Lieblingssatz 21

Satz 21

„Solange man schreibt, spricht man mit den Menschen, die man erfindet, man lebt ihr Leben mit ihnen, und die Zeit zwischen dem Schreiben wird irgendwann unwichtig, das Schreiben wird zum Eigentlichen.“
(Ferdinand von Schirach, aus „Kaffee und Zigaretten“)

Solange ich schreibe! Was aber passiert mit den Menschen, deren Leben noch unvollendet beschrieben ist?
Undenkbar ja, dass irgend etwas Lebendiges jemals vollkommen wäre, aber diese bruchstückhaften Schemen mit mehr oder weniger Fleisch an den Knochen, was geschieht mit ihnen, wenn der Schreibimpuls plötzlich stoppt? Wie Marionetten, die der verborgene Puppenspieler nicht mehr bewegt, bleiben sie hängen und wiegen sich im Wind des Lebens.
Manche verschwinden zeitweise völlig aus den Augen des Erfinders, manche tauchen wieder auf als Veränderte oder verlieren sich für immer in Raum und Zeit. Zurück bleibt eine kleine Lücke, die nicht wieder aufzufüllen ist.

Eigentlich wie im richtigen Leben, oder?

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