Zurück zu den Wurzeln

In den alten Keller mit hohem Gewölbe hinab steigen
zwischen Kartoffeln und Äpfeln ein Bett finden
den erdigen Geruch einsaugen und in Winterschlaf fallen
Fallen in einen tiefen Brunnen,
wie es ihn nur noch in Märchen gibt

Auf einer grünen Wiese im weichen Moos landen
Alles ist grün, jung und frisch
Zu den Wurzeln zurück gekehrt
Antworten finden im Dachgeschoss von Frau Holle
wo es aus Betten schneit
Ob Gold-oder Pechmarie, das wird sich dort zeigen

Damals, als ich es zum ersten Mal sah…

 

Ich, Marie, erinnere mich. Genau auf diesen Polstern hier im roten Salon saß ich vor langer Zeit mit dir. Es war im Herbst. Auf dem niedrigen Tisch zu meinen Füßen stand eine Schale mit duftenden Äpfel, und am Fenster brannte ein siebenarmiger Leuchter mit haselbraunen Kerzen. Es duftete nach Bienenwachs und Orangenschale. Ich hauchte einen Sonnenkuss in dein ergrautes Haar. Zeiten kommen, Zeiten gehen! Ich bin nicht mehr die, an die du damals dein Herz verloren hast. Einst, mein Liebster, war in deinen Augen das lichte Meer. Ich fiel hinein und vergaß die Zeit in dieser graugrünen Unendlichkeit. Dort lag ich auf dem Rücken und ließ mich tragen. Kein Schrecken, weder Angst noch Sorgen, kein Schmerz warteten am Horizont. An jenem Tag, als ich einen Sonnenkuss in dein Haar hauchte, waren deine Augen ein stürmisches Meer. Bedrohliche Schatten wuchsen am Horizont und die Wellen peitschten hoch.
Pass auf, dass du nicht zerschellst mit deinem Boot im Lebensmeer, flüsterte ich gleich einem zärtlichen Wind.
Du bist gegangen ohne ein Wort, und ich lief in den Garten und vertraute Frau Hulda, dem Holunderbusch, meine Tränen an. Es ist lange her. Wo steh ich jetzt?

Vom Leisen

Das Leise hatte sich in den Wald unter die Bäume zurück gezogen.Es war geflüchtet vor allem Lauten, dass seine schrillen  Gedanken über den Laufsteg des Lebens führte. Einstweilen war es besser so. Was sollte es tun?
Abwarten!
Es wusste schon, dass die Zeit kommen würde, in der es seinen Platz auf dem Laufsteg des Lebens wieder einnehmen würde.
Der Sommer verabschiedete sich mit roten Äpfeln, die er dem Herbst in die bunten Hände legte, damit sie dort nachreifen konnten.
Jemand erntete die Äpfel schließlich.
Der Herbst wurde müde, gähnte und rief den Winter herbei.
Sein buntes Gefieder verschenkte er an den Wind. Die nackten Zweige spießten sich in den Himmel: Biegsame Gestalten voll Schönheit und Grazie,
Bizarr und verbogen zerteilten die Bäume mit langen Schatten das Wintergrau.
Es kam ein neuer Tag und mit ihm die ersten Schneeflocken.
Langsam und unaufhörlich deckten sie Erde, Bäume, Häuser zu.
Das Weiß des Schnees schluckte alle lauten Geräusche, die sich gestern noch brüllend in den Haaren gelegen hatten.
Die winterdichten geordneten Gärten lagen verlassen, und die gebrochene Erde der Felder atmete Ruhe ein und aus.
Nur noch gedämpft drangen Krähenkrächzer zum Haus.
Drinnen war es warm. Die Menschen waren mit ihren Händen beschäftigt, die eifrig dieses und jenes damit vollbrachten. Das gefiel dem Leise gut. Es kam aus seinem Versteck hervor und setzte sich zwischen die Menschen.

Flüchtig

Schon liegen lange Schatten auf den Sonnenuhren
und mancher dunkle Pfad wird plötzlich blendend hell.
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Winde streifen tanzend über abgemähte Felder
und spielen raschelnd mit dem Laub.
Sie heulen auf und fahren unter dünne Kleider
Äpfel fallen dumpf ins Gras und bleiben liegen.
Nüsse prasseln auf das Kopfsteinpflaster
Aus den Trauben rinnt schon fast der Saft.
Die Zeit ist überreif.
„Wer jetzt kein Haus hat, baut auch keines mehr“
Er lebt in Zelten, wartet, das etwas geschieht
Aufs Smartphone schaut er voller Sorge
und fragt sich still
wie´s wohl den Seinen in der Heimat geht
Er wird nicht lange Briefe schreiben, wenn die Blätter wehen
und in Alleen nicht rastlos wandern.
Denn die gibt´s nur woanders