Damals, als ich es zum ersten Mal sah…

 

Ich, Marie, erinnere mich. Genau auf diesen Polstern hier im roten Salon saß ich vor langer Zeit mit dir. Es war im Herbst. Auf dem niedrigen Tisch zu meinen Füßen stand eine Schale mit duftenden Äpfel, und am Fenster brannte ein siebenarmiger Leuchter mit haselbraunen Kerzen. Es duftete nach Bienenwachs und Orangenschale. Ich hauchte einen Sonnenkuss in dein ergrautes Haar. Zeiten kommen, Zeiten gehen! Ich bin nicht mehr die, an die du damals dein Herz verloren hast. Einst, mein Liebster, war in deinen Augen das lichte Meer. Ich fiel hinein und vergaß die Zeit in dieser graugrünen Unendlichkeit. Dort lag ich auf dem Rücken und ließ mich tragen. Kein Schrecken, weder Angst noch Sorgen, kein Schmerz warteten am Horizont. An jenem Tag, als ich einen Sonnenkuss in dein Haar hauchte, waren deine Augen ein stürmisches Meer. Bedrohliche Schatten wuchsen am Horizont und die Wellen peitschten hoch.
Pass auf, dass du nicht zerschellst mit deinem Boot im Lebensmeer, flüsterte ich gleich einem zärtlichen Wind.
Du bist gegangen ohne ein Wort, und ich lief in den Garten und vertraute Frau Hulda, dem Holunderbusch, meine Tränen an. Es ist lange her. Wo steh ich jetzt?

gegen den puls der zeit innehalten…

kornblumenblau, mohnrot am rande von feldern mit wiegenden ähren wolken, die über eine kuppe in den bilderbuchhimmel klettern und schweigend weiter ziehen, während lerchen singen, spatzen schilpen der wind in den bäumen säuselt, während schwalben fallen und steigen
was mich berührt ist der weg eine furche, durch die ich schreite die mich leitet zu unbekannten zielen, ein zeitfenster, in dem ich sein kann , ohne angst den boden unter den füßen zu verlieren

Verwurzelt fliegen

v

angst orten – den schmerz aushalten
trauer zulassen
und abschied nehmen
etwas sterben sehen
sich leer weinen

spüren
die füße ankern im boden
verwurzelt finden sie quellen
dort – wo die erde schläft
und pulsierend leben schenkt
mit dem trommelschlag der zeit
schwingst du im gleichklang

fühlen
der geist erdet im universum
gehalten – geführt
dort – wo der himmel sich wölbt – wirkt
deine gedanken und träume beschützt
und dir nischen gewährt
im grenzenlosen raum

atme sie ein – diese kraft – tief
dann lass los
die trauer, den schmerz und die angst
und lehr dein herz fliegen

(2005)

Der Nacht geschenkt 4

Zurück zur Mutter
wieder klein werden, todkrank
in ihren Arm gesunden
wieder wachsen
und gehen, weg gehen, verlassen

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Ein Wanderer sein – das Sternenzelt über dem Kopf
durch jedem Schritt den Rhythmus der Erde mit gestalten
nicht bleiben und zuhause sein bei sich selbst
loslassen, nicht hängen bleiben
an der Angst vor dem Neuen
und sicher wissen
ich bin da, ich lebe
und finde was ich brauche

Foto: Blick in ein Schaufenster (Aachen)

Geschützt!

Was auch immer es war, es hatte sie berührt.
Im Nachhinein kann MARIE nicht mehr sagen ob sich das was sie erlebt hatte, von irgendwoher  zwischen die Gedanken, unter die Träume gemischt oder als ein Bild unter vielen zu ihr gesprochen hatte. Ein Klang, Musik, ein Geruch, sie wusste es einfach nicht
Das Wesentliche an der Erinnerung war der Schutz, unter dem sie dabei gestanden hatte,  ein überwältigendes Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit, die Zuversicht, dass etwas in jeder Situation  die Hand über sie hält und halten würde.
Intensiv war das Gefühl, in das sie sich ohne Angst  hineinfallen lassen konnte. Dieses Schutzgefühl  war so präsent, dass sie sich in jeder Sekunde zurück erinnern konnte, um es zu spüren.