September, bitter-süß

Nächte nagen die Tage an
legen einen  Marienmantel über den Abend
Hier und da ein erstes rotes Blatt
am wilden Wein im Heckengebüsch
süße Essenz fruchtiger Reife
der Becher bis zur Neige ausgetrunken
Es bleiben deine Worte
gestapelt und versteckt in allen Ecken
wollen von mir gefunden werden
um das Blut aufzuwirbeln
 und Funken durch die Gedanken zu blitzen
So bleibst du gegenwärtig
während deine Stimme langsam verblasst

und meine wieder Worte findet

 

Bitter-Süß

Einst liebte ich den Mann
der wie ein ferner Gott mit Worten webte
feinst Gespinste
die in mein Herz süß-bittere Sehnsucht säten
mit Sätzen eingesponnen, seidenzart
ward ich geborgen in mir selbst und gut beschützt

Den Rosen nah, war doch sein Herz voll spitzer Dornen
mit meinen Worten, die als Echo ihn umwehten
zog ich sie sanft, doch Wunden blieben
die schmerzten und zu Narben wurden
die ich noch immer spüre
bei jeder Silbe, und in allen seinen Sätzen

Das Glas zur Neige ausgetrunken
schmeckt letzter Rest Essenz
bitter-süß in seiner reifen Fülle