Eigentlich

 gab es noch eine ganz andere Welt. Auch dorthin wanderte Maja manchmal, besonders dann, wenn ihre Stimmung düster war und sie sicher sein wollte, ganz allein zu sein.
P1020104

Heute war wieder so ein Tag, jedenfalls ganz sicher kein Prinzessinentag mit flamingoroten Seidenröcken. Es war ein ernster, dunkler Jeans- und Turnschuhtag. Alles ging schief.
Weil Maja am Morgen beim Frühstück zu lange mit Adinos dem Riesenhasen unterwegs gewesen war und getrödelt hatte – Mama und Papa waren schon früh zur Arbeit gefahren – kam sie ohne Fahrrad, das sie noch hätte aufpumpen müssen, viel zu spät in der Schule an und verpasst die Chorstunde bei Frau Kammerton, die sie so liebte.
So ein Mist, dazu regnete es und der Wind war bitter kalt, obwohl doch schon März war und die Osterglocken zu blühen begannen.
Irgendwie bekam Maja vom Unterricht nicht viel mit. Keine Ahnung, was Herr Freitag, der Mathelehrer ihnen für den nächsten Tag aufgegeben hatte. Jetzt war Pause und alle mussten nach draußen.
Maja hasste den Pausenhof. Sie wäre viel lieber im Schulgebäude geblieben, um sich in eine stille Ecke zurück zu ziehen und mit den Gedanken davon zu fliegen. Sie hasste das Gedränge, konnte Rempeln und Lärm nicht ab. Sie hatte auch keine Lust, Fußball zu spielen oder in Grüppchen blöde Mädchenspiele zu spielen. Alles ätzend.
So beschloss Maja, den Schulhof heimlich zu verlassen. Vorsichtig schaute sie sich um, damit kein Lehrer sie erwischte. Gut, dass sie sich beinahe unsichtbar machen konnte, wenn sie das nur fest genug wollte.
Draußen angekommen rannte sie los. Einmal nach rechts in die Seitenstraße, dann geradeaus bis zum Ende der Sackgasse, über die Wiesen, durch das das kleine Wäldchen zum Schrottplatz. Hier war niemand. Ausrangierter Wohnmobile und Autowracks standen dort herum, dazwischen rostige Fahrräder und Kinderwagen ohne Räder, alte Waschmaschinen, und Tonnen mit undefinierbaren Inhalt. Der Platz war gut versteckt hinter den Bäumen des kleinen Wäldchens. Eigentlich wollte Maja ja nur ein paar Minuten hier bleiben und dann zurück zur Schule gehen. Das hätte auch geklappt, wenn sie nicht wieder die Zeit vergessen hätte. Sie öffnete die Tür eines alten Autowracks, kletterte hinein, klemmte sich hinter das Lenkrad und wollte gerade zu einer imaginären Reise starten, als sie etwas hörte. Ein Winseln! Sie drehte sich um und sah nichts, suchte das Auto ab und fand nichts, stieg wieder aus, suchte.

Advertisements