Aurora, die auf dem Seil tanzt 5

7.2.

Guten Morgen Traumtänzer,

Hast du gut geschlafen? Ich sehe dich beim Frühstück: vor dir steht ein Pott Kaffee – er dampft noch. Du siehst müde und ein bisschen verknittert aus, und die Haare stehen in alle Richtungen ab, als seien sie es leid, ewig an deinem Kopf zu kleben und hätten sich entschieden, heute auszuwandern. So ähnlich sah ich heute Morgen auch aus. Der Wecker rüttelte mich unsanft aus meinem Traum. Eine Weile blieb ich noch liegen, dann trat ich ans Fenster und schaute in die Dunkelheit. Dabei sah ich mein Spiegelbild im Fensterglas. Es war noch dunkel.
Inzwischen habe ich schon einiges erledigt, meine erste Tasse Kaffee getrunken und mich an den Schreibtisch zurück gezogen.
Mein Fuß braucht noch etwas Schonung, schließlich will ich nicht gleich wieder vom Seil fallen. Welches Netz würde mich auffangen? Ach ja die Netze, auch so ein Wort, das mir immer wieder begegnet. Dabei denke ich nicht nur an die kleinen Fische, die beim Fischfang wieder über Bord geworfen werden, weil sie zu klein sind und nicht mal Fischsuppe aus ihnen gekocht werden kann, sondern eher an die eingefangenen Kostbarkeiten zwischen ganz ordinären Heringen.
Heute hat sich ein Seepferdchen im Traumnetz verfangen. Neulich war es ein blauer Fisch. Er tat mir leid und deshalb schickte ich ihn wieder ins Wasser. Was ich dann sah, wollte ich nicht glauben: er schwang sich in die Luft, verwandelte sich in einen Vogel, blaugefiedert – und flog nach Westen – in entgegengesetzte Richtung. Ab und zu, du wirst es nicht glauben, besucht er mich.

Und dann sind da noch die Menschenfängernetze, aber darüber schreibe ich ein anderes Mal. Jetzt nimmt der Alltag mich in die Pflicht. Gibt es Ziegen und Schafe auf deiner Insel?

Aurora, heute im Purpurkleid