Ein verlorener Traum

(für Gertrud Trenkelbachs Handtasche)

Sie hatte den Traum in ihre Handtasche gepackt, zwischen Federmäppchen, Notizblock und Smartphone und schließlich den Reißverschluss entschieden und ruppig zu gezogen. Der Traum sollte nicht verloren gehen, sie für diesen Moment aber auch nicht weiter belästigen.
Sie fragte sich gerade, ob der Duft ihres Lieblingsparfums auf ihn abfärben könnte?
Vielleicht hätte sie ihn besser doch gleich ins Notizbuch genagelt, denn so weggeschlossen und abgelegt, wollte er sich partout nicht erinnern lassen. Nur im Inneren der schwarzen Tasche aus weichem Leder tobte der Traum zwischen tausend Dingen mit Papiertüchern und einem roten Lippenstift, dem die Kappe entwichen war, um seinen Platz.
Einstweilen dachte die Frau an andere Dinge. Träume sind letztlich nur Schäume.
Woher aber kamen nur die nadelfeinen Dornen, die in ihre Gedanken pieksten, als sei da eine unsichtbare Hecke, die sie zu durchdringen hätte?

 

Ob Ilses kleine Kellerfee den Traum vielleicht gefunden hat? Dann wäre er ja gerettet worden.

 

6 Gedanken zu “Ein verlorener Traum

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