahe verlor. Zum Glück ist es geblieben, und deshalb schaffe ich mir nun hier eine kleine ländliche Oase in meinem wilden Garten. Das tut mir gut und schafft Verbindung zu meiner Kindheit.
Ach, ich habe ja noch eine Art Zuhause gefunden. Ein kleines Dorf in der Vulkaneifel, in dem eine Freundin überwiegend lebt. Dort fahre ich so oft ich kann hin.
So habe ich mir das Dörfliche über die Jahre in mein städtisches Leben hinein geholt und die Landschaften meiner inneren „Heimat“ versöhnt.

Felicitas Sturm

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Zuhause ist doch eigentlich nur der Ort, vor dem man als erstes davonlaufen wollte.
Dann ist man endlich alt genug. Und flieht. Weit weg. Um endlich das Gefieder schütteln und die Flügel weit ausbreiten zu können.
Um endlich fliegen zu können.
Und wie man fliegt!
Ordentlich auf die Fresse.

Freiheit ist so schön.
Heimtückisch. Gefährlich. Anstrengend.
Und schön.

Die Sicht auf die Dinge ändert sich, von außen betrachtet.
Und dann kommt der Moment, in dem man wieder zurückkommt.
Nach Hause.
Das erste Zuhause.

Läuft an Blumentöpfen mit Paprikapflanzen vorbei, die doch schon immer dort gestanden hatten, aber selten interessant gewesen waren. Die Katze zuckt zur Begrüßung mit den Ohren, als wäre man nie fort gewesen. Der Kuchen wartet noch an derselben Stelle darauf, gegessen zu werden.

Noch immer sitzen die alten Vorwürfe, gemeinsam mit den verletzten Gefühlen, gemeinsam mit der Wut und der Enttäuschung, am Tisch.
Doch irgendwie werden sie…

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Burg Reifferscheid

Eigentlich hatten wir gar nicht vor, eine Burg zu besuchen, aber wie uns wieder einmal sehr deutlich wurde, ist der Weg das Ziel und bekanntlichen führen Umwege nicht selten zu ganz besonderen Orten und Menschen, wie an diesem Tag. Es sollte nach Monschau gehen, aber das Navi schickte uns in die Irre und wir landeten auf der Burg Reiffenscheid und ins hübsche Burgcafe „Till Eulenspiegel“ Eine, wenn ich mir das so richtig überlege, herrliche Narretei.
Was wir fanden, war ein kleines verwunschenes von Mauern umrundetes Burgdorf mit einem gut erhaltenen Burgturm. Viele Mauern, Nischen, tolle Perspektiven und Ausblicke.

Burg Reifferscheid

Schönheit