26.10.20

Was mich berührt

1.
Der Ahorn hochlodernd
eine gelbe Flamme im Licht
der wilde Wein ein roter Zauber
im Hintergrund
2.
Das kleine Blatt auf der Mauer
zart und fein gefiedert
nur noch die Rippen haben Bestand
und ein Rest vom Gelb dazwischen
3.
Die Mauer mit dem verblassten Anstrich
der abblättert und Hintergrund ist
für Efeu und das Rot des wilden Weines

Hochauflodern möchte ich im Sonnenlicht, für etwas brennen auf meine alten Tage.
Und wenn meine Struktur sich unverschleiert nach außen zeigt, weil mein Fleisch sich verflüchtigt, dann soll sie filigran sein und dennoch stark. Wo Narben und Falten mich zeichnen, soll mein Licht bleiben und wie das Leuchten vom wilden Wein sein im Herbst.   Wenn ich dann irgendwann loslassen muss oder darf, möchte ich zur Erde schweben wie ein Blatt im Wind und wieder zu Erde werden.

24.10.20

Dunkle Astbögen auf-und abstrebend
sichtbar geworden unter dem lichter werdenden Laub
stark und dunkel verbinden sie Himmel und Erde
über den breiten Stamm, der Gewichte zu stämmen weiß
der Baum vor meiner Tür
ein in sich ruhendes System, indem das Leben tobt

25.10.20

Das Messinglaub zittert im Wind
Die Luft ist herbstlich kühl und klar
An den Horizont gemahlt
ein breiter glühender Streifen
Die Kirchenglocke läutet.
Der Klang mischt sich
mit dem Rauschen des Windes
dem Krächzen der Krähen
und dem Zwitschern vereinzelter Amseln
Der Sonntag schüttelt den Schlaf
aus der langen Nacht
und beginnt leise zu summen

20.10.20

Die Ringeltaube flog
gegen die Scheibe. Ich erschrak
vom Knallen und sah
Wildgänse am Horizont
das Nest im Baum lange leer

Es fehlte die Brut
an einem der heißen Tage
mitten im August


Jetzt schlagen Vögel
Kapriolen und schnattern
im Baum, schimpfen
rufen mit lauter Stimme
der Baum, Federspielplatz nun

ein ganzer Kosmos
in dem es liebt, lebt und stirbt
vor meinen Augen

In dem gelben Laub
das bald wie Messing schimmert
picken sie hungrig
sie hopsen, fallen, fliegen
fangen sich in den Zweigen

Sah die Taube nicht
die mich kurz aufhorchen ließ
scheinbar lebt sie noch

18.10.20

Ein Streifen Sonne
berührt das herbstliche Laub
und lässt es leuchten

Wege und Pfade geschmückt
einzelne Blätter, blutrot

Yemaja zu singen
unter bedeckten Himmeln
mit dem Wind tanzen

wenn rote Blätter schweben
und gelbe wie Sterne sind

dann sage ich danke dem Wind, der Erde, dem Feuer, der Luft und diesem wunderbaren Tag.


Yemaja: Göttin des Meeres und der Mutterschaft (Kuba und Brasilien)
https://www.youtube.com/watch?v=-tyNrkXC6sI

15.10.20

Der Blick aus dem Fenster vom Schreibtisch aus
in den Apfelbaum hinein, der die Häuser verdeckt
der mit Grün mich tröstet, Schatten spendet
wenn die ersten Früchte fallen, noch nicht reif
der mit ersten gelben Blätter den Herbst ansagt
und seine wahre Struktur preisgibt
 wenn er nackt dem Winter seine Zweige entgegenstreckt
mein Dreh -und Angelpunkt in Jahreszeiten und Tagesstunden
vertrauter Ablauf im Spiel und Gesang der Vögel
ein perfekter Kreislauf, in dem meine Jahre sich verdichten

14.10.20

KRANICHE

Ich höre ihr heiseres Rufen, halte inne für diesen Augenblick
suche den Keil, den sie am Himmel zeichnen
sehe wie er sich scheinbar leicht durch Wolken schiebt
immer in Veränderung, die Form
gen Süden, zur Sonne, auf alten Wegen
unterwegs sein, wohin der Weg dich führt
dem zu folgen der innere Kompass bestimmt
Und mitten drin im  Sturm  
das ICH
der kleine Mensch im Angesicht der Zeit

8.10.20

Der Weg durch den Park
grüner wirken die Bäume nach dem langen Regen
Rot zeigt sich im Laub, Gelb weicht zurück
es war noch nicht dran

Auf dem Elektrohochmast
schilpen ungezählte Vögel
so klein von hier unten, schwarze Punkte nur
ob sie sich sammeln für die Reise gen Süden?

Meine Gedanken ziehen  mit dem Wolken weg  vom herbstlichen Augenblick, denken  an einen leise, leise…
der nicht mehr da ist, schon eine Weile und dessen Stimme ich vermisse.