Lieblingssatz 8

„Ich höre ihre leise Stimme- lange Sätze voll Musik und Ruhe, wie ein Ruder, das in seinem Bogen über dem Wasser schwebt- tropfendes Silber.“

(„Fluchtstücke“ von Anne Michaels“

Lange Sätze hat meine Oma mit mir nicht gesprochen. Ich war zu klein. Aber die Melodie ihrer Stimme hat sich mir eingeprägt. Still, getragen und beruhigend.

Es gibt Stimmen, die ich nicht vergesse. An Stimmen erkenne ich Menschen auch nach Jahren noch wieder, während ich mir Namen nicht immer solange einprägen kann.

Im Gegensatz zum Alt meiner Oma ist meine Stimme der Sopran. Manchmal denke ich, hätten wir zusammen gesungen, es wäre ein Wohlklang gewesen.

Wenn ich an Omas Stimme denke, dann entsteht ein Bild vor meinem inneren Auge: Silberne Regentropfen die an einem Novembertag sanft und sacht in einen See tropfen, um dort Kreise zu bilden, die sich in die Unendlichkeit ausdehnen.

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2 Gedanken zu “Lieblingssatz 8

  1. Die Stimme ist so wichtig, wenn sich zwei Menschen begegnen. manche Stimmen berühren uns sofort, manche sind unerträglich. Auch die Sprechweise, weil sie erinnern kann. Da kenne ich unzählige Beispiele aus meinem Leben und immer wieder sind es Stimmen, die etwas bewirken…

    …grüßt Syntaxia

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