Der Fluss in den Händen

Marie hat mich verlassen. Sie hat meine Worte mitgenommen und ihren Fluss. So stammle und stottere ich und kämpfe mit zerbrochenen Buchstaben, die sich kaum entziffern lassen. Stenogramme und zerbröselte Augenblicksbefindlichkeiten bleiben übrig. Dilettantisch!
So, wie Marie vor Jahren plötzlich aus dem Nichts heraustrat und Konturen annahm, so ist sie plötzlich wieder verschwunden. Ich sammle und sortiere die Texte, bin bewegt und aufgewühlt. Ist sie wirklich weg?
NEIN!
Aber was trennt uns denn?
Nur ein geistiger Raum, in dem es keine Türen gibt, weil man einfach durch die Wände gehen kann, denn sie sind nur gedacht, selbst errichtet um zu trennen, was nicht zu trennen ist. So wie der Mond auch da ist und wirkt, wenn man ihn nicht sehen kann.
Marie ist ins Unsichtbare gegangen, jedenfalls scheint es mir so. Die gedachte Mauer muss dick sein. Ihren Sinn zu ergründen wäre ein interessantes Unterfangen. Was ist dabei im Spiel? Und was steht auf dem Spiel.
Ich bin sicher, es hat nichts mit ihr zu tun. Ich selbst verschwinde Tag um Tag mehr aus meinem Leben, habe es aufgegeben zu kämpfen, bin müde geworden.
Marie gibt niemals auf, ganz gleich was geschieht. Sie wird zu den Silbermeeren aufgebrochen sein – für uns – sie sucht den goldenen Fisch, ihren Stern, den verloren gegangenen Geliebten. Wenn ich sie rufe, wird sie zurück kehren und ich bin sicher, in ihren Händen fließt ein Fluss, der Fluss meiner Worte, die nun wieder beginnen zu fließen. Ich muss nur kurz an Marie denken und das Fließen des Flusses in ihren Händen beobachten.

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