GESCHRUMPFT

Was habe ich da erzählt von dem Wal, der mich getragen hat, damit ich in ein kleines Boot schauen kann. So ein Unsinn, oder war es doch kein Unsinn? Irgendetwas ist passiert, denn ich liege in einem Boot und draußen tobt der Sturm. Neben mir liegt ein kleines Kind. Es schläft, vielleicht schon seit einhundert Jahren und wird nicht wach. Ich friere und kuschle mich zu ihm unter die Decken, nehme es vorsichtig in den Arm. Es ist warm und riecht nach Milch. Seltsamerweise bin ich nicht mehr groß. Etwas im Boot hat mich verzaubert. Oder war es der Wal, dessen Absichten ich nicht kenne? Ich kann nichts tun, bin klein wie das Kind neben mir. Sind wir Zwillinge, habe ich gerade im Boot mein anderes Ich gefunden? Den Schatten, den ich bisher nicht ausloten wollte?Seltsamerweise verspüre ich keine Angst. Es wird geschehen, was geschehen soll. Alles steht schon lange geschrieben und wird sich auf die ein odere andere Seite erfüllen.

Ich schaue auf das Strickstück in meinen Händen, es ist wabenförmig. Der Anfang einer Geschichte, die an allen sechs Seiten weiter gehen kann. Während ich tagträumte haben meine Hände sie ohne mich gestrickt. Möglich, dass ich tatsächlich eine Geschichte stricken kann.

2 Gedanken zu “GESCHRUMPFT

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