Wurzeln 5

Notiz zu meinen eigenen Wurzeln (1)

Vor ein paar Tagen an einem schönen, beinahe frostigen Januartag- ich mag solche Tage – spazierte ich nach der Arbeit durch die Kölner Altstadt Nord. Ich war hungrig und wollte mich stärken. Ich fand ein neues kleines Eck- Café´ nähe der Agneskirche. „Agnes“ hieß es, was mich nicht verwunderte. Simpel, eigentlich und logisch. Ich ging hinein und setzte mich an einen Zweiertisch. Der sehr freundliche Kellner brachte mir richtig guten Kaffee und ein Thunfischcreme-Baguette. Es schmeckte und sättigte mich ausreichend. Die Atmosphäre, französisch angehaucht, gefiel mir gut, auch die Hintergrundmusik und die angenehmen Gäste, altersmäßig gemischt.

Durch die Pandemie bin ich in den letzten zwei Jahren nicht oft in Cafés unterwegs gewesen, dabei liebe ich es dort zu sitzen und die Leute zu beobachten. Es gab eine Zeit, in der ich regelmäßig mit einer Freundin im Café´ geschrieben habe.  Einige gute Texte zu „MARIE“ sind bei diesen Treffen entstanden.

Ich könnte mir vorstellen, dass „Agnes“ mein neues Lieblingscafé wird, auch weil es mich an meine lebenslustige Großmutter Agnes väterlicherseits erinnert. Sie wurde 1902 geboren, stammt aus einem kleinen oberbergischen Dorf und ging nach dem ersten Weltkrieg als Hausmädchen nach Köln. Sie, machte sich gerne chic, liebte Schmuck, schminkte sich und liebte das Tanzen, besonders den Tango. Ich glaube, sie hat auch gerne geflirtet.1927 wurde sie schwanger und gebar einen nichtehelichen Sohn, meinen Vater. Dann war es erst mal aus mit lustig. Es brachen schwierige Zeiten für sie an, zumal mein Großvater ein Vetter meiner Oma und deren beide Väter verfeindet waren. 1988 ist sie gestorben.
Ich habe mir vorgenommen über diese Oma eine biografische Episode zu schreiben, bin aber noch nicht so weit gekommen. Als Zeitspanne schweben mir die Jahre zwischen1920 und 1928 vor. Es gibt wenig Material, und so werde ich viele Lücken fiktiv füllen müssen. Einstweilen sammle ich, was ich noch in Erfahrung bringen kann. Oma Agnes ist das krasse Gegenstück zu meiner ernsten und strengen Großmutter Anna. Beide Frauen überlebten zwei Weltkriege, hatten es nicht leicht im Leben und mussten sich allein durchschlagen. Die eine als Mutter eines nichtehelichen Kindes ohne gute berufliche Perspektive, die andere mit einem Bauernhof und acht Kindern, deren Ehemann viel zu früh starb. Da war meine Mutter gerade knapp vier Jahre alt. Das jüngste Kind war ein Jahr alt.

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