Heiligabend

In der Frühe, lange bevor das Morgenrot über die Dächer der Gartenstadt geklettert war, löste sich etwas aus dem Traum heraus. Fast so, als sei der Traum ein Kokon und nun viel zu klein geworden, um das wachsende Etwas noch halten zu können . Der Traum war geplatzt, wie eine reife Schote und hatte ein Wesen in den neuen Tag geschickt.
Es dauerte eine Weile, bis sich die Augen an die vollkommene Dunkelheit der Nochnacht gewöhnt hatten, und ich begannin diesem einen zeitlosen Augenblick, eine zarte Form zu erahnen und seine besondere Energie zu spüren.
Ob es aber ein Engel oder ein Vogel war, den der Traum in die Wirklichkeit entlassen hatte, konnte ich nicht erkennen. Das Wesen, so wusste ich aber, war nicht zu mir unterwegs, nur mein Gehirn hatte es traumverloren entstehen lassen, um Bote zu sein und etwas über die Hecke hinaus in die Welt zu tragen.
So losgelöst aus meinem nächtlichen Leben, verlor ich das Wesen aus den Augen, bevor ich die Botschaft entschlüsseln konnte.
Vielleicht aber, so dachte ich, ist das auch gar nicht schlimm. Muss ich denn immer wissen, was meine inneren Gestalten so treiben? Vielleicht liegt mein Anteil nur darin, sie zu gebären.
Und etwas später, als das Morgenrot über die Dächer geklettert war, verstand ich schon etwas mehr über mich, denBoten und die Botschaft.
Eine gewisse Hilflosigkeit gemischt mit einem Hauch Furcht, wandelte sich in das beglückende Gefühl, nicht für alles verantwortlich zu sein.

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Nicht die Hecke…

In den Verästelungen der verholzten Zweige finde ich mich wieder, eingesponnen in einem Netz aus Altweiberfäden über dem Wasser. Graue Fusel weht der Wind über die Wiese, silbern reflektierend im Schein der schrägfallenden Sonne. Da lacht ein roter Apfel im Gras. Im Blätterwald säuselt der Wind, eine Holzbrücke knarrt, Wasser rauscht. Spätsommerliches Hängemattenfeeling, traumschwer von beerensüßer Essenz. Ein Schnappschuss Augenblick, dem ein Hauch von Vergänglichkeit anhaftet. Gehalten im Kokon zwischen den Zweigen ist der Alltag fern… und die Zeit hat Zeit.

Traum und Wirklichkeit

Nichts ist so, wie sie es sich einst erträumt, und doch ist es mehr, als sie erwartet hatte.
Sie kennt den Unterschied zwischen Traum und Wirklichkeit.
„Weißt du“ , sagt sie zu Milkyway, dem grauen Tigerkater,
„dazwischen ist mehr als viel – alles!“ und sie lächelt und strahlt.

Sie streichelt die Katze und sät ein Samenkorn in den roten Blumentopf.
Während sie aus dem Fenster schaut, schwebt ein gelbes Blatt vom Apfelbaum.
„Dazwischen ist alles – die Fülle.
Traum und Wirklichkeit“ , das weiß sie schon lange,“
gehören zusammen, wie Tag und Nacht.“
Die Katze schnurrt laut und streicht um ihre Beine. Ihr wird warm ums Herz. Sie freut sich über diesen kostbaren Augenblick der stillenden Fülle.

Aurora, die auf dem Seil tanzt 10

2.3.

Mein liebster Traumtänzer,

kannst du mir mal sagen, warum Aurora immer wieder in die gleichen Fallen stolpert ? Jetzt bin ich es, die sich im Schneckenhaus versteckt und traurig darauf wartet, dass jemand sie vermisst, nach ihr fragt und sie sucht.

Natürlich habe ich niemanden gesagt, wo ich hingehe. Im Hausflur begegnete mir die Nachbarin. Obwohl mir nicht danach war, grüßte ich herzlich und lächelte sie aufmunternd an, sprach ein paar Worte mit ihr. Ich bin perfekt darin, meinen Schmerz und meine Traurigkeit hinter glatter Mine zu verbergen. Sie hat es nicht leicht. Ihr Mann ist ein widerlicher Tyrann, der um sich schlägt, wenn er einen über den Durst getrunken hat. Wenn es arg ist bei ihnen, schickt sie mir den Kleinen. Er ist gerne bei mir und fühlt sich hier wohl. Gestern habe ich begonnen, ihm das Jonglieren bei zu bringen. Das lenkt ab.
Wenn die Bälle im Bogen fliegen und die ganze Konzentration im perfekten Rhythmus des Auf und Ab ruht, ist keine Zeit für Traurigkeit und Wehmut. Es lebt sich leicht, und das Blut fließt ohne Hindernisse durch den ganzen Körper. Es gibt kein „Eben“ und kein „Gleich“, nur ein „Jetzt“ und das Lächeln des Augenblicks.

Ich gehe jetzt schlafen. Hoffentlich träume ich wieder von dir.

Seiltanzend – im Nachthemd – grüßt dich Deine Aurora

Sorry!

Die Fortsetzung von Frizzi kommt noch!

Aber auch etwas über mein Zwiegespräch mit den Worten, über das Thema “ Beschützen“und „Beschützt werden“ und meine Vorliebe für den Altweibersommer.

Aber

es ist so herrlich im Augenblick, das Wetter so schön, die Abende lau und:

Trichter winden sich himmelan
blau, bleu, rosa, pink
und Wicken, die duften
morgens, schon früh
und die sonne steht schräg
vergoldet alles
und mein Herz, übermütig
will das alles mit Haut und Haaren
jetzt, für diesen Augenblick

und ich kann mich nicht teilen!
Und da ist Musik, die hat auf mich gewartet, eine echte Herausforderung.
Wenn ich sie angenommen habe, werde ich erzählen.

Die kühleren, grauen Tage kommen noch früh genug!