Selbstbildnis 11

Mein Lieblingsmärchen ist Dornröschen. Die Metapher begleitet mich durch mein Leben, erscheint darin in verschiedenen Ausformungen, jede für mich wie eine Spiegelscherben, in der ich mich selbst immer anders erblicke. Meine ersten Schreibversuche veröffentlichte ich unter dem Nick-Namen Dornrosis. Eigene Texte, inspiriert durch das Märchen, sind entstanden, entstehen immer noch.
Spiegelscherben, ein magisches Wort:„Vor langer, langer Zeit erschuf ein Teufel einen Spiegel, der alles Schöne und Gute verzerrt und hässlich aussehen ließ. „Die schönste Landschaft sah wie gekochter Spinat aus.“ Das Böse trat darin gut hervor. Eines Tages jedoch fiel der Spiegel dem Teufel aus den Händen und zersprang in viele tausend Stücke, große und kleine, die, je nach Verwendung durch die Menschen, viel Ärger und Verwirrung stifteten. Trafen sie einen im Herzen, so wurde es so kalt wie Eis, und trafen sie einen in die Augen, so sah er alles um sich herum nur noch hässlich und böse. So verteilten sich die Splitter des Zauberspiegels über die ganze Welt.“(Die Schneekönigin Wikipedia)

Auch Kay hatte es getroffen, ein Splitter ins Herz. Nun verzerrt sich ihm alles ohne dass er es bemerkt. Die Schneekönigin hat leichtes Spiel und nimmt ihn mit, sein Herz gefriert zu Eis. Im hohen Norden dreht er im Eispalast seine Runden, vergisst alles, bis Gerda, die Freundin aus Kinderzeiten ihn findet, darüber weint, dass er sie nicht erkennt. Die Tränen bringen den Eisklumpen zu Schmelzen. Kay erwacht aus seinem Vergessen und alles wird gut.Ich habe die Spiegelscherben gegriffen, ihre Formen abgetastet, mich geschnitten an den Spitzen, die den Dornen der Rosen gleichen, nur unendlich kalt. Unter meinen Fingern sind sie zerbrochen, haben mich bluten lassen. Warmes Blut, Lebensenergie; eiskalte, zerborstene Spieglstücke, die den Atem des Todes ahnen lassen.
Wie sich beide Märchen verbinden und als roter Faden durch meine eigene Geschichte schlängeln, welche Faszination sie immer wieder neu in mir entfachen sehe und erlebe ich ohne das Puzzle in seiner Gesamtheit ganz zu verstehen.
Mental ist die dornige Rosenhecke mein blühender Sommerwall, in dem sich das Leben tummelt; Schnee, Eis und Kälte des Nordens meine geheime Heimat, in der ich zur Ruhe finde für mich allein.

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