Wurzeln 15

Die richtige Form und Gestalt hat MARIE noch nicht wieder gefunden. Unter der Erde hat sie an Volumen und Umriss verloren. Etwas blass und schemenhaft kommt sie daher. Sie ist auf dem Weg zurück nachhause. Mit jedem Schritt erinnert sie mehr, alle Geschichten, die eigenen und die, die ihr erzählt wurden und auch jene, die der Weg ihr erzählt. Und mit jedem Schritt, den sie tut, wird sie an Volumen und Persönlichkeit gewinnen, klären sich Konturen. Dann wird sie nicht mehr blass und unscheinbar sein, als hätte eine höhere Macht sie gerade aus dem Entwicklerbad gezogen. Sie wird eine Gestalt sein, die sich selbst neu erfindet und zur Persönlichkeit heran reift.
Sich verlieren in oder an etwas, wie Marie es im Wurzelwerk der Erde getan hat, ist nichts Schlimmes. Auch nicht, sich dem Unbekannten zu öffnen um all das Neue in sich hereinzulassen, von sich abzusehen eine Weile. Wie ein unbeschriebenes Blatt sein, dass darauf wartet, neu beschrieben zu werden. Sich verlieren für eine Weile kann Gnade sein, nicht aber Dauerzustand. Wenn die Zeit reif ist, zurückkehren können zu sich selbst, um all das Neue zu integrieren oder zu verwerfen ist kein folgenloser Prozess. Er verändert.

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