APFELBAUMLIEBE

Äpfel am Baum, wie warmes Brot aus dem Ofen
und frische Milch mit Haut auf dem Fensterbrett.
Kindheit duftet zwischen den Zweigen.
Grashalme kitzeln.
Wind streichelt die Haut.
Groß legt der späte Sommer sich in eine Hängematte.

Ich will den Apfel pflücken, an ihm schnuppern, hinein beißen.
Bis der Saft am Kinn hinunter rinnt.
Hurtig die Zunge.
Wenn alle Fülle zur Reife kommt,
legt sanft und sicher die Liebe sich in dein Gemüt.
Zeit zu bleiben, eine zeitlose Weile.
Spät erst siehst du, wie das Laub
sich messingfarben dem Winter entgegen färbt.

Brot

Brot gegessen, aus vollem Korn
gestern frisch gebacken
mit dem Duft  in der Nase
jeden einzelnen Krümel geschmeckt
satt geworden
satt…
genährt
ruhig der innere Raum
still das ruhelose Tier
kein Knurren mehr
kein Wollen
einfach genug
das Sattsein genießen
und DANKE sagen
von ganzen Herzen
aus tiefster Seele

nicht jeder ist satt
und wenn dann
das Tier kommt
und immer größer wird
wenn es sich in die Eingeweide krallt
und an ihnen zerrt
wenn es zornig werden lässt
oder gebeugt und müde
wohin gehen mit den leeren Händen?
das Tier  lässt nicht
gibt keine Ruhe
es frisst dich auf
langsam übernimmt es die Macht
wird Herr  über dich
bis nichts mehr von dir übrig ist

Wohnküche

Heute habe ich die Wohnküche geschrubbt. Zum Glück brauche ich sie nicht zu renovieren. Sie ist schön mit den blau-weißen Fliesen an der Küchenzeilenwand. Die restlichen Wände sind vom Vormieter erst vor kurzem gekalkt worden. Ich habe Brot gebacken,  und das ganze Haus riecht nach frischem Brot. Ich knabberte schon an der Kruste, wie ich es als Kind tat, wenn ich morgnes zum Bäcker geschickt wurde, um das Brot zu holen.
Die Küche hat eine Tür zur Terasse. Die habe ich gerade geöffnet. Ein frischer Wind weht herein und sagt . „Guten Tag!“ Er ist neckisch drauf und bläst mir eine Gänsehaut auf die Arme. Ist halt frisch am Abend. Er hat mir aber noch etwas anderes erzählt, nämlich, dass in diesem Haus vor Urzeiten eine Märchenerzählerin gewohnt hat und dass irgendwo im Haus von ihr noch Notizen sein müssen. Na, da werde ich mich bald mal auf die Suche machen. Im Haus einer Märchenerzählerin bin ich goldrichtig, und damit ihr das auch glaubt, kommt jetzt gleich noch was, muss mal gerade suchen. Tschüss, bis später!